Versicherungen und Banken: Allianz in Kauflaune: Was bringt die Postbank-Übernahme?

Versicherungen und Banken: Allianz in Kauflaune: Was bringt die Postbank-Übernahme?

Bild vergrößern

Allianz-Chef Michael Diekmann: Keine nennswerten Synergien zwischen Bank- und Versicherungsgeschäft

Die Allianz greift nach der Postbank. Doch das Risiko ist groß, dass die Übernahme – wie zuvor bei der Dresdner Bank – viel kostet und wenig bringt.

Wie könnte er heißen, der Strom aus dem Hause Allianz? Allianz Power vielleicht? Oder Blue, als Kampfansage an Yello? Die Allianz wolle das Stromnetz von E.On für knapp zwei Milliarden Euro kaufen, wird in diesen Tagen in Frankfurter Finanzkreisen spekuliert. Einen Windpark in Schleswig-Holstein nennt der Versicherungsriese bereits sein Eigen – da ist womöglich der Weg zum eigenen Stromangebot nicht mehr weit.

Noch ist das nur Analystenlatein. Fest steht: Die Allianz ist in Kauflaune. Angesprochen auf die vermutlich schon bald zum Verkauf stehende Postbank, sagte Allianz-Finanzvorstand Helmut Perlet kürzlich: „Wir werden einen aktiven Beitrag zur Konsolidierung des Marktes leisten.“ Intern, so berichten hochrangige Allianz-Mitarbeiter, spreche das Management bereits unverblümt über den Plan, die Postbank für einen zweistelligen Milliardenbetrag zu übernehmen. Sogar auf das Deutschland-Geschäft der Citibank hätten die Münchner ein Auge geworfen, heißt es in Branchenkreisen. Gut möglich, dass die Allianz zugreift, wenn sich der von der Finanzkrise schwer getroffene amerikanische Bankenriese Citigroup tatsächlich vom hiesigen Ableger trennt. Wen auch immer sich die Allianz schnappt – Ziel sei es, so berichten Mitarbeiter, das übernommene Institut mit der Tochter Dresdner unter der Marke „Allianz Bank“ zusammenführen.

Anzeige

Ein spektakuläres Ringen wird sich der Versicherungskonzern in den kommenden Monaten mit einigen Konkurrenten liefern. Denn auch Commerzbank, Deutsche Bank und einige ausländische Wettbewerber sind an der Postbank interessiert, und für die Citibank stehen Bewerber ebenfalls Schlange. „Jeder spricht mit jedem“, sagt Perlet. Über das Stadium von Planspielen sind die Konsultationen aber noch nicht hinausgekommen, meint ein Frankfurter Investmentbanker. Dass die Allianz eine wichtige Rolle spielen wird, ist für ihn klar: „Sie hat den höchsten Druck.“

In der Diskussion ist neben einem Kauf der Postbank auch ein Zusammenschluss mit einem anderen Institut, dessen Großaktionär die Allianz dann würde. Doch passt die Bonner Bank überhaupt zur Allianz? Insider und Mitarbeiter bezweifeln das und befürchten, dass sich – wie schon beim Kauf der Dresdner Bank – die Zusammenarbeit kaum in zusätzlichen Erträgen niederschlagen würde, dass erneut Milliardenwerte vernichtet würden. Die Neuauflage des Abenteuers der Integration einer großen Bank in die Allianz träfe den Konzern in einer kritischen Situation: Die Stimmung in der Belegschaft schwankt ohnehin schon zwischen Resignation und Wut; Stellenabbau und enormer Vertriebsdruck zerren an den Nerven der Mitarbeiter.

Das Versicherungsgeschäft der Allianz leidet in vielen wichtigen Bereichen an einem schier unaufhaltsamen Kundenschwund. Und das Bankgeschäft? Sieben Jahren nach dem Kauf der Dresdner für über 24 Milliarden Euro ist Allianz-Chef Michael Diekmann den Beweis für nennenswerte Synergien zwischen Bank- und Versicherungsgeschäft schuldig geblieben – was auf der Hauptversammlung des Konzerns in wenigen Tagen für Unmut unter den Aktionären sorgen wird. Trotz wiederholten Umbaus verhagelt die Dresdner der Allianz immer wieder die Bilanz. „Ich kann mir nicht vorstellen“, sagt ein ehemaliger Allianz-Vorstand, „warum das bei der Postbank anders sein sollte.“

