Vertragsunterzeichnung: Letzter Akt im Opel-Drama

Vertragsunterzeichnung: Letzter Akt im Opel-Drama

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Das Logo des Opel-Werks in Bochum

In Kürze soll der Verkauf von Opel an Magna offiziell besiegelt werden - doch ganz sicher ist das nicht. Selbst bei einer Vertragsunterzeichnung nach Plan stehen dem Autozulieferer Magna harte Verhandlungen ins Haus. Woran es noch hakt – und wie es bei Opel weitergeht.

Der Verkauf des Autobauers Opel steht unmittelbar bevor: Der kanadisch-österreichische Zulieferer Magna und Alteigentümer General Motors (GM) sind nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa fest entschlossen, den Kaufvertrag an diesem Donnerstag zu unterzeichnen und damit den monatelangen Übernahmepoker zu beenden. Doch wirklich sicher ist die heutige Vertragsunterzeichnung nicht, wenn man einer Meldung der Nachrichtenagentur AP Glauben schenkt: GM-Chef Fritz Henderson habe bei einem Besuch in Südkorea von intensiven Diskussionen um den Opel-Verkauf gesprochen - und ruderte beim Unterzeichnungstermin vorsichtig zurück. Eine Unterzeichnung des Vertrages sei in dieser Woche möglich, sagte Henderson, er könne dies aber nicht garantieren. „Aberich kann sagen, dass wir sehr, sehr fleißig mit unseren Partnern arbeiten und versuchen, es abzuschließen.“

Der genaue Zeitpunkt scheint also zu wackeln. So oder so muss sich Magna-Europe-Chef Siegfried Wolf  in Geduld üben. Denn wenn die Vertreter von General Motors, Opel und des Autozulieferers Magna endlich die Verträge über den Opel-Kauf unterschreiben, muss Wolf erst mal zuhören. Schließlich sehen die deutschen Rechtsvorschriften vor, dass der Notar  jedes einzelne Wort des Vertrages vorliest – und das Werk soll mehrere hundert Seiten umfassen.

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Endgültig unter Dach und Fach ist der Verkauf aber nach bisheriger Planung erst Ende November. Denn etwa wie viele Arbeitsplätze wo genau gestrichen werden sollen, darüber stehen Magna noch harte Verhandlungen ins Haus.  

Sicher ist soviel: Magna wird gemeinsam mit der halbstaatlichen russischen Sberbank 55 Prozent an New Opel übernehmen, 35 Prozent sollen bei der ehemaligen Opel-Mutter GM verbleiben. Den Opel-Mitarbeitern sollen künftig zehn Prozent am Unternehmen gehören.

Aber auch hier wird über die Details noch zu verhandeln sein:

Eine Einigung zwischen Magna und den Betriebsräten gilt als Voraussetzung für die Unterzeichnung des Kaufvertrags. Agenturberichten zufolge haben die Opel-Arbeitnehmervertreter bereits einem Einfrieren ihrer Löhne und dem Verzicht auf Weihnachts- und Urlaubsgeld zugestimmt. Sie helfen damit, jährliche Einsparungen in Höhe von 175 Millionen Euro in den vier deutschen Opel-Werken zu erzielen.

Entgegen einem anderslautenden Pressebericht haben die Opelaner doch keinen zusätzlichen Platz im Aufsichtsrat gefordert. „Diese Forderung wurde von uns nie erhoben und ist überhaupt nicht Gegenstand der Verhandlungen“, sagte der Opel-Betriebsratsvorsitzende Klaus Franz.

Auch für die übrigen europäischen Standorte stehen noch Verhandlungen aus:

England

In England sieht der Plan folgendermaßen aus: Magnas ursprüngliche Sanierungspläne, über die die WirtschaftsWoche detailliert berichtete, sahen die Schließung des englischen Vauxhall-Standorts Luton im Jahr 2013 vor. Am Standort Ellesmere Port wollte Magna ursprünglich 830 von 2200 Mitarbeiter abbauen.

Die britischen Gewerkschaften und mit ihnen die Regierung des Inselreichs waren damit wenig einverstanden. In Verhandlungen haben sich Magna und die Briten nun einigen können. Magna hat bis 2013 eine Garantie für die beiden Vauxhall-werke in Großbritannien abgegeben. Im Gegenzug hat die Belegschaft für zwei Jahre auf Gehaltserhöhungen verzichtet.

Nun sollen bis zu 600 Stellen durch freiwilliges Ausscheiden der Mitarbeiter eingespart werden. Ursprünglich hatten die britischen Gewerkschaften befürchtet, dass nach der Magna-Übernahme 1200 Jobs wegfallen. Laut Agenturmeldungen arbeiten 5500 Menschen in den Vauxhall-Standorten. Die britische Regierung will sich nun an dem staatlichen Rettungspaket für Opel beteiligen.

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