Versicherung: Allianz: Dringend nötige Kurskorrektur

Versicherung: Allianz: Dringend nötige Kurskorrektur

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Allianz-Chef Michael Diekmann

Für Allianz-Chef Michael Diekmann muss es eine Hauptversammlung voll Licht und Schatten gewesen sein: Einerseits konnte er ein ein operatives Rekordergebnis von über zehn Milliarden Euro vorlegen. Andererseits sprach Diekmann auch ungewöhnlich offen die Probleme beim Umbau des deutschen Allianz-Konzerns an, analysiert WirtschaftsWoche-Redakteur Martin Seiwert.

„Das erfolgreichste deutsche Unternehmen“. Ein schöner Superlativ war das, den Allianz-Chef Michael Diekmann bei der Hauptversammlung den Aktionären servieren konnte.

Und aus Aktionärssicht war das noch nicht einmal übertrieben – ein operatives Ergebnis von 10,9 Milliarden Euro muss man erst einmal schaffen. Hier ist die Allianz in der Tat den Dax-Kollegen enteilt, und auch auf der großen Weltbühne kann Diekmann damit glänzen.

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Merkwürdig nur, dass Diekmann nur wenige Minuten später die Aktionäre davor warnte, die Hauptversammlung als Plattform für eine Generalabrechnung mit der Konzernführung zu nutzen. Das schade nur dem Unternehmen, dessen müsse sich jeder Kritiker bewusst sein. Die Aussage, die sich freilich nicht im offiziellen Redetext findet, macht hellhörig. Wie groß muss die Angst eines Vorstandschefs sein, dass er sich zu einer derart platten Maßregelung der Aktionäre hinreißen lässt?

Trotz sensationeller Gewinne muss Diekmann harsche Kritik von Aktionären fürchten – von Aktionären, die die Trennung von der Dresdner Bank sehen wollen, weil sie ständig neue Löcher in die Allianz-Bilanz reißt. Kritik aber auch von Mitarbeitern und Vertretern, die unter dem Konzernumbau in Deutschland leiden und sich angesichts von Bearbeitungsrückständen, schlechtem Service und allenfalls mittelmäßigen Produkten um den Ruf der Allianz sorgen.

Der 53-jährige Allianz-Chef beließ es nicht bei der Warnung. Er versuchte, den Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen, indem er die Flucht nach vorne antrat: Ausführlich widmete sich Diekmann – der sonst viel lieber über seine globale Wachstumsstrategie spricht, als über das Klein-Klein des Deutschlandgeschäftes – dem Umbau der deutschen Allianz.

„Vielleicht haben Sie den einen oder anderen kritischen Pressebericht zu unserer Neuaufstellung gelesen“, sagte Diekmann. Er wolle die Veröffentlichungen nicht im Einzelnen kommentieren, so der Allianz-Chef. „Nur so viel will ich sagen: Natürlich gibt es technische Umstellungsprobleme, natürlich müssen wir Prozesse anpassen und leider müssen wir auch mit Rückständen in der Schaden- und Vertragsbearbeitung kämpfen.“

Das waren erstaunlich klare und – angesichts der massiven öffentlichen Kritik am Konzernumbau – erstaunlich milde Worte. Ziemlich schwammig fiel dagegen der Ausblick des Konzernchefs aus: Er sei „zuversichtlich“, so  Diekmann, dass „die Umstellung im ursprünglich geplanten Rahmen (Anm. der Red: bis 2009) abgeschlossen werden kann und dass wir schrittweise einen reibungslosen Zustand erreichen werden.“

Noch aber ist die deutsche Allianz von reibungslosen Zuständen weit entfernt, daran  ließ Diekmann keine Zweifel. Derzeit verlange die Allianz „Mitarbeitern und Vertriebspartnern und letztlich auch unseren Kunden viel ab“, gestand der Konzernchef. „Ich möchte mich daher bei den Mitarbeitern und Vertriebspartnern für die bisherige Leistung und bei den Kunden für das Verständnis bedanken, dass vieles noch nicht so reibungslos läuft, wie man das bei der Allianz gewohnt ist und zu Recht erwartet.“

Stellt sich die Frage, wie lange Mitarbeiter und Kunden noch Verständnis aufbringen. Denn  Alternativen haben sie genug: Um die Kunden wird mit teilweise ruinösen Rabatten gekämpft. Nicht weniger begehrt sind Versicherungsvertreter. Mancher Allianz-Vertreter bekommt wöchentlich Besuche von Konkurrenten, die ihn abwerben wollen.

Der Supertanker Allianz muss die Kurskorrektur schnell schaffen, sonst droht das Schicksal eines anderen Dickschiffes, der Telekom: Satte Gewinne – und ein existenzbedrohlicher Kundenschwund. 

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