Hart getroffen

Hart getroffen

Warum ist die Allianz dennoch so entschlossen, bei der Konsolidierung der Bankenbranche in Deutschland mitzumischen? Einerseits ist da die Hoffnung, zusammen mit einem weiteren Geldinstitut das Bankgeschäft endlich zur kritischen Größe zu bringen. Zum anderen lenkt ein für die Allianz glücklicher Umstand von den drohenden Integrationsschwierigkeiten ab: Denn die Münchner sehen sich als Gewinner der weltweiten Finanzkrise. Man beobachte, wie andere Institute taumeln, um dann im richtigen Moment zuzuschlagen, sagt ein stolzer Allianz-Mitarbeiter.

Infolge der Finanzkrise hat die Dresdner Bank bisher rund 2,2 Milliarden Euro abgeschrieben. Absolut ist das zwar nicht einmal die Hälfte der Summe, die die Deutsche Bank bisher korrigieren musste. Mit einer Bilanzsumme von rund 500 Milliarden Euro ist die Dresdner allerdings auch viermal so klein wie der große Rivale. Bislang konnte die Allianz auch diese überproportionale Belastung gut wegstecken. Verglichen etwa mit dem weltgrößten Versicherer, dem US-Konzern AIG, ist sie glimpflich davongekommen. AIG verbuchte im ersten Quartal einen Nettoverlust von 7,8 Milliarden Dollar. Die Allianz erzielte 1,15 Milliarden Euro Gewinn.

Auf Hochtouren rüstet sich die Allianz für den großen Schlag. Für Dresdner Kleinwort, das Investmentbanking-Geschäft, gibt es zwar noch keinen offiziellen Zeitplan. Aber klar ist: Ende August soll die Privat- und Geschäftskundensparte der Dresdner in eine rechtlich eigenständige Tochter ausgegliedert werden – der erste Schritt zu einer möglichen Verschmelzung mit einem weiteren Institut, etwa der Postbank.

Was auf die Postbank-Mitarbeiter unter dem Dach der Allianz zukommen könnte, ist schon jetzt bei der Dresdner zu besichtigen. Seit Jahren werden bei der Großbank die Vertriebsziele erhöht. Mitarbeiter in manchen Filialen klagen, dass ihre Vorgesetzten mitunter zweimal täglich kontrollieren, ob sie ihr Tagespensum an Verkäufen erledigen.

„Ständig steigt die Arbeitsmenge, gleichzeitig werden Stellen abgebaut“, sagt ein Mitarbeiter. Offenbar ist die Personaldecke der Dresdner in einigen Bereichen schon jetzt gefährlich dünn. Der Stapel an unerledigter Arbeit wachse stetig. „Wir können manchen Aufgaben nicht mehr so nachkommen, wie es eigentlich sein sollte.“ Auf dieses Problem geht auch der Betriebsrat in einem Schreiben an die Mitarbeiter ein. Durch den Stellenabbau, heißt es in dem Brief, „hat sich die Bank von ihrem Zielbild Beraterbank weiter entfernt als jemals zuvor“.

Hinzu kommt jetzt noch die Unsicherheit über die Zukunft des Instituts. „Wir prüfen alle Optionen“, sagt Allianz-Vorstand Perlet – und schließt damit auch einen Teilverkauf der Dresdner nicht aus. Für die Belegschaft, so ein Mitarbeiter, „ist klar, dass es eine Fusion geben wird“. Und damit sei auch klar, dass „dann einige ihren Arbeitsplatz verlieren“.

Zwar werden zunächst alle Mitarbeiter des Privatkundengeschäfts der Dresdner Bank in die neue Tochtergesellschaft übernommen. Doch wenn es später zu einer Fusion kommt, stehen ihre Positionen wohl auf dem Prüfstand. Unklar sei derzeit vor allem, so ein Insider, „was mit Mitarbeitern passiert, die nicht klar zuzuordnen sind“. Das gilt vor allem für Angestellte in zentralen Funktionen wie der Verwaltung oder der Rechtsabteilung.

Solange die Zukunft nicht geklärt ist, gibt jede kleine Veränderung Anlass für Gerüchte. So machte etwa die Spekulation, dass die Bank verkauft sei, in einer Filiale im Rheinland die Runde, als mehrere Wochen lang Teamsitzungen abgesagt wurden. Welchen Grund sollte der Verzicht auf Strategiegespräche denn sonst auch haben?

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%