Volkswagen-Absatzrekord: VW im Höhenrausch

Volkswagen-Absatzrekord: VW im Höhenrausch

Bild vergrößern

Volkswagen-Chef Martin Winterkorn auf dem Pariser Autosalon

Volkswagen fährt neue Absatzrekorde ein. Doch der Expansionskurs des Automobilbauers birgt große Risiken.

Deutlich über fünf Millionen. Noch nie hat die Volkswagen-Gruppe in den ersten neun Monaten eines Jahres so viele Autos ausgeliefert. Der Konzern hat die Branchenkrise weggesteckt, wächst schneller als der Weltmarkt. Gut jedes zehnte rund um den Globus verkaufte Auto stammt aus seinen Fabriken. Neue Werke werden in Serie hochgezogen. Überraschend schnell scheint man dem äußerst ehrgeizigen Ziel näher zu kommen: Mit zehn Millionen Fahrzeugen will Volkswagen im Jahr 2018 der führende Autoproduzent der Welt sein.

Den Pariser Auto-Salon, die bedeutendste Branchenshow dieses Jahres, nutzten die Manager dazu, ihr Imperium leuchten zu lassen. Mit fast 1500 Gästen feiert Volkswagen am Vorabend der Messe die mit Abstand größte Party. Auf dem Ausstellungsgelände in Halle 4 umzingelten seine Marken Audi, Škoda, Seat, VW, Bentley, Lamborghini, Bugatti und erstmals Porsche den derzeitigen Branchenprimus Toyota auch symbolisch. Und natürlich konnte jede Konzernmarke ein ganz besonderes Modell herzeigen: einen mit allerfeinster Technik ausgestatteten neuen VW Passat, einen bulligen Audi quattro, einen Lamborghini mit ultraleichter Kohlefaserkarosserie, das erste Elektroauto von Seat sowie den teuersten und schnellsten Sportwagen der Welt.

Anzeige

1,7 Millionen Euro kostet der Bugatti Veyron Supersport. Der orange-schwarz lackierte Bolide hat gerade einen Geschwindigkeitsweltrekord für im Straßenverkehr zugelassene Seriensportwagen aufgestellt: 431 Kilometer pro Stunde. Bei diesem Tempo dürfe man nicht den kleinsten Moment unaufmerksam sein, erzählt Testpilot Jean-Henri Raphanel auf der Party. »Sonst kommt man nicht zