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Kommentar Versicherungen: Allianz entdeckt Zuversicht in der Finanzkrise

von Wilfried Eckl-Dorna

Die Aussichten für 2009 werden immer düsterer. Doch ein Versicherer leistet Widerstand gegen die Konjunkturpessimismus: die Allianz. Der Versicherer will herausgefunden haben, dass die Zuversicht der Deutschen trotz der Finanzkrise wächst. Die entsprechende Presseerklärung strotzt vor Eigenwerbung – und spart unbequeme Wahrheiten aus.

Ein Aktenordner mit dem Logo Quelle: dpa
Ein Aktenordner mit dem Logo der Allianz-Versicherung steht im Büro einer Allianz-Vertretung in Kaufbeuren im Allgäu Quelle: dpa

In Zeiten, in denen eine wirtschaftliche Hiobsbotschaft die andere jagt, wirken blumige Ankündigungen immer ein wenig verdächtig. Deutschlands größter Versicherer Pressemeldung ist voll von fragwürdigen Aussagen.

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So behauptet die Allianz allen Ernstes gleich zu Beginn des Pressetexts, dass die Krise an den Finanzmärkten "im persönlichen Leben der Deutschen noch nicht angekommen ist.“ Von 1000 repräsentativ ausgewählten Befragten hätten im November 60 Prozent ihre persönliche Lage als "gut" oder "sehr gut" eingestuft, untermauert die Allianz ihre These. Die aktuelle Lage Deutschlands beurteilt zwar nur ein Fünftel positiv, doch immerhin ist die Stimmung bei der Mehrheit der Allianz-Deutschen auch für die kommenden zwölf Monate stabil.

Die Befragungen hat die Allianz in Zusammenarbeit mit der Universität Hohenheim durchgeführt. Trotz dieser universitären Rückendeckung stehen die Aussagen im krassen Widerspruch zu einer Reihe anderer Konsumstudien.

So sehen etwa die Verbraucher, die das Meinungsforschungsinstitut GfK für seinen Konsumklima-Index befragte, die Konjunkturaussichten für 2009 so pessimistisch wie schon lange nicht mehr. Ähnliches ergibt auch die Trend-Umfrage der ARAG-Rechtsschutzversicherung: Die Finanzkrise drücke kräftig auf die Stimmung der Deutschen, heißt es bei der ARAG. Rund ein Fünftel der von ARAG Befragten rechnet gar mit einer Senkung des Lebensstandards im nächsten Jahr.

Fragwürdige Aussagen von Allianz-Vorstand Zimmerer

Überraschend ist auch, dass sich die Allianz-Befragten am meisten Sorgen um die gesetzliche Rente machen – und nicht um ihre eigenen Finanzen. Ein Schelm, wer bei solchen Studienergebnissen Böses denkt. Fakt ist: Die Allianz zählt hierzulande zu den größten Anbietern für private Altersvorsorgeprodukte.

Zum Glück für die Allianz ist die Sorge der Befragten um die Sicherheit anderer "Anlage- und Vorsorgeformen" deutlich geringer. Für die Allianz-Pressestelle ist dies gerade für die klassische Lebensversicherung ein "nachvollziehbares Ergebnis", heißt es in dem Text.

Im nächsten Satz versteigt sich Allianz-Vorstand Maximilian Zimmerer zu einer besonders gewagten Aussage. Das bei der Lebensversicherung angesparte Geld ist sicher angelegt, meint Zimmerer in der Presseaussendung. Es werde „zwangsläufig jedes Jahr mehr. Manchmal wird es etwas weniger mehr als im Vorjahr, aber es wird immer mehr.“

Was die Allianz verschweigt: In den kommenden Jahren wird es weniger mehr mehr werden als noch in den Jahren zuvor, um bei Zimmerers Diktion zu bleiben. Derzeit wird für Lebensversicherungen ein Garantiezins von 2,25 Prozent pro Jahr gezahlt. Für das laufende Jahr zahlt die Allianz ihren Kunden zwar eine sogenannte Überschussbeteiligung von 4,5 Prozent - doch diese Zinsen gelten nur für den Sparanteil nach Abzug der Kosten für Provision und Verwaltung. Der Bund der Versicherten geht davon aus, dass nur  fünfzig bis siebzig Prozent der eingezahlten Prämie tatsächlich für den Sparanteil übrig bleiben. Und das bedeutet, dass der angegebene Zinssatz auf etwas mehr als die Hälfte schrumpft.

Wenn sich die Aktienmärkte weiterhin so schlecht entwickeln wie in den letzten Monaten, wird für die Lebensversicherten kaum noch mehr drinnen sein als der ohnehin niedrige Garantiezins. Zudem zählt die Allianz bei der Rendite ihrer Lebensversicherung ohnedies nur zum Mittelmaß, wie die WirtschaftsWoche vor einigen Monaten berichtete. Nur zum Vergleich: Deutsche Banken zahlen ihren Kunden derzeit bis zu fünf Prozent Zinsen für ihre Spareinlagen.

