Völkl-Chef Christoph Bronder: "Horrorzahlen gibt es bei uns nicht"

Völkl-Chef Christoph Bronder: "Horrorzahlen gibt es bei uns nicht"

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Völkl Chef Christoph Broder

Der Chef des einzigen deutschen Skiherstellers Völkl erklärt, warum sein Unternehmen der negativen Branchenentwicklung trotzt und er trotz neuer Öko-Produkte kein grüner Apostel ist.

WirtschaftsWoche: Herr Bronder, Skihersteller sind doch arg gekniffen – jetzt gibt es in diesem Jahr endlich mal wieder einen richtigen Winter mit reichlich Schnee – und dann rauschen Sie in die Finanz- und Wirtschaftskrise. Wer kauft da noch Ski?

Bronder: Völkl hat 1923 sein erstes Paar Ski hergestellt, und auch unseren Bindungshersteller Marker gibt es seit 50 Jahren – da sind wir einiges gewohnt. Natürlich sehe ich die Entwicklung gerade auf unserem größten Markt, den USA, mit Skepsis, die Leute kaufen weniger. Aber Horrorzahlen wie etwa in der Autoindustrie gibt es bei uns nicht – im Gegenteil: Wir haben uns von der negativen Branchenentwicklung abkoppeln können, sind mengen- und zahlenmäßig zweistellig gewachsen und haben unseren weltweiten Marktanteil sogar auf zwölf bis 13 Prozent ausgebaut.

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Die Branche leidet und Sie bleiben verschont – wie soll das gehen?

Anders als große Wettbewerber haben wir den Markt nicht mit Produkten überschwemmt. Wir produzieren nur so viel, wie der Handel auch abnimmt. Gleichzeitig haben wir im vergangenen Jahr sehr stark in neue Produktionsverfahren und neue Produkte investiert. Das macht sich jetzt bezahlt.

Aber die Überkapazitäten haben dazu geführt, dass die Läger voll waren und Ski teilweise beim Discounter verramscht wurden. Bekommen Sie das nicht zu spüren?

In den unteren Preislagen regierte tatsächlich der Rotstift, vor allem wegen der beiden letzten, katastrophalen Winter – statt einer Million wie sonst standen weltweit sicher zwei Millionen unverkaufte Paar Ski im Lager von Handel und Industrie, die mussten erst einmal raus.Wir sind allerdings ein Premiumhersteller, wir senken eher unsere Produktion als unsere Preise. Außerdem kauft unsere Kundschaft ihre Ski normalerweise nicht beim Discounter oder in SB-Warenhäusern.

Das heißt aber auch, die Branche hätte noch mehr Skier verkaufen können, wenn da nicht vielerorts die Ladenhüter gestanden hätten?

Ja, dieser Winter hat sehr früh sehr viel Schnee gebracht – da hätten deutlich mehr Ski verkauft werden können, wenn die Händler nicht so zurückhaltend bestellt hätten. Hinzu kommt, dass die Banken mit dem Handel viel zu restriktiv umgehen – selbst gesunde Händler bekommen teilweise keine Kreditversicherung für Warenbestellungen. Das ist so ein Unsinn, was die Banken da machen.

Ihre Unternehmensmutter Jarden hat sich mit 20 Prozent am Völkl-Konkurrenten Rossignol beteiligt – was hat Völkl davon?

Von der Verbindung hat Rossignol am Ende wahrscheinlich mehr als wir – Rossignol hat zuletzt existenzbedrohende Verluste gemacht.

Rossignol machte bei 270 Millionen Euro Umsatz einen Verlust von 50 Millionen und hat gerade die Produktion für zwei Monate gestoppt – was läuft da falsch?

Das fing schon mit der falschen Produktpolitik an, als Rossignol noch in Familienbesitz war und setzte sich fort, als der Surfspezialist Quiksilver die Marke kaufte, weil er an seiner Börsenstory gearbeitet hat. Statt in Produkte haben die in Werbung investiert, da leidet die Qualität. Das merkt der Kunde und kauft woanders.

Anders als andere Marken setzt Völkl sehr stark auf Spaßskier mit zwei Spitzen – ist das nur schick oder auch ein Geschäft?

Wenn es kein Geschäft wäre würden wir das nicht machen – wir haben Länder wie Norwegen und Schweden, wo wir schon die Hälfte unseres Umsatzes mit Twintip-Skiern machen, und auch in Deutschland und der Schweiz sind sie stark im Kommen. Wir bieten jetzt auch Modelle für Achtjährige an. Ich sehe das doch bei meinem Sohn: „Papa, ich geh jetzt in den Funpark“ – die Kids wollen nicht nur Rennen fahren, die wollen Sprünge machen und Treppengeländer runterrutschen....

und dann ist der Ski nach kurzer Zeit ruiniert und ein neuer muss her – für Hersteller ein Traum?

Die normale Lebensdauer eines Skis liegt bei sechs bis sieben, teilweise bis zu zehn Jahren – bei Twintips etwa so wie beim Snowboard, also gut drei Jahre. Twintips sind aber vor allem wichtig für uns, weil es uns mit ihnen gelungen ist, nicht nur wie Atomic, Fischer und Head als Schulterklopfer im Zielraum der Weltcup-Rennen wahrgenommen zu werden, sondern unsere Marke zu verjüngen.

Völkl bietet jetzt Snowboards und Ski aus Recycling-Material an – machen Sie jetzt auf Öko?

Nein, wir sind sicher keine grünen Apostel. Bleiben wir ehrlich, auch wir sind ein Industriebetrieb. Allerdings haben wir 2008 unser gesamtes Unternehmen auf den Prüfstand gestellt, um zu sehen, wie wir unter Umwelt-Aspekten da stehen.Anschließend haben wir Wärmetauscher installiert, betreiben jetzt Wasserrecycling und verwenden Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern, das wir zudem nicht mehr als Sondermüll entsorgen müssen.

Und bei den Produkten?

Bei dem Snowboard-Modell Cashew und beim Touren-Ski Nanuq, die wir jetzt bei der Ispo vorstellen, verwenden wir zu 60 Prozent recycelten Stahl für die Kanten, setzen für die Schutzschicht Hanfleinen statt Plastik ein. Und das ohne Abstriche bei der Qualität zu machen – jetzt liegt es am Kunden, ob er die Produkte annimmt.

Nehmen Sie gebrauchte Ski jetzt auch zurück?

Nein, wir haben das für Snowboards und Ski durchgerechnet. Angesichts der Transportkosten ist es sinnvoller, wenn der Kunde sein gebrauchtes Brett auf den Sperrmüll wirft und es anschließend verbrannt wird.

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