Versorgungssicherheit: Stromlücke befürchtet

Versorgungssicherheit: Stromlücke befürchtet

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Der deutsche Energiemarkt steht vor einer Zäsur.

von Andreas Wildhagen

Die Netzbetreiber fürchten, im Winter Industriebetriebe zur Drosselung der Produktion bewegen zu müssen, um die Spannung aufrechtzuerhalten.

Zurzeit gibt es in Deutschland 55 Bauvorhaben für konventionelle Kraftwerke mit fossilen Brennstoffen. Doch die Zahl täuscht Aufbruch vor, den es nicht gibt. Ändert sich an dieser Situation nichts Wesentliches, gibt es 2022 eine Stromlücke durch den endgültigen Wegfall der Kernenergie.

Denn die meisten Kraftwerksprojekte stecken in Genehmigungsverfahren fest, die seit Fukushima kaum einen Deut weitergekommen sind. Einen einzigen neuen Anlauf gab es seit der Abschaltung der acht Atomreaktoren: Der Essener Versorger RWE hat Anfang Oktober einen Antrag auf Bau eines Braunkohle-Großkraftwerks gestellt. Die Anlage soll eine Leistung von 1100 Megawatt erhalten, das entspricht in etwa der Leistung eines abgeschalteten Kernreaktors. Kosten: 1,5 Milliarden Euro.

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Abfederung der AKW-Abschaltung

Grafik: Versorgungssicherheit Quelle: WirtschaftsWoche

Grafik: Versorgungssicherheit.

Bild: WirtschaftsWoche

Ein Beschluss, den Meiler nach einer Genehmigung zu bauen, ist damit nicht verbunden, so RWE-Kraftwerks-Chef Johannes Lambertz: „Auf Basis der heutigen Strompreise rechnet sich gar kein neues Kraftwerksprojekt.“

Einen Beitrag zur Abfederung der sukzessiven Abschaltung von AKWs in den kommenden Jahren wird das geplante Braunkohlekraftwerk kaum bieten. RWE rechnet damit, dass das Genehmigungsverfahren gut drei Jahre dauert, Verzögerungen durch Einsprüche und Proteste nicht einkalkuliert. Die Bauzeit wird auf vier Jahre taxiert. Das Kraftwerk kann somit 2018 ans Netz.

Um die Versorgungssicherheit zu erhöhen, bleibt zum einen, die Betriebsstunden der Braunkohlekraftwerke von derzeit rund 6800 Stunden im Jahr in Richtung 8000 wie bei Atommeilern hochzufahren. Allerdings müssen die Versorger von 2013 an für den C02-Ausstoß im vollen Umfang Luftverschmutzungszertifikate kaufen.

Vermehrter Stromimport

Zum andern unterstützt seit der Abschaltung von acht AKWs vermehrt der Import von Strom Deutschlands Versorgungssicherheit. Das französische Atomkraftwerk Cattenom an der Mosel lieferte Elektrizität ins deutsche Netz, ebenso das tschechische Kernkraftwerk Temelin. Von Januar bis Juni stiegen die Atomstromimporte aus Frankreich um 50 Prozent. Im ersten Halbjahr hat Deutschland zwar noch immer mehr Strom exportiert als importiert. In den Monaten Mai und Juni kehrte sich das jedoch um.

Die Frage ist nun, was passiert im Winter. Sollte es so früh wie 2010 lausig kalt werden, stehen die beiden größten österreichischen Stromkonzerne, die Verbund AG und die Energieversorgung Niederösterreich (EVN), mit zusätzlichen Wasser- und Kohlekraftwerkskapazitäten bereit. Ob das gegen einen möglichen Blackout hilft, hängt von den Stromnetzen ab, warnen die vier Betreiberfirmen Amprion, Tennet, 50hertz und EnBW-Netze in einem Memorandum: „Die Netzbetreiber sehen mit Blick auf den Winter ihren Handlungsspielraum zur Erhaltung der Netzstabilität erschöpft."

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