
Die Bundesregierung will den Ausbau des Breitband-Internetnetzes weiter vorantreiben. Alleine im zweiten Konjunkturpaket sind dafür 300 Millionen Euro vorgesehen. Ist das sinnvoll?
Absolut. Das Internet ist heute ein wesentlicher und unverzichtbarer Teil der Infrastruktur. Nach unseren Berechnungen bringt ein zehnprozentiger Ausbau des Netzes zwischen 0,9 und 1,5 Prozentpunkte mehr Wirtschaftswachstum pro Kopf. Das sind extrem hohe Effekte.
Woran liegt das?
Firmen und ihre Mitarbeiter kommen einfach viel schneller an relevante Informationen, egal ob es um Märkte, neue Technologien oder Mitbewerber geht. Ihr Rechnungswesen, die Personalrekrutierung und die Produktinnovation laufen einfach schneller. Hinzu kommt das Internet als möglicher Vertriebs- und Werbekanal. All das treibt die Wirtschaft.
Hat die Bundesregierung diese Potenziale schon voll erkannt?
Deutschland hinkt immer noch etwas hinter anderen Ländern hinterher, was die Anbindung der Haushalte angeht. Wir müssen aber mit unserer besonderen geografischen Struktur umgehen. Wir haben vor allem sehr viele mittelgroße Städte, die einzeln angebunden werden müssen. Wenn hingegen in Schweden Stockholm erschlossen ist, ist damit ein Großteil des Landes versorgt.
Was können wir von anderen Ländern lernen?
In Europa sind die Niederlande oder Dänemark sicher weiter als wir, auch die USA und Kanada. Neben dem finanziellen Schub brauchen wir nun bessere Anreize für Unternehmen, in die Netze zu investieren.
Das heißt?
Die Unternehmen brauchen Sicherheit, was ihre Investitionen bringen. Besonders im ländlichen Raum werden wir kaum parallele Netze schaffen können. Dort muss der gemeinsame Ausbau und Nutzung ermöglicht werden; hier wären als letzte Möglichkeit auch staatliche Subventionen denkbar.
Die „Stuttgarter Erklärung“, die heute auf dem IT-Gipfel verabschiedet werden soll, spricht vom einer Million Jobs, die bis 2020 in Europa durch den Breitband-Ausbau entstehen sollen. Halten Sie das für realistisch?
Da wäre ich vorsichtig. Zwar können sich die Impulse durch moderne Informations- und Kommunikationstechnologien positiv auf den Arbeitsmarkt übertragen. Allerdings könnten sie auch zu arbeitssparenden Prozessen in Unternehmen führen.













