Versicherungen aus dem Internet: Allianz scheitert mit Online-Angebot

Versicherungen aus dem Internet: Allianz scheitert mit Online-Angebot

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Europas größter Versicherer schließt sein Internetangebot Allianz 24, will aber weiter im Internet um Marktanteile kämpfen. Allianz-Vertreter hatten sich gegen die Online-Konkurrenz im eigenen Haus gewehrt.

Der Versicherungskonzern Allianz schließt seinen deutschen Internetanbieter Allianz 24. Ein Sprecher der Allianz Deutschland bestätigte einen Bericht der „Financial Times Deutschland“ von heute, wonach Allianz 24 nicht fortgeführt wird. Die Online-Tochter startete im September 2005 und hat sich auf den direkten Abschluss von Kfz-Versicherungen über das Internet konzentriert.

Anfang Juli hatte Allianz-Deutschland-Chef Gerhard Rupprecht noch im WirtschaftsWoche-Interview gesagt, der Konzern würde unter anderem wegen des Aufbaus der Online-Direktversicherung Allianz 24 statt wie geplant 5.700 nur 4.800 Stellen abbauen. Der Schweizer Ableger allianz24.ch hatte erst vor knapp zwei Wochen sein Angebot um Hausrat- und Haftpflichtversicherungen erweitert und somit alle wichtigen Bereiche im Sachversicherungsgeschäft abgedeckt. Einen solchen Ausbau der Produktpalette hatte der Konzern auch für die deutsche Allianz 24 geplant.

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Widerstand im klassischen Vertrieb

Bei der Entscheidung, Allianz 24 nun aufzugeben, hat nach Aussage eines Unternehmenssprechers der „klassische Konflikt der Vertriebskanäle“ eine große Rolle gespielt. Damit dürfte der anhaltende Widerstand der 10.000 Allianz-Vertreter gemeint sein. Sie sollen sich vehement gegen die Konkurrenz aus dem eigenen Haus zur Wehr gesetzt haben. Damit ist die seit 2005 verfolgte Online-Strategie des Marktführers gescheitert.

Im Vertrieb von Sachversicherungen ist es üblich, die Provisionen für die Vermittler aus den laufenden Beitragseinnahmen zu zahlen. Somit sind für die Allianz-Vertreter die Bestandskunden wichtiger Einkommensfaktor. Da das Neugeschäft mit Kfz-Versicherungen im klassischen Vertrieb zurückgeht und die Allianz ihre Kfz-Tarife online 20 bis 30 Prozent günstiger anbietet, entgehen den Vertretern Einnahmen. Immer öfter gehen die Provisionen an Vergleichsportale, die für den Internetnutzer das günstigste Angebot herausfiltern, oder direkt an Direktversicherer, die keinen eigenen Vertrieb unterhalten.

Kooperationsverträge gekündigt

Ziel der Allianz war es, mit einem eigenen Billig-Anbieter im Internet Markanteile zurückzugewinnen. Die großen deutschen Versicherer verlieren bei den Autoversicherungen bis auf wenige Ausnahmen Marktanteile an die günstigere Online-Konkurrenz, immer mehr Kunden nutzen die günstigeren Angebote im Internet, seit Jahren tobt ein Preiskampf in der Autoversicherung.

Der Zeitschrift Versicherungswirtschaft zufolge sanken bei der Allianz 2008 die Beitragseinnahmen in dieser Sparte um 239 Millionen oder vier Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Vereinte Spezial, zu der auch die Allianz 24 gehört, konnte im gleichen Zeitraum hingegen ein Beitragsplus von 21,9 Prozent verbuchen.

Den Berichten zufolge hat die Allianz bereits alle Kooperationsverträge mit Online-Vergleichsportalen gekündigt. Im September soll Allianz 24 endgültig abgestellt werden. Künftig können Kunden eine Allianz-Autoversicherung nur noch deutlich teurer über die normale Allianz-Website abschließen, die Provision geht dann an einen Allianz-Vertreter, der nach der Adresse des Versicherten der Police zugeordnet wird. Im Billigsegment will die Allianz jedoch europaweit mit einem neuen Anbieter auftreten, allerdings nicht unter der Marke Allianz.

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