Im übrigen taugen Lebensversicherungen nur sehr bedingt dazu, Kapital anzusparen - doch Zimmerers Aussage suggeriert das genaue Gegenteil. Der Grund dafür ist das Provisionsmodell der Versicherer: Neukunden zahlen mit ihren ersten monatlichen Raten zunächst mal die Provision des Versicherungsmaklers. Erst nach gut anderthalb Jahren beginnen sie, überhaupt erst Kapital ansparen. Das schmälert vom Start weg den so wichtigen Zinseszins. Kunden zahlen zudem jährliche Verwaltungskosten, die ihre jährlichen Einlagen nochmals mindern. 

Auch bei der derzeit sehr beliebten, staatlich geförderten Riester-Rente auf Basis von Versicherungsverträgen mehren sich kritische Stimmen. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hat dazu vor kurzem einen Extremfall für einen Riester-Vertrag mit hohen Gebühren durchgerechnet. Deren heute 28-jährige Modellkundin würde via Riester-Vertrag bis zu ihrem 65. Lebensjahr 120.000 Euro ansparen. Hätte sie ihre Einzahlungen von jährlich 2100 Euro in eine - theoretisch gerechnete - Lebensversicherung ohne Kosten gelegt, wären ihr unter dem Strich 200.000 Euro an Ersparnissen übriggeblieben.

Solche Rechnungen zeigen: Die garantierte Vermehrung der Einzahlungen, die Allianz-Vorstand Zimmerer so vollmundig verspricht, fällt äußerst mickrig aus.

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23 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 18.01.2009, 15:56 UhrMargret

    und dann passiert bei der Allianz noch folgendes:
    Die Lebensversicherung ist mit einer erklecklichen Summe am 01.01.2009 fällig, aber die Allianz überweist das Geld nicht - jedenfalls ist es bis zum 18.01.09 nicht auf dem angegebenen Konto und man darf seinem Geld mit Rechtsanwalt und Mahnschreiben hinterherlaufen.
    Unwürdig!

  • 01.12.2008, 15:04 UhrEckhard Marten

    Sehr geehrter Herr Eckl-Dorna,
    ich habe in meinem Leben als Journalist und später als Unternehmenskommunikator selten eine Veröffentlichung gesehen, die eine derart hohe Fehlerdichte aufweist wie ihr beitrag. Mehrfach zitieren Sie unseren Vorstandschef als Herrn "Zimmermann", obwohl dieser auf den Namen "Zimmerer" hört. Die Universität Hohenheim bezeichnen Sie - unfreiwillig komisch - mit "Universität Hockenheim". beide Namen hätten Sie nur aus der Pressemitteilung abschreiben müssen. Okay, Sie haben nach den wütenden Protesten der ersten Leser eine Korrektur der Erstfassung vorgenommen. Aber was würden Sie zu einem Autobauer sagen, der seine huschelig zusammengebauten Fahrzeuge von denen auf Fehler testen lässt, die seine Autos als erste kaufen? Glücklicherweise haben ja einige kundige Kommentatoren bereits zu einigen Fehlleistungen Stellung bezogen. Wichtig ist mir aber eines: Die Lebensversicherung der Allianz zählt keineswegs zum "Mittelmaß", wie Sie schreiben. Alle Untersuchungen der letzten Jahre wie etwa in Capital, map-report und selbst in der Wirtschaftswoche zählen die Allianz Leben seit Jahren regelmäßig zu den besten ihrer branche. Wie gesagt: recherchieren, recherchieren, recherchieren! Vielleicht hätten Sie dann beim Lesen unserer Pressemitteilung aber auch gemerkt, dass die Untersuchung der Universität Hohenheim und der Allianz in ihren Ergebnissen übereinstimmt mit den Resultaten anderer Studien (u.a. GfK). Der von ihnen behauptete "krasse Widerspruch" existiert nicht. Wir kommen alle zu dem Schluss, dass die Finanzkrise die Deutschen in ihrer persönlichen Situation im Augenblick noch nicht erreicht hat. Die Perspektive für das nächste Jahr aber ist deutlich düsterer - auch darin stimmen die Studien überein.
    Apropos Zukunft: ich bin fest davon überzeugt, dass guter, fachlich kompetenter und menschlich fairer Journalismus auch in 10, 20, 30 Jahren noch gute Chancen hat. Aber auch nur der.

  • 28.11.2008, 10:43 UhrWas erwartet ihr von Versicherg.

    Als Allianzvertreter kann man nicht anders reagieren, man müßte sich ja eingestehen das man Schrott verkauft an dem nur der Verkäufer/Versicherer partizipiert. (Und Schrott hat die Allianz ja jede Menge zu bieten wie z.b. Unfall mit beitragsrückgewähr, was für ein blödsinn, da verdient wieder nur 1 und das ist nicht der Kunde)
    Also treibt man Verwirrspiel in dem man mit % und Fachbegriffen jongliert, es findet sich immer ein Gegenargument, das weiß jeder Vertriebler! Aber trotzdem sind KLV und RLV Kunden nach 15 Jahren immer noch im Minus, jedenfalls bei den großen Versicherern und bei denen die mit Werbung um sich hauen, bei all den Anderen (sind nicht viele) sieht es etwas besser aus, aber verkaufen kann man deren KLV's auch bloß nicht. Den Kunden ist es völlig egal welche % auf welchen Teil des Geldes und nach welcher VVG berechnet werden, der Kunde will sein Geld wachsen sehen wird aber bei Versicherungen immer wieder enttäuscht.

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