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Versicherer auf Expansionskurs: Das Auslandsgeschäft als Rettungsanker

von Nicole Bastian, Michael Detering und Stefan Menzel Quelle: Handelsblatt Online

Vor allem hierzulande ist das Geschäft für Versicherer schwierig. Viele setzen daher auf die Expansion in Schwellenländer. Doch das Auslandsgeschäft ist kein Selbstläufer. Das musste auch Ergo schon schmerzlich erfahren.

Traditionelle Tänze in Seoul: Die südkoreanische Tochter hat Ergo inzwischen verkauft. Quelle: dapd
Traditionelle Tänze in Seoul: Die südkoreanische Tochter hat Ergo inzwischen verkauft. Quelle: dapd

Düsseldorf/Frankfurt/WienDer Versicherer Ergo hält trotz Rückschlägen an seinen Expansionsplänen im Ausland fest, korrigiert aber seine Zielvorgaben. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Ergo im Ausland gut 4,3 Milliarden Euro - rund 21,4 Prozent der gesamten Prämieneinnahmen. Damit liegt der Anteil noch klar unter dem Anfang 2008 von Ergo-Chef Torsten Oletzky ausgegebenen Ziel, 2013 bereits 30 Prozent der Einnahmen im Ausland zu generieren. "Ich denke, wir können in drei bis fünf Jahren im Bestand einen Anteil von 30 Prozent erreichen", sagt nun Jochen Messemer, der im Vorstand der Ergo das internationale Geschäft verantwortet, dem Handelsblatt. "Wichtiger ist mir aber, dass wir substanziell und profitabel zum Neugeschäft beitragen." Im Neugeschäft mache das Ausland bereits 35 bis 40 Prozent aus.

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Das Auslandsgeschäft wird für die Versicherer immer wichtiger. Die derzeit niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt machen das Lebensversicherungsgeschäft vor allem hierzulande schwierig, denn die Versicherer finden kaum noch attraktive Anlagen, um die hohen Renditen, die sie ihren Kunden versprochen haben, zu erwirtschaften. Auch die demografische Entwicklung spielt eine wichtige Rolle: "In den nächsten zehn Jahren wird es hierzulande einen massiven Umbruch geben", sagt Christian Muschick, Analyst bei Silvia Quandt Research. "Die geburtenstarken Jahrgänge gehen in Rente und werden nicht mehr in Policen einzahlen, sondern sie auszahlen lassen." Um weiterhin wachsen oder das bisherige Beitragsvolumen zumindest halten zu können, müssten die Versicherer in den Schwellenländern expandieren.

Ein Selbstläufer aber ist das Auslandsgeschäft nicht. In den vergangenen drei Jahren hat die Munich-Re-Tochter Ergo dort Verluste gemacht. Das lag vor allem an den verlustreichen Töchtern in Portugal, Südkorea und der Türkei. Die beiden portugiesischen Töchter und die südkoreanische Tochter hat Ergo inzwischen verkauft. Bleibt noch die auf Sachversicherung spezialisierte Tochter in der Türkei, die gerade saniert wird. So hat Ergo etwa 40 Prozent aller Kfz-Bestandsverträge gekündigt, weil die Prämien nicht auskömmlich waren.

Im Türkei-Geschäft, immerhin von den Beitragseinnahmen im vergangenen Jahr mit 300 Millionen Euro nach Polen die weltweit zweitgrößte Tochter im Schadensgeschäft, rechnet Messemer in diesem und im kommenden Jahr noch mit Verlusten, dann soll auch diese Tochter Gewinn erwirtschaften. "Damit haben wir dann all unsere Sanierungsfälle gelöst."


Das nächste Ziel ist Indien

Nach den Verlustjahren soll das Auslandsgeschäft in diesem Jahr Gewinne schreiben. "Wir gehen von einem positiven Ergebnis im niedrigen ein- bis zweistelligen Millionenbereich aus, wenn es keine großen externen Schocks gibt", sagt Messemer. Sein Ziel ist es, dass das Auslandsgeschäft künftig "in normalen Jahren 100 bis 150 Millionen Ertrag" erwirtschaftet. Wann dieses Ziel genau erreicht sein wird, wollte er nicht sagen.

Ergo ist in über 30 Ländern vertreten, vor allem in Osteuropa und Asien. In China steigt Ergo jetzt in das Geschäft mit Lebenspolicen ein. "In Indien bereiten wir gerade den Markteintritt im Lebensversicherungsgeschäft vor", sagt Messemer. Die Verhandlungen mit einem Joint-Venture-Partner seien im Endstadium. Auch ein Einstieg in Indonesien und Thailand könnte interessant sein.

Neue Probleme könnte es für Ergo zum Jahresende in Osteuropa geben. In Ländern wie Ungarn, Tschechien und der Slowakei geht dem Versicherer dann möglicherweise der Vertriebspartner verloren. Bislang arbeitet Ergo mit der Volksbank International (VBI) zusammen. Doch die Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG), bisheriger Eigentümer der VBI, hat ihre Osteuropa-Tochter an die russische Sberbank verkauft. Die Sberbank lässt offen, ob sie die Kooperation mit Ergo fortsetzen will. "Ich bin sehr optimistisch, dass wir die Zusammenarbeit weiterführen - und sollte das wider Erwarten nicht der Fall sein, gehen wir trotzdem nicht raus aus den Märkten", sagt Messemer.

Im Vergleich zur Konkurrenz hinkt Ergo im Ausland noch hinterher. Vorreiter ist die Allianz, die ihre Internationalisierung bereits in den 1990er-Jahren stark vorangetrieben hat. Die Münchener erwirtschaften - ähnlich wie die anderen großen europäischen Versicherer Axa und Generali - über 70 Prozent ihrer Beitragseinnahmen im Ausland. Erst vor knapp drei Wochen kaufte die Allianz in Frankreich zu und übernahm die Schaden- und Unfallsparte des Maklers Gan Eurocourtage. Verkäufer ist der angeschlagene Versicherer Groupama, der voraussichtlich weitere Töchter in Spanien und der Türkei abstoßen wird. Auch hier wird die Allianz als einer der Interessenten gehandelt.

Auch der drittgrößte deutsche Versicherungskonzern Talanx ist auf Expansionskurs. Zuletzt sind die Hannoveraner mit dem Kauf der Versicherer Warta und TU Europa zur Nummer zwei auf dem polnischen Markt aufgestiegen.

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