Versicherungsbetrug: Versicherer gehen in der Krise massiv gegen Betrüger vor - Seite 2

Versicherungsbetrug: Versicherer gehen in der Krise massiv gegen Betrüger vor

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Reif für die Schrottpresse: Quelle: dpa
Reif für die Schrottpresse: 15 Prozent aller Autounfälle sollen nach Schätzungen der Versicherungsbranche vom Versicherten vorgetäuscht sein oder überteuert abgerechnet werden Quelle: dpa

Doch ganz unschuldig ist die Assekuranz an solchen Gepflogenheiten nicht. Um keine Kunden zu verlieren, verfolgten die Versicherer lange Zeit nur die offensichtlichsten Täuschungen, weil ihnen ein simpler Ausweg offenstand. „Die Versicherer haben gezahlt und die Prämien erhöht“, sagt ein Branchenkenner. Nur rund 4800 Fälle von Versicherungsmissbrauch wurden 2008 angezeigt, die wenigsten kommen vor Gericht. Selbst die Möglichkeit, nach einem Schadensfall zu kündigen, nutzen die Versicherer bisher eher selten.

Einfach weiter wegzuschauen können sich künftig jedoch immer weniger Versicherungen leisten. Denn in Zeiten sinkender Umsätze wächst der Wettbewerbsdruck. „Die Versicherungsunternehmen, die heute keine Abwehr betreiben, werden bald im Wettbewerb ganz hinten stehen“, sagt R+V-Manager Dannenberg. R+V gilt in der Branche als Vorreiter und sparte 2008 in der Kfz-, Hausrat und Haftpflichtversicherung unter dem Strich 18 Millionen Euro durch systematische Betrugsverfolgung, bei insgesamt 661 Millionen Euro an Versicherungsleistungen. „Mit einer Erfolgsquote von 60 bis 70 Prozent übertreffen wir den Markt um das Fünffache“, sagt Dannenberg.

Betrugsaufklärung mit speziellen Teams

Offenbar stehen viele Versicherungen bei der systematischen Suche nach Betrügern erst ganz am Anfang. So scheitert eine beträchtliche Zahl von ihnen schon beim Versuch, verdächtige möglichst genau von den unauffälligen Schadensmeldungen zu trennen. Die meisten nutzen dazu elektronische Warnsysteme, die verdächtige Merkmale in den Anträgen auf Schadensersatz suchen: zum Beispiel nächtliche Unfälle ohne Zeugen, Wiederholungsfälle oder auch bestimmte Kombinationen von Fahrzeugen, die in angebliche Unfälle verwickelt sind. „Doch in vielen Schadenssystemen sind keine Datenfelder für benötigte Informationen vorgesehen, oder sie werden unter Zeitdruck nicht ausgefüllt“, berichtet Genre-Manager Fähnrich aus der Praxis.

Auch scheiterten die Systeme bisher meist bei Serientätern, die unauffällige Schadenssummen geltend machten. So meldete eine Dame mehr als 20 Mal den gleichen Glasbruch bei verschiedenen Versicherern, bis sie schließlich doch auffiel. Das neue Warnsystem „Fraud Framework“ des Softwarehauses SAS Institute und der Beratungsgesellschaft Accenture soll nun für Abhilfe sorgen und bisher verborgene Betrugsmuster aufdecken.

Wo die Technik versagt, setzen die Versicherungen immer häufiger auf Psychologie. Nach dem Vorbild des amerikanischen Fernsehdetektivs Columbo wollen sich die Betrugsspezialisten mit scheinbar naiven Fragen an die Lücken in den Lügengeschichten der Kundschaft herantasten. „Wie haben Sie sich denn gefühlt, als Sie vor den rauchenden Trümmern Ihres Hauses standen?“, fragte kürzlich eine Spezialistin des Kölner Betrugsaufklärungszentrums einen Versicherten. Der Interviewte war so perplex, dass er darauf einfach keine überzeugende Antwort wusste. Kein Wunder: Am Ende stellte sich heraus, dass er sein Haus selbst abgefackelt hatte.

Und wenn es sein muss, gehen die Kölner Ermittler auch in den Untergrund. Das musste der Deutsche feststellen, der das Verschwinden seiner schicken Yacht vor Mallorca bei der Versicherung als „typischen Diebstahl von Drogenkurieren“ gemeldet hatte. Obwohl das Boot später versenkt auf dem Meeresgrund gefunden wurde, regte sich bei den Behörden kein Verdacht. Die Rechercheure aus Köln ließen nicht locker – erst recht nicht, als sie entdeckten, dass der Besitzer das gute Stück zuvor vergeblich zum Kauf angeboten hatte. Vor Ort fanden sie heraus, dass kein Fremder das Loch im Rumpf ge-stemmt hatte, sondern der Eigner höchstselbst. Der bekommt nun einen Prozess statt Schadensersatz, Ersparnis für die Versicherung: 250 000 Euro.

26 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 16.10.2009, 13:33 UhrAnonymer Benutzer: bbcy

    Hummer und Maserati als Einsatzwagen, nett. Die armen Versicherungen stecken wirklich tief in der Krise, wenn sie externen Mitarbeitern sowas finanzieren können. Auch nett ist der verlinkte Artikel "Tipps: Was tun beim Vorwurf des Versicherungsbetrugs?", nachdem der Artikel hier ja eher zum betrügen verführt hat man auch gleich die Tipps, das möglichst geschickt zu tun...

  • 15.10.2009, 20:24 UhrAnonymer Benutzer: Doppelmoral

    @Fachmann

    Zitat:"Der volkswirtschaftliche Schaden - und dass sollte man als Maßstab nehmen"

    Wenn wir dahin kommen verlassen wir jeden bereich einer humanistischen Moral (Und nur durch Humanismus lässt sich überhaupt so etwas wie Moral implizieren). Man kann Menschen nicht mit Geld aufwiegen. Darüber ist vermutlich auch dieser Herr Sarazin gestolbert. in Deutschland kommt man mit solchen Positionen immer in eine sehr anrüchige Ecke.

  • 15.10.2009, 19:00 UhrAnonymer Benutzer: @Irgendjemand

    Am Kopierpapier geschnitten.. Huiui, das ist aber eine lebensgefährdende und jobgefährdende Verletzung...

    im Auto schnallt man auch sich an.. Eben aus dem Grund dass manchmal Dinge passieren die nicht zu vermeiden sind..

    Sicherheit am Arbeitsplatz sollte stets zur obersten Priorität gehören. Denn ein verletzter Arbeiter ist teurer als das Sicherheitsmaterial.

    Und so was wissen auch Versicherungsgesellschaften..

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