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Versicherungen: Verzweifelte Suche nach Sicherheit

Quelle: Handelsblatt Online

Die Kreditversicherer beobachten eine zunehmend angespannte Situation in der Finanzbranche. Durch Verflechtungen mit den überschuldeten Staaten wachse das Misstrauen unter den Banken. Der Interbankenhandel schwächelt.

Sprengstoff in den Bankbilanzen: Nicht nur in Griechenland nehmen die Risiken zu. Quelle: dapd
Sprengstoff in den Bankbilanzen: Nicht nur in Griechenland nehmen die Risiken zu. Quelle: dapd

DüsseldorfDie finanzielle Stabilität der Unternehmen in den europäischen Industrieländern und den USA droht sich zu verschlechtern. Davon gehen die großen Kreditversicherer aus.

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Die französische Coface registriert wieder eine Zunahme an Zahlungsausfällen, nachdem sich die Lage nach der Krise 2008/09 zunächst entspannt hatte. Daher seien die positiven Aussichten in Länderbewertungen zurückgenommen worden. Für Deutschland, Österreich, Belgien, Frankreich und die Niederlande wie auch die USA (alle A2) sei damit eine baldige Rückkehr auf die Bestnote A1 unwahrscheinlich. Für Italien (A3) und Portugal (A4) würden die Risikoeinschätzungen mit negativem Ausblick versehen.

Seit Sommer 2011 verschlechtert sich die Wirtschaftslage der Industrieländer. Die Unsicherheiten, die mit der Krise der Euro-Zone und dem Stillstand in der US-Wirtschaftspolitik einhergingen, könnten dazu führen, dass Konsumenten und Anleger ihre Investitionen aussetzen, fürchtet Norbert Langenbach, Vorstandsmitglied von Coface Deutschland.

Ein weiterer Grund zur Sorge sei das Misstrauen, das den Banken aufgrund ihrer Verflechtungen mit den staatlichen Risiken entgegengebracht werde. Das erschwert europäischen Unternehmen mehr und mehr den Zugang zu Krediten. In der ersten Jahreshälfte 2011 ging die Kreditvergabe in den Peripheriestaaten der EU merklich zurück. Coface befürchtet auch im Herzen der EU eine erschwerte und teurere Kreditaufnahme. Die Zunahme von überfälligen Zahlungen insbesondere in den Peripherieländern der Euro-Zone ist ein wichtiger Indikator, dass Unternehmen in eine schwierige Lage geraten. Coface rechnet 2011 mit einem Wirtschaftswachstum in der Währungsunion von lediglich 1,6 Prozent.


Der Aufschwung in Euro-Land und USA ist ein Schatten seiner selbst

Auch Euler Hermes ist skeptischer: In der Euro-Zone und in den USA gewinne der Aufschwung zu wenig an Fahrt. In der Euro-Zone gehe dem Aufschwung der Atem aus. Die Inlandnachfrage sei zum ersten Mal seit 2009 geschrumpft. Der Kreditversicherer sieht das Risiko einer Verschlechterung von sehr hohem Ausmaß, wenn nicht unverzüglich Länder und Finanzinstitute unterstützt würden, die sich in Schwierigkeiten befänden. In den USA gebe es zwar einige beruhigende Nachrichten wie gut gehaltene Gewinne der Unternehmen. Die sinkende Tendenz bei der Zahl der insolventen Unternehmen und die Zunahme der Bankdarlehen blieben aber bei einem stagnierenden Konsum begrenzt. Weitere Daten wie der Wohnungsmarkt, die Industrieproduktion und die Beschäftigung seien ebenfalls schwach.

Michael Karrenberg, Leiter Risikomanagement des Kreditversicherers Atradius in Köln, prognostiziert: „Eine weitere Verschärfung der Euro-Krise würde in den von der Schuldenkrise besonders betroffenen Ländern Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien zu einer noch restriktiveren Kreditvergabe der lokalen Banken und damit zu einer weiteren Verschlechterung der Zahlungsmoral in diesen Märkten führen.“

Der Absicherungsbedarf in der Euro-Zone steige. International gesehen seien jetzt schon über 30 Prozent der Forderungen aus dem Ausland überfällig. Exportforderungen deutscher Unternehmen würden sogar zu mehr als einem Drittel nicht pünktlich beglichen. Durch die Schuldenkrise herrsche bei den Exporteuren zunehmend Verunsicherung darüber, ob sich die finanzielle Schieflage in der Euro-Zone auch auf die Bonität ihrer Geschäftspartner auswirke, stellt Regionaldirektor Thomas Langen fest.

Atradius beobachte, dass die Unternehmen die Kreditwürdigkeit ihrer Geschäftspartner - insbesondere aus dem Ausland - vor Geschäftsabschluss genau prüften. Die Nachfrage nach Forderungsausfallschutz für italienische Abnehmer sei bei Atradius im zweiten Quartal 2011 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 47 Prozent gestiegen.

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