Volksschauspiel in drei Akten: Seltsame Methoden bei der Kulmbacher Brauerei

Volksschauspiel in drei Akten: Seltsame Methoden bei der Kulmbacher Brauerei

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"Das legendäre Kulmbacher" steht auf dem Etikett einer Bierflasche

Die seltsamen Methoden von Schörghubers Finanzvorstand Hans-Peter Hoh. Ein Volksschauspiel in drei Akten

Wenn der bayrische Ministerpräsident Günther Beckstein zur Einweihung einer neuen Abfüllanlage die Kulmbacher Brauerei besucht, dann wollen ihm die bayrischen Braufürsten etwas Besonderes bieten. Und so geben sie an diesem Donnerstag im April den ersten Akt ihres Schauspiels „Der Ehrengast“ – ein volkstümliches Stück in bayrischer Mundart, das selbst Gustl Bayrhammer oder Beppo Brehm kaum authentischer hätten aufführen können. In den Hauptrollen: die beiden Chefs der Brau Holding International (BHI) Stefan Schörghuber und Hans-Peter Hoh sowie die drei Vorstände der Kulmbacher Brauerei, an der die BHI zu 63 Prozent beteiligt ist. Ohne große Proben spielt die Laienspielschar ihrem Landesvater eine harmonische, bestens gelaunte, sich zuprostende Mir-san-mir-Truppe vor, zwischen deren Mitglieder kein Hopfenblatt passt.

Den zweiten Akt führen Schörghubers Mannen kaum sechs Wochen später auf: Am 28. Mai verweigern sie dem gesamten Vorstand der Kulmbacher Brauerei die Entlastung für das Geschäftsjahr 2007. Und das nicht etwa – wie sonst üblich – vorab im stillen Kämmerlein, sondern vor mehr als 400 Teilnehmern kurz vor Ende der Hauptversammlung in Kulmbach. Der nach WirtschaftsWoche-Informationen von Hoh, Schörghubers rechter Hand, eingefädelte Putsch hat noch eine weitere Pointe: Hans Albert Ruckdeschel, Kulmbacher Ehrenbürger, Unternehmer und mit gut 25 Prozent zweitgrößter Aktionär der Kulmbacher, wird aus dem Aufsichtsrat geworfen – obwohl Ruckdeschel laut Tagesordnung zur Wiederwahl steht und laut eigenen Angaben einen Vertrag hat, der ihm ein Aufsichtsratsmandat zusichert. Nach fünf Stunden Versammlung und minutenlangen Buhrufen war die Eingreiftruppe von Schörghubers Brau Holding am Ziel.

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Warum kam es zu dieser öffentlichen Hinrichtung und warum wurde dem Kulmbacher-Vorstand die Entlastung verweigert? Dem Führungstrio um Kulmbacher-Chef Jürgen Brinkmann wird unter anderem der verlustreiche, 34 Millionen Euro teure Kauf der Würzburger Hofbräu im Jahr 2005 angekreidet, obwohl die BHI-Vertreter im Aufsichtsrat den Deal seinerzeit abgesegnet hatten. Dabei hatte sich Brinkmann den Preis vom Verkäufer sogar mit Wertgarantien absichern lassen und kann – als Ergebnis einer inzwischen eingereichten Klage – mit acht bis neun Millionen Euro Rückerstattung rechnen, nahezu der Betrag, mit dem er in der Bilanz 2007 den Wert der Beteiligung voll abgeschrieben hat. Die Hauptversammlungs-Posse sieht Brinkmann denn auch als pure Machtdemonstration. „Und koste es noch so viel Ansehen. Hauptsache man hat gezeigt, wo der Bartel den Most holt.“ Hoh sieht das freilich anders. Auch die Schilderung, der Kauf sei im Aufsichtsrat abgesegnet worden, relativiert er: „Ich fühle mich selbstverständlich an die im deutschen Aktienrecht festgelegten Verschwiegenheitspflichten gebunden. Nur so viel: Dies ist eine stark verkürzte Darstellung der Abstimmungsprozesse im Aufsichtsrat. Viel entscheidender ist aber doch die Frage, was der Aufsichtsrat der Würzburger Hofbräu in den drei seit dem Kauf vergangenen Jahren getan hat, um das jetzt vorgenommene Impairment zu verhindern. Ich meine, deutlich zu wenig.“

Dritter Akt: Eine Woche nach der Hauptversammlung werden Brinkmann und sein Technik-Vorstand Stephan Gimpel-Henning gefeuert – und durch Schörghuber-Gefolgsleute ersetzt. Nur Vertriebsmann Markus Stodden übersteht das Massaker von Kulmbach. Im Aufsichtsrat, dem Hoh nun vorsteht, sitzen neben zwei Arbeitnehmervertretern nur noch BHI-Gesandte. Per Pressemitteilung bringt Hoh den Drei-Akter zum krönenden Finale, in dem er den verjagten Vorständen für ihre Arbeit dankt: „Unter ihrer Führung hat sich die Kulmbacher Brauerei über Jahre hinweg positiv entwickelt.“

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