Versicherungen: Kunden müssen um Kulanz fürchten

Versicherungen: Kunden müssen um Kulanz fürchten

von Ingrid Herden

Professionelle Abwickler kaufen Policen, von denen sich Versicherungen trennen wollen. Die Kunden müssen um Kulanz fürchten, wenn sie künftig Schäden beglichen haben wollen.

Der Poker um die Darag, eine kleine Berliner Industrieversicherung aus der früheren DDR, zog sich monatelang hin. 25 Bieter legten sich ins Zeug, um die Gesellschaft zu kaufen. Und das, obwohl diese kein aktives Geschäft mehr besaß und nur noch Verträge des alten Kundenstamms abwickelte.

„Die Faxe gingen im Stundentakt ein“, erinnert sich Arnt Gossmann, der damals in Diensten der Unternehmensberatung KPMG für den Darag-Verkäufer, die Versicherungsgesellschaft Wüba, den Preis in die Höhe trieb. Das letzte Gebot kam vom Frankfurter Finanzinvestor Augur Capital, der für gut 20 Millionen Euro den Zuschlag erhielt – mehr als die Wüba 2006 für die Darag bezahlt hatte.

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„Wir erwarten, dass unsere Schäden künftig eher restriktiver reguliert werden"

Das war im Dezember 2008 und wäre längst Geschichte, machte die Darag nicht plötzlich wieder von sich reden. Denn die Totgeglaubte ist quietsch-lebendig und soll ihrem neuen Eigentümer jetzt richtig Geld bringen: indem sie mit Policen, von denen sich Versicherungsgesellschaften trennen wollen, blühende Geschäfte macht. Zu diesem Zweck bietet die Darag Assekuranzfirmen an, Versicherungsverträge abzukaufen und professionell bis zu deren Auslaufen oder Kündigung abzuwickeln. Das gab es bisher in Deutschland nicht.

Was das in der Praxis bedeutet, schwant den Betroffenen bereits. „Wir erwarten nach den Erfahrungen in Großbritannien, dass unsere Schäden künftig eher restriktiver reguliert werden“, sagt Günter Schlicht, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Versicherungs-Schutzverbands, der Firmenkunden vertritt.

Die Policen, von denen sich Versicherer in Deutschland trennen wollen, weil diese sie nur Geld kosten, sind umfangreich: Die Branche hat knapp ein Fünftel ihrer Rückstellungen für künftige Schadensforderungen reserviert, ermittelte KPMG 2007. In Deutschland, der Schweiz und Österreich waren es zusammen 70 Milliarden Euro.

Und die künftig strengeren Eigenkapitalvorschriften beim europäischen Finanzabkommen Solvency II dürften den Druck auf die Versicherer erhöhen, die teuren Klötze am Bein loszuwerden. „Die Zeit ist reif für die ersten Verkäufe an Profi-Abwickler im deutschen Privatversicherungsgeschäft“, sagt Kurt Wolfsdorf, Partner der Unternehmensberatung Deloitte & Touche, der früher selbst eine Versicherung geleitet hat.

Darag verhandelt mit sechs Unternehmen

Das Interesse der Assekuranz, verstaubte Policenbestände auf diese Weise loszuwerden, ist verständlich. Während Produktionsunternehmen verlustreiche Artikel vom Markt nehmen können, sind Flops für Versicherungen langwierige Kostgänger. Die Kunden können noch nach Jahrzehnten Ansprüche anmelden, auch wenn sie keine Prämien mehr bezahlen. Rund 52 Prozent der Versicherer gaben in einer Umfrage des Beratungsunternehmens PricewaterhouseCoopers 2008 an, dass ihr stillgelegtes Geschäft noch länger als zehn Jahre läuft. Mit Unternehmen wie der Darag können sie das auf einen Schlag loswerden. „Unser Produkt ist Finalität“, sagt der damalige KPMG-Berater Gossmann, der heute Darag-Vorstand ist.

Als Kandidaten für Abwickler gelten Portefeuilles einzelner Anbieter wie das eines deutschen Rechtsschutzspezialisten oder ganze Unternehmen wie die Bayerische Beamten Lebensversicherung und der Berliner Mini-Rückversicherer BF Rück, der auf der Darag-Wunschliste stehen soll. „Wir streben an, bis im ersten Quartal des kommenden Jahres mindestens ein Portfolio aus Sachpolicen von einem deutschen Erstversicherer zu übernehmen“, kündigt Darag-Vorstand Gossmann an.

Derzeit verhandelt Darag nach seinen Angaben mit sechs Unternehmen. „Uns reicht es, wenn wir alle zwei bis drei Jahre einen mittelgroßen Bestand übernehmen – aber wir wollen natürlich mehr machen“, gibt Darag-Aufsichtsratschef Thomas Schmitt die Marschrichtung vor.

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