Vodafone-Chef Vittorio Colao: "Eine Pause bei Zukäufen wäre falsch"

Vodafone-Chef Vittorio Colao: "Eine Pause bei Zukäufen wäre falsch"

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Vittorio Colao, Chef von Vodafone

von Jürgen Berke

Vittorio Colao, Chef des Mobilfunk-Weltmarktführers Vodafone, über seine Angriffspläne in Deutschland, neue Sparprogramme und künftige Kooperationen mit der Deutschen Telekom.

WirtschaftsWoche: Herr Colao, Sie haben sich gerade ein Vodafone-Callcenter in der Nähe von Düsseldorf angeschaut und mit dem Top-Management über die Ziele für das neue Geschäftsjahr gesprochen. Welche Botschaft haben Sie für Ihre Führungsmannschaft in Deutschland?

Colao: Wir diskutieren regelmäßig in diesem Kreis. Schließlich verantwortet das deutsche Managementteam fast ein Viertel des Umsatzes der Vodafone-Gruppe weltweit. Wir sind uns einig, dass wir insgesamt schneller und einfacher werden müssen. Auch Vodafone hat im Laufe der Zeit Konzernstrukturen entwickelt, die wir nun gemeinsam durchforsten. Im Telekommunikationsmarkt gibt es ständig Veränderungen durch Innovationen und noch schnellere Netze. Aber letztlich ist es ein exzellenter Kundenservice, der Vodafone nicht nur in Deutschland, sondern in der gesamten Welt erfolgreich macht. Wir wollen wieder mehr Kunden in Deutschland gewinnen, und wir wollen vor allem auch die Herzen dieser Kunden gewinnen.

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In den vergangenen Jahren gab es Rückschläge. Ihr Hauptkonkurrent, die Deutsche-Telekom-Tochter T-Mobile, ist inzwischen unangefochtener Marktführer. Medien berichten, dass Ihr Deutschland-Chef Friedrich Joussen vor dem Wechsel zu einem anderen Unternehmen steht. Suchen Sie schon einen Nachfolger?

Ich hoffe, dass Fritz Joussen noch sehr lange auf seinem Posten bleibt. Ich weiß nicht, woher diese Gerüchte kommen. Sie kursieren auch nur in Deutschland und nicht in der Vodafone-Zentrale. Ich versichere Ihnen, dass an den Gerüchten nichts dran ist. Fritz Joussen steht an der Spitze unserer wichtigsten und nach Umsatz größten operativen Landesgesellschaft und bleibt dort auch. Wenn er gehen würde, hätte ich ein Problem. Wir kennen uns jetzt 15 Jahre und sind gemeinsam bei Vodafone groß geworden. Daraus erwächst Vertrauen und Wertschätzung. Er hat fantastische Wachstumsmöglichkeiten vor sich. In keinem europäischen Land investieren wir so viel wie in Deutschland, in keinem anderen Land greifen wir so aggressiv an – und Fritz Joussen macht dabei einen hervorragenden Job.

So hervorragend ist seine Bilanz gar nicht. Der Umsatz in Deutschland ist rückläufig, auch Marktanteile gingen verloren.

Tut mir leid, ich sehe Ihr Problem wirklich nicht. Trotz Wirtschaftskrise wächst die Geschäftskundensparte, Weltfirmen wie Allianz, Siemens und Henkel wurden als Kunden in Deutschland gewonnen. Die Integration der Festnetzgesellschaft Arcor fand innerhalb von 18 Monaten komplett geräuschlos statt. Die Mobilfunkumsätze lagen im dritten Quartal schon wieder auf dem Niveau des Vorjahres – trotz Krise und ohne iPhone. Vodafone tut alles, um in Deutschland sehr konkurrenzfähig zu sein. Wir sind sehr gut im Mobilfunk aufgestellt, auch im Festnetz werden wir ständig besser. Aber richtig ist auch: Wir wollen in den nächsten zwei Geschäftsjahren noch stärker angreifen und Umsatz und Marktanteile steigern. Denn natürlich müssen wir wieder wachsen, um unsere Position neben der Deutschen Telekom in Deutschland zu behaupten.

Intern stellen Sie sich auf härtere Zeiten ein. Vorbereitet wird ein neues Sparprogramm, das den weiteren Abbau von einigen Hundert Arbeitsplätzen vorsieht.

Sparpotenziale zu suchen ist eine Aufgabe für jeden Manager, für mich als Vorstandschef der Gruppe wie für die Chefs in Deutschland, England oder Italien. Ich will an dieser Stelle aber ausdrücklich betonen: Deutschland gehört nicht zu den Konzerngesellschaften, die Restrukturierungen planen müssen. Es wird keine dramatischen Einschnitte geben. Was in Deutschland richtig ist, wird das deutsche Management entscheiden. Wichtig ist, dass wir überall ständig unsere Effizienz verbessern. Bereits im abgelaufenen Geschäftsjahr hat Deutschland 600 Arbeitsplätze relativ geräuschlos abgebaut, das geschah auch in anderen Märkten und auch im Vodafone-Headquarter in England. Unser Geschäft ändert sich, also müssen wir auch immer wieder das Unternehmen verändern.

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