Versicherungsriese : Generali schaltet auf Zukunft

Versicherungsriese : Generali schaltet auf Zukunft

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Herr über einen Topf Arbeitskraft: Schadensspezialist Simon gelingt es, extrem unterschiedliche individuelle Arbeitszeit-modelle in seiner Abteilung zu steuern

Der Versicherungsriese krempelt seine deutschen Standorte um, um die Alterung der Belegschaft zu bewältigen. Ein Praxisreport über die Herkulesaufgabe des demografischen Wandels.

Jeden Morgen um neun dreht sich auf dem Computerbildschirm vor Michael Simon ein elektronisches Zahlenrad. Irgendwo zwischen 0 und 77 bleibt der Zeiger stehen, heute bei 67. Simon weiß jetzt, dass gerade 67 seiner 77 Mitarbeiter an ihrem Arbeitsplatz sind.

Seit 2009 leitet der 58-Jährige das Schadenservice-Center der Generali Versicherung am Hauptsitz in München. Hier in Neuperlach haust eine der insgesamt sechs Service-Niederlassungen des Konzerns, bei denen die Versicherten alle Schadenfälle deutschlandweit melden, vom Glasbruch bis zum Blechschaden.

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Um abzuschätzen, ob der Schadenservice heute sein Pensum schafft, klickt Simon auf seinen Computer. Sofort sieht er, wie viele Leute in Urlaub oder krank sind, wie viele später kommen, früher gehen, Überstunden kloppen oder nur Teilzeit arbeiten. Simon weiß, dass seine 77 Mitarbeiter 63 Vollzeitkräften entsprechen, von denen rechnerisch stets 75 Prozent anwesend sein müssen. Diese Quote erreicht er gerade nur zu vier Fünftel. Simon bleibt trotzdem gelassen. "Mit meinen engagierten Leuten", sagt er, "schaffe ich das Pensum heute auch so."

Weniger Abschreibungen Börsenerholung stimmt Versicherer positiv

Gute Geschäfte am Kapitalmarkt und geringe Belastungen durch Naturkatastrophen stimmen Europas große Versicherer zuversichtlich. Auch die großen Rückversicherer haben gut Lachen - trotz Sandy.

huGO-BildID: 25759306 Der Sitz der Versicherung Generali Deutschland, fotografiert am Mittwoch (28.03.2012) in Köln. Die Versicherung Generali Deutschland gibt am gleichen Tag ihre Bilanzzahlen für das Jahr 2011 bekannt. Foto: Oliver Berg dpa/lnw +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa

Doppelt so viele Endfünfziger

Der Umgang mit den Beschäftigten wie mit einem Topf Arbeitskraft ist für den erfahrenen Manager relativ neu. Seit fast 30 Jahren arbeitet der gelernte Versicherungskaufmann bei dem heutigen Deutschland-Ableger des Branchenriesen aus dem norditalienischen Triest. Doch Dutzende Angestellte ohne Ansehen der Person über die täglichen Anforderungen zu gießen, diese Idee hatte der alte Assekuranzhase zusammen mit anderen erstmals 2009 - sowohl aus Not als auch in kluger Vorausschau.

Denn Simons System gehört zu einem umfangreichen Set personalpolitischer Instrumente, wie es in Deutschland zurzeit erst wenige Unternehmen einsetzen, um eines der großen Probleme der kommenden Jahre zu lösen: den demografischen Wandel im eigenen Betrieb. Denn je älter die Beschäftigen werden und je weniger Junge nachkommen, desto wichtiger wird es für das Unternehmen, jede eingespielte Arbeitskraft zu halten. Das läuft in der Praxis vor allem über möglichst differenzierte Arbeitszeiten, die auf einzelne Beschäftigte zugeschnitten sind. Dadurch variiert aber die individuelle Verfügbarkeit der Mitarbeiter in einem solchen Maße, dass nur der radikale Abschied von der bisherigen Einheitsschicht sowie neue Ansätze des Personalmanagements weiterhelfen.

Demografischer Wandel fordert

"Die Individualisierung wird so weit gehen, dass Führungskräfte und Mitarbeiter aushandeln werden, wie variabel und flexibel die Arbeitszeit genutzt wird", sagt Christoph Schmallenbach, Personalvorstand der Generali Deutschland Holding.

Die Herausforderungen des demografischen Wandels werden für den Assekuranzkonzern immer greifbarer und stellen so manch anderes Problem in den Schatten: ob die kundenunfreundlichen Klauseln in Versicherungsverträgen, die der Bundesgerichtshof dem Unternehmen Anfang Oktober verbot; oder die fragwürdigen Praktiken des Ablegers Volksfürsorge, über die die WirtschaftsWoche unlängst berichtete.

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