Verstaatlichung von General Motors: "Eine Regierung kann kein Unternehmen führen"

Verstaatlichung von General Motors: "Eine Regierung kann kein Unternehmen führen"

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Managementexperte Josepf Maciariello zweifelt an einer Zukunft des GM-Konzerns

Der renommierte Managementexperte Joseph Maciariello hat Zweifel, ob der neue GM-Konzern eine Zukunft hat.

WirtschaftsWoche: Herr Maciariello, im letzten Vorwort zu seinem berühmten Buch „Concept of the Corporation“ bezeichnet Peter Drucker GM als „company in trouble“, als Unternehmen in Not. Was würde er heute sagen?

Joseph Maciariello: Vermutlich nicht viel. Peter wäre traurig. Er hat früh gesehen, in welcher Gefahr der Konzern schwebt, und lange dafür gekämpft, dass sich Strukturen ändern. Vergebens. 1993 hat er die Zerschlagung von General Motors vorausgesagt...

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...aber er dachte vermutlich nicht an eine Staatsbeteiligung.

Nein, das wäre ihm nicht eingefallen. Er meinte eine freiwillige Umstrukturierung oder eine Übernahme. Eine Regierung kann kein Unternehmen führen.

Bisher hat die Auto-Task-Force von Obama aber einen professionellen Job gemacht.

Sie hat richtige Entscheidungen getroffen, das stimmt. Viele strukturelle Kostenprobleme wie die Krankenversicherungskosten der GM-Pensionäre sind gelöst. Trotzdem muss sich der Staat so schnell wie möglich zurückziehen.

Weshalb, wenn es doch gut läuft?

Politik läuft nach grundlegend anderen Regeln als Wirtschaft. Denken Sie nur an die Lobbyisten, die versuchen werden, über das Parlament Einfluss auf GM zu gewinnen. Ich sehe schon vor mir, wie Special-Interest-Gruppen über Produktionsstandorte und Verträge entscheiden.

Wenn Peter Drucker noch lebte, was würde er Obama empfehlen?

Das Unternehmen so schlank wie möglich machen. So viele Hierarchieebenen entfernen wie möglich. Leute ins Unternehmen holen, die etwas von der Branche verstehen.

Die Regierung hat bereits dafür gesorgt, dass mit Edward Whitacre ein erfahrener Manager den Verwaltungsratsvorsitz erhält.

Herr Whitacre ist sicher ein guter Manager, aber er kennt die Branche nicht.

Er war Chef der Telekommunikationsfirma AT&T und sagt, Business sei Business.

Nicht, wenn man mit Toyota und Honda konkurriert.

Schon Peter Drucker hat GM wegen der Schwerfälligkeit und Arroganz des Managements kritisiert; Teile seiner Analyse lesen sich wie eine aktuelle Zustandsbeschreibung. Wieso ging es dem Konzern über Jahrzehnte hinweg gleichwohl so gut?

Sie hatten diversifiziert und Firmen akquiriert, die sehr profitabel waren...

...zum Beispiel Electronic Data Systems und Hughes Aircraft...

...und stiegen außerdem in die Finanzierung ein. In den guten Jahren brachte das viel Geld ein. Aber im Kerngeschäft waren sie nicht innovationsfreudig genug und achteten zu wenig darauf, was der Kunde will. Sie hatten die Hybridtechnologie vor den Japanern und machten nichts daraus!

Wird das neue GM überleben?

Vor 20 Jahren wäre ich optimistischer gewesen. Wenn ich darüber nachdenke, mit welcher Hartnäckigkeit das Management bis zum Schluss die Probleme verleugnet hat, habe ich große Zweifel.

Einige der Verantwortlichen, darunter der frühere CEO Rick Wagoner, sind gegangen.

Das ist keine Frage von Einzelnen. Es geht um die bürokratische Kultur. Sie muss sich ändern, aber das geht nur langsam.

Bleibt GM so viel Zeit?

Ich würde nicht ausschließen, dass die Milliardenhilfe den Tod der Firma nur verzögert. Chrysler wird von Fiat geschluckt. Am Ende bleibt womöglich nur ein großer US-Autohersteller übrig: Ford.

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