Versicherungsbetrug: Betrüger haben es in Großbritannien schwer

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Versicherungsbetrug: Betrüger haben es in Großbritannien schwer

von Yvonne Esterházy

Auf der Insel wird Versicherungsbetrug hart bekämpft und geahndet. Datenschutz ist dabei zweitrangig.

„Gehirnfieber“ habe den Tod ihres Mannes Sanjay im November 2011 verursacht, sagte Anju Kumar, als sie die Auszahlung der Lebensversicherung von 1,4 Millionen Euro beantragte. Der Versicherung kam das verdächtig vor: Kumar war erst kurz zuvor ins heimatliche Indien gereist, wo sich weder ein Beweis für einen Klinikaufenthalt noch eine glaubwürdige Todesurkunde auftreiben ließen. Der Versicherer beauftragte das Insurance Fraud Enforcement Department (IFED) der Londoner Polizei, der Sache nachzugehen. Die Ermittler entdeckten, dass Anju ihrem Mann zwei Tage nach seinem angeblichen Ableben 1900 Euro nach Indien überwiesen hatte. Kumar hatte hohe Schulden und war im August 2012 unter falschem Namen nach Großbritannien zurückgekehrt. Er wurde gefasst und zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

Anders als in Deutschland wird Versicherungsbetrug in Großbritannien schon länger mit harten Bandagen bekämpft. „Wir fahren einen Null-Toleranz-Kurs. Jeder, der in Versuchung gerät, sollte wissen, dass er eine Gefängnisstrafe riskiert“, betont John O’Roarke, Leiter des Financial Crime Committee beim Versicherungsverband ABI. Der investiert rund 250 Millionen Euro pro Jahr, um Betrügern das Handwerk zu legen. 2013 wurden laut ABI 118 500 Betrugsfälle aufgedeckt, mit einer Schadenshöhe von 1,6 Milliarden Euro. Rund die Hälfte betreffen Autopolicen, gefolgt von Privathaftpflicht- und Gebäudeversicherungen.

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Quelle: imago/imagebroker

Bei der Gegenwehr helfen der Branche vor allem drei Instrumente:

- 2006 haben die Versicherer das Insurance Fraud Bureau (IFB) gegründet, eine investigative Truppe mit 37 Mitarbeitern. Sie fahnden nach Betrügern, die Autoversicherungen reinlegen. Beliebt ist das Modell „Crash for Cash“, bei dem ein Pkw-Fahrer grundlos bremst, um einen Auffahrunfall zu verursachen und Schadensersatz zu kassieren. „Dahinter stecken oft kriminelle Banden und das organisierte Verbrechen“, sagt IFB-Mitarbeiter Jim Roberts. Autoversicherer beziffern den jährlichen Schaden durch derartige Betrügereien auf eine halbe Milliarde Euro. Das verteuert die durchschnittliche Autoversicherungspolice um etwa 62 Euro. Das IFB betreibt daher die Telefon-Hotline „Cheatline“, wo man Verdächtige anschwärzen kann – 9000 Anrufe gab es in den vergangenen Jahren. IFB-Teams analysieren sie, werten Datenbanken aus und kooperieren mit der Polizei.

- Im Januar 2012 wurde das IFED gegründet, eine Spezialeinheit der Polizei mit 38 Mitarbeitern, die in London beim nationalen Betrugsdezernat angesiedelt ist und von der Versicherungsbranche mit 3,75 Millionen Euro pro Jahr finanziert wird. Für 2015 bis 2020 wurden insgesamt weitere 14,6 Millionen Euro zugesagt. IFED hat bisher in England und Wales 516 Verdächtige verhaftet. „Dem Bürger muss klar werden, dass Versicherungsbetrug kein Verbrechen ohne Opfer ist“, sagt IFED-Inspektor David Hindmarsh.

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- Ende 2013 ging die Datenbank Insurance Fraud Register (IFR) in Betrieb, die alle Fälle von Versicherungsbetrug in Großbritannien auflistet. Aus Datenschutzgründen ist das fragwürdig, da nicht nur Daten von Betrügern gespeichert sind, sondern auch Personen, deren Versicherungsanträge abgelehnt wurden, weil sie Informationen zurückhielten oder unwahre Angaben machten. Die IFR wird finanziert vom Branchenverband ABI. Der wertet die Daten gemeinsam mit dem IFB aus und durchkämmt sie mithilfe von Algorithmen auf Übereinstimmungen, Schlüsselbegriffe oder regionale Trends bei Fällen, die für sich allein genommen unverdächtig wären.

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