Strukturvertrieb HMI: Ergo räumt nach den Skandalen auf

Strukturvertrieb HMI: Ergo räumt nach den Skandalen auf

, aktualisiert 08. Dezember 2011, 17:44 Uhr
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Zentrale des Versicherungskonzerns Ergo in Düsseldorf.

von Thomas SchmittQuelle:Handelsblatt Online

Der umstrittene Finanzvertrieb verliert seine drei führenden Köpfe. Die Organisation bleibt, die Berater sollen aber besser ausgebildet werden. Der Versicherer entdeckt Beratungsfehler und Einflussnahme auf Manager.

DüsseldorfDer Versicherer Ergo reagiert auf die Skandale dieses Jahres mit einem Neustart seiner umstrittenen Vertriebsorganisation HMI. Die 9600 Vermittler der Organisation verlieren ab Januar ihre drei führenden Köpfe, die sogenannten „Urgeneräle“. Es handele sich dabei um Wolfgang Thust, Manfred Rump und Herbert Knoll, sagte Ergo-Vorstand Rolf Wiswesser am Donnerstag in einer Telefonkonferenz des Versicherers auf Nachfrage von Journalisten. Mit diesen drei Personen seien die Verträge einvernehmlich aufgelöst worden, ab Januar seien sie aus der HMI-Organisation raus. Die geplanten Veränderungen bei HMI würden die drei Urgeneräle mittragen.

Wiswesser legte in der Telefonkonferenz ein deutliches Bekenntnis zu der Organisationsform ab. „Ergo wird auch künftig einen Strukturvertrieb haben“, sagte er. Allerdings soll eine Qualitätsoffensive gestartet werden, um die Beratung der Kunden zu verbessern. Damit reagiert der Versicherer auf die zahlreichen Skandale, über die im Laufe des Jahres berichtet worden war. Für besonderes Aufsehen hatte eine Lustreise der HMI nach Budapest gesorgt, wo eine Sex-Orgie mit Prostituierten stattfand. Dies bezeichnet Ergo offiziell als „Fehlverhalten einiger“. Doch auch Beratungsfehler waren dem Versicherer vorgeworfen worden.

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In der Telefonkonferenz bestritt der Versicherer, dass die Vertragsauflösung mit den drei Alt-Generälen etwas mit der umstrittenen Vertreterreise nach Ungarn zu tun gehabt habe. Ergo-Vorstandschef Torsten Oletzky antwortete: „Das hat nichts mit Budapest zu tun, es waren auch nicht alle drei bei der Reise dabei.“ Keine Angaben machte der Versicherer zu einer Sonderprüfung der Finanzaufsicht Bafin, er bestätigte nur, dass ein Schreiben eingegangen sei. Keine Aussage gab es auch zu staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen im Zusammenhang mit den Ergo-Skandalen.

Stattdessen hob Ergo den Neustart von HMI hervor. Als sichtbares Zeichen dafür, dass für die Vertriebsorganisation HMI der gleiche hohe Qualitätsanspruch gelte wie für die anderen Vertriebsorganisationen, werde sich die HMI unter Verwendung der Marke Ergo im Januar 2012 umbenennen. „Wir sind überzeugt, dass die Vertriebsform Strukturvertrieb mit unserem Leitbild „Versichern heißt verstehen“ ebenso in Einklang stehen kann wie alle anderen Vertriebswege der Ergo Versicherungsgruppe“, erklärte Oletzky. Die Forcierung der Qualitätsoffensive konzentriere sich auf die Bereiche Beratungsqualität, Kundenbetreuung, Steuerung sowie Kultur und Werte.


Keine systematische Fehlberatung

Mehrfach hob Ergo eine Kundenbefragung von gdp Marktforschung hervor. Diese komme bereits heute zu dem Ergebnis, dass 87 Prozent der HMI-Kunden mit der Beratung vollkommen oder sehr zufrieden sind. Um diese Zufriedenheit nachhaltig sicherzustellen, würden wesentliche Elemente der Beratungsunterlagen, der Schulungsprogramme und der Starterseminare zentral und verbindlich vorgegeben.

So werde beispielsweise der Einsatz des computerbasierten, strukturierten Beratungstools „Finanzkompass“ nach einer Überarbeitung verpflichtend. Künftig sollen spätestens nach 12 Monaten die Kunden in einem standardisierten Prozess vom Strukturvertrieb in die Agenturbetreuung wechseln und die Beratungsqualität soll sich noch stärker in der Vergütung niederschlagen.

Der Versicherer sieht sich darüber hinaus im Bereich der betrieblichen Altersversorgung (bAV) entlastet. Die Experten mit maßgeblicher Beteiligung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers hätten keine systematische Fehlberatung oder Einflussnahme auf Entscheidungsträger festgestellt, teilte der Versicherer mit. Die Ergo-Prüfer entdeckten allerdings drei Fälle, in denen eine unzulässige Einflussnahme auf Entscheidungsträger vermutet wird. Hier erfolge nun „eine weitere Prüfung strafrechtlicher Relevanz“. Auch mehrere hundert Verträge seien womöglich problematisch. Das sei aber gemessen am Gesamtvolumen eine geringe Zahl.

Bei den auffälligen Verträgen werde Ergo die entsprechenden Firmenkunden jetzt einzeln kontaktieren. Wenn die Zweifel dabei nicht beseitigt werden könnten, werde Ergo die Verträge umstellen. Für die Zukunft habe man neue Annahmerichtlinien beschlossen. Darüber hinaus wurde ein Verbot für Provisionszahlungen an Entscheidungsträger und deren Angehörige beschlossen, um unzulässige Einflussnahme zu verhindern.

 

Quelle:  Handelsblatt Online
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