Versicherungen: Die Allianz ist längst nicht alle Sorgen los

KommentarVersicherungen: Die Allianz ist längst nicht alle Sorgen los

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Der Vorstandsvorsitzende der Allianz-Gruppe, Michael Diekmann

Die Allianz gibt wegen der Belastungen aus dem Dresdner-Bank-Debakel einen Milliardenverlust bekannt - und die Börse feiert die Aktie. Verkehrte Welt, findet WirtschaftsWoche-Redakteurin Stefani Hergert. Denn das ist die falsche Reaktion - die Bilanzzahlen zeigen es.

Es war das letzte Mal, dass Allianz-Chef Michael Diekmann das Sorgenkind Dresdner Bank in seiner Bilanz rechtfertigen muss. Einst kaufte die Allianz die Dresdner Bank für mehr als 25 Milliarden Euro, nun hat Diekmann sie für rund fünf Milliarden an die Commerzbank abgegeben. Der Lohn für dieses wenig gewinnbringende Geschäft: Plötzlich glauben die Anleger wieder an die Allianz-Aktie, obwohl der Konzern im vergangenen Jahr einen Milliardenverlust erwirtschaftete. Zwischenzeitlich stieg der Kurs der Allianz-Aktie um mehr als zehn Prozent. Die Sicherheit, dass der Verkauf nun abgeschlossen ist, hat wohl viele zum Kauf gereizt.

Gerechtfertigt ist das nicht, schließlich ist die Allianz mit der Dresdner Bank nicht ihre ganzen Probleme los. Zum zweiten Mal in der Unternehmensgeschichte schreibt die Allianz einen Verlust. Und der ist sogar höher, als ihn Analysten erwartet hätten. Unterm Strich steht bei dem Versicherer weltweit ein Minus von 2,4 Milliarden Euro. Auf rund 6,4 Milliarden summieren sich allein die Belastungen aus der einstigen Tochter Dresdner Bank.

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Kerngeschäft läuft nicht rund

Doch damit nicht genug. Auch im Kerngeschäft läuft es nicht rund. Vor allem das vierte Quartal hat in den Kernbereichen der Schaden- und Unfallversicherung und im Geschäft mit Lebens- und Krankenversicherungen unschöne Spuren hinterlassen. Im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise nimmt das Versicherungsgeschäft ab. Und eine schnelle Erholung scheint nicht in Sicht.

Selbst in der Schaden- und Unfallversicherung nahm die Allianz in Deutschland weniger Prämien ein als im Vorjahr. Der gesamte deutsche Markt hat im vergangenen Jahr allerdings leicht zugelegt. Zudem muss die Allianz hier für ihre eigene Verwaltung und Schadenszahlungen wieder mehr ausgeben.

Hohe Einbußen im Ausland

Vor allem in Italien und in Asien hat die Allianz herbe Einbußen in der Sparte der Lebens- und Krankenversicherungen hinnehmen müssen. In Italien steht ein Minus von fast 40 Prozent der Prämieneinnahmen bei Lebens- und Krankenversicherungen.  Hier verkauft der Versicherer viele Policen über die Bankschalter. Doch die Banken wollten in den vergangenen Monaten das Geld der Kunden lieber im eigenen Haus behalten, um ihre Liquidität zu sichern. Also wurde das Sparkonto als die Lebensversicherung an den Mann gebracht.

Dass sich das schnell ändern wird, glaubt nicht einmal Diekmann selbst. In den nächsten zwei bis drei Jahren werden die Banken sich zurückhalten wenn es darum geht, ihren Kunden Versicherungen anzudrehen. Von dem her sei das Prämienvolumen von heute ungefähr repräsentativ für die nächsten zwei Jahre.

Im Klartext: Wachstum ist hier so schnell nicht in Sicht.

In Deutschland überwiesen die Kunden der Allianz Leben 2008 fast genauso viele Beiträge wie im vergangenen Jahr - ein leichtes Minus von 0,1 Prozent steht in der Bilanz. Der gesamte Markt  ist im vergangenen Jahr aber gewachsen. Nicht zuletzt auch, weil die Riestersparer seit 2008 höhere Beiträge zahlen müssen, um die volle staatliche Förderung zu bekommen. Davon konnte die Allianz anscheinend nicht profitieren.

Besonders der Vertrieb in Deutschland macht Probleme. Noch immer klagen Vertreter und Makler, dass es bei der Allianz hakt. Seit 2006 läuft im Konzern der größte Umbau der Unternehmensgeschichte, noch immer funktioniert wohl nicht alles reibungslos. Diekmann will Abhilfe schaffen: Etwa 40 Millionen Euro sollen in den Vertrieb fließen. Dafür bekommen die Allianzler neue Mitarbeiter - nachdem im Zuge des Umbaus mehr als 5000 Jobs gestrichen wurden.

Und dann ist das noch das Projekt Allianz Bank. Die Allianz-Vertreter hatten in den vergangenen Jahren rund eine Million Kunden für die Dresdner Bank gewonnen. Sie hatten beim Versicherungsvertreter ein Girokonto oder Sparbuch eröffnet. Diese Kunden nimmt die Allianz nun mit  zur neuen Tochter Oldenburgischen Landesbank (OLB). Mit ihnen will die Allianz ihre neue, eigene Bank aufbauen.

 Doch es könnte gut sein, dass viele dieser Kunden für den Versicherer wertlos sind. Denn etliche Vertreter haben wohl Nachbarn und Freunde geworben, die mit dem Konto oder Sparbuch aber gar nichts anfangen wollen. Und wer es doch tut, wird sich vermutlich gut überlegen, ob er nicht bei der Dresdner bleibt oder zu einer etablierten Bank wechselt. Wie viele der eine Million Kunden am Ende tatsächlich bei der Allianz bleiben, ist daher ungewiss.

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