_

exklusivVolksfürsorge: Schlechte Zahlen - umstrittene Offensive

von Melanie Bergermann

Bei der deutschen Generali-Tochter Volksfürsorge laufen die Geschäfte schlecht.

Internetauftritt der Volksfürsorge Quelle: Screenshot
Die Geschäfte laufen schlecht für das Unternehmen Quelle: Screenshot

Anzeige

Wie aus internen Unterlagen hervorgeht, die der WirtschaftsWoche vorliegen, hat das Unternehmen bis zum 18. Mai seine Vertriebsziele nur zu 74,4 Prozent erreicht und steuert Insidern zufolge auf einen Verlust zum Jahresende zu.

Grund für die negative Entwicklung ist unter anderem die hohe Mitarbeiter-Fluktuation. Internen Unterlagen zeigen laut WirtschaftsWoche, dass von 100 neu eingestellten Vertriebsassistenten – die unterste Hierarchiestufe in der Organisation – nach drei Jahren nur noch 20 Mitarbeiter hauptberuflich für die Volksfürsorge tätig sind. Nur sechs davon sind den Unterlagen zufolge „produktiv“, das heißt: Sie erreichen die Vertriebsziele. Insgesamt verliert das Unternehmen derzeit mehr Mitarbeiter, als es einstellt. Von den derzeit hauptberuflichen Angestellten gelten intern, so das Magazin, nur 772 als „produktiv“, während 1778 als „nicht produktiv“ geführt werden.

Der Vorstand reagiert auf die Entwicklung mit einer umstrittenen Vertriebsoffensive, wie die WirtschaftsWoche unter Berufung auf Volksfürsorge-Mitarbeiter sowie interne Unterlagen berichtet. Demnach sollen Mitarbeiter Kunden bewegen, ihre beitragsfrei gestellten Versicherungen zu kündigen und stattdessen eine Berufs- oder Erwerbsunfähigkeitsversicherung abzuschließen. Der Rückkaufwert der alten Versicherung soll dabei auf einem Depot bei Generali geparkt werden, um damit einen Teil der monatlichen Prämie für die neue Versicherung zu zahlen. Die Volksfürsorge kassiert für jeden dieser neuen Verträge eine Provision. Verbraucherschützer bemängeln solche Geschäfte, weil sie in den meisten Fällen zum Nachteil der Versicherten sind.

Zudem sollen nach Informationen der WirtschaftsWoche die Hierarchieebenen weiter ausgedünnt werden. Mit einigen Führungskräften sollen bereits Trennungsgespräche laufen. Am 12. Juli werden die konkreten Maßnahmen auf einer Tagung der Führungskräfte in Hamburg bekannt gegeben werden. Die Volksfürsorge lehnte eine Stellungnahme hierzu ab.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 20.07.2012, 10:34 UhrC_Beer

    Bevor ein Artikel veröffentlicht wird, sollte man abwarten, wie die Stellungnahme des Unternehmens "ausfällt". Es gibt die klare Arbeitsanweisung der Volksfürsorge, dass eine umfassende Vorsorgeanalyse durchzuführen ist und erst dann Lösungen erarbeitet werden, in der die bestehende Lebensversicherung eingebunden werden kann. Nur wenn der Kunde einen Vorteil (nach Steuern) hat, macht es Sinn den alten Vertrag beitragsfrei zu stellen. Auch im Beratungsprotokoll ist zu vermerken, welche Konsequenzen eine Beitragsfreistellung hat. Kein Vertriebler wurde gezwungen die Bestandsmaßnahme durchzuführen und erst recht nicht eine Beitragsfreistellung des Altvertrages durchzuführen. Bezüglich der Aktion "Berufsunfähigkeit" ist ebenfalls klarzustellen, dass erst eine Vorsorgeanalyse zu erstellen ist und dann festgestellt wird, ob der Kunde sich die Absicherung leisten kann. Wenn nicht, kann es Sinn machen die beitragsfreie Versicherung einzubinden. Denn was nutzt es den Vertrag aufrecht zu erhalten, wenn der Kunde bei einer Berufsunfähigkeit diesen mangels Geld und fehlender Absicherung auflösen muss. Durch eine Burufsunfähigkeitsversicherung ist wenigstens seine Existenz gesichert. Wenn der Kunde sich dies durch einen Verlust bei der Auflösung seiner beitragsfreien Versicherung "erkauft" dann ziehe ich diesen Weg immer vor und das zum Vorteil des Kunden. Seit ich bei der Volksfürsorge bin, vertritt das Unternehmen die Philosophie der ganzheitlichen Beratung, ganz nach den Vorgaben der Stiftung Warentest. Die positiven Fakten werden hier leider nicht erwähnt

  • 11.07.2012, 15:37 UhrVertriebler

    Ich bin seit 2010 für die Volksfürsorge tätig und habe die besagten "Vertriebsoffensiven" mit gemacht und kann nur sagen, dass wenn man die Anweisungen vom Vorstand verstanden hat, es sich kein Nachteil für den Kunden entwickeln kann.

    Wenn schon interne Sachen nach außen getragen werden müssen, dann bitte nicht nur die Hälfte sondern alles, damit kein falscher Eindruck entsteht.

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Von Ada Lovelace bis Java & PHP: Die Geschichte der Programmiersprachen
Von Ada Lovelace bis Java & PHP: Die Geschichte der Programmiersprachen

Die interessantesten Zahlen und Fakten rund um die wichtigsten Computer-Programmiersprachen - und welche Webseiten sie...

    Folgen Sie uns im Social Web

WirtschaftsWoche Shop

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.