Versicherungen: Seltsame Ausbildungsmethoden der Allianz sorgen für Wirbel

Versicherungen: Seltsame Ausbildungsmethoden der Allianz sorgen für Wirbel

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Flaggen der Allianz-Versicherung

von Anke Henrich

Die WirtschaftsWoche berichtete über die seltsamen Ausbildungsmethoden der Allianz. Das sorgt in der Branche für Wirbel.

Mehr als 86 000 Mal riefen Online-User Thilo Bannaschs* Bericht über seine Ausbildung zum Allianz-Versicherungsfachmann auf wiwo.de ab, häufiger als jede andere Geschichte der vergangenen Wochen. Vom ersten Tag an sollte Bannasch – noch bar jeder Sachkenntnis – unter seinen Freunden Kunden akquirieren, mit psychologisch zweifelhaften Methoden zu Vertragsabschlüssen kommen. Rund 300 aufgebrachte Online-Kommentare erreichten die Redaktion. Die Vorwürfe des Diplom-Kaufmanns im WirtschaftsWoche-Heft 50/2009 trafen viele mitten ins Herz, mailt ein Mitarbeiter des Konzerns: „Wir erhalten seit Tagen wilde und aufgeregte E-Mails mit Gegendarstellungen seitens der Allianz-Ausbildungsakademie.“ Ein Kollege berichtet, sein Chef habe gleich Verhaltensweisen zum Artikel erteilt. Tenor: alles abstreiten.

Die Kommentare reichen von bösen Verbalausrutschern bis zu flammender Zustimmung. Besonnene Schreiber geben Denkanstöße, wo es im deutschen Versicherungsvertrieb klemmt. Ob Axa, Barmenia oder Debeka, viele Mitarbeiter anderer Anbieter beklagen ähnliche Methoden in ihrem Haus.

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User „Ingo Stenzel“ folgert: „Die einzige Lösung wäre, die Auszubildenden mehr auf ihre psychologische Eignung für dieses verantwortungsvolle Geschäft hin zu prüfen. Geschäft ohne bedarfsgerechte Analyse sorgt für Misstrauen sowie Stornierungen und beschert dem Mitbewerber leichtes Spiel.“

Kritik an der Allianz kommt auch aus den eigenen Reihen

Kritik an der Allianz kommt auch aus den eigenen Reihen. Online-Leser „Allianz-HV“ berichtet: „Ich bin seit mehr als 30 Jahren im Außendienst, er verkommt zu einer Drückerkolonne. Ein neuer Geschäftsstellenleiter terrorisiert Mitarbeiter mit einem Vokabular wie aus einem Splattermovie. Ich habe gestandene Verkäufer gesehen, die nach einer Verbalattacke auf dem Boden ihres Agenturbüros lagen, um den Kreislauf zu stabilisieren. Wie soll so bedarfsgerechte Beratung stattfinden?“

„Gast 287“, selbst zwölf Jahre im Konzern gewesen, schreibt: „Leider kann ich Ihren Artikel nur bestätigen. Neue Mitarbeiter werden in ein Neubaugebiet geschickt und sollen oben anfangen zu klingeln, damit dann der Fluchtweg nach unten frei ist. Der zuständige Bereichsleiter wartet im Hauseingang. Abends wird dann die ,Beute‘ vor versammelter Mannschaft präsentiert. Durch die vielen Bewerber und ihren ehemals sehr guten Ruf nähert sich die Allianz seit Mitte der Neunzigerjahre mehr den Methoden des knallharten Strukturvertriebs als umgekehrt; Grüße an die Wettbewerbshüter. Nach meiner Erkenntnis sind mindestens 50 Prozent der Agenturen schon pleite, ohne dass sie es wissen. Schade, dass ein einstiges deutsches Vorzeigeunternehmen alles billigend in Kauf nimmt. Tatsache ist auch, dass ich noch nie so fleißige Mitarbeiter erlebt habe wie bei der Allianz.“

Letzteres mailen auch andere Leser. Und doch fragt „Versicherungskaufmann“: „Wie soll die Allianz in Zukunft aussehen? Immer höhere Vorgaben im Außendienst und Stellenabbau im Innendienst? Da gehen die Vorstellungen der Geschäftsführung und die Realität der Abteilungen auseinander.“

Das gilt für die gesamte Branche. Alle Anbieter wollen massiv Kosten senken, Verwaltungsprozesse standardisieren und Stellen streichen. Dazu kommen unseriöse Anbieter, die erst ködern und dann nicht zahlen. User „Herr Henrich“ fordert: „Der Gesetzgeber muss viel mehr als bisher machen, damit unseriöse Vertreter vom Markt verschwinden.“

Viele Kunden trügen Mitschuld, mailen Kommentatoren. Wer bei komplizierten Vertragsbedingungen wie bei Berufsunfähigkeits- oder Krankenversicherung nur den billigsten Anbieter mit schlechter Beratung wähle, riskiere, im späteren Schadensfall im Regen zu stehen.

Die WirtschaftsWoche bat die Allianz zum Thema Beratung um ein Interview mit einem Vertriebsverantwortlichen. Das Unternehmen lehnte ab. Unterdessen wirbt der Gesamtverband der Versicherer auf anderem Weg um Vertrauen: Just zu Weihnachten starteten die TV-Spots. Ziel der Kampagne, so der Verband: „Sie soll ein breiteres Verständnis dafür schaffen, dass ohne Versicherungen sprichwörtlich nichts geht. Versicherer schützen, was Menschen lieb, wichtig und teuer ist.“

Aber bitte anständig.

* Name geändert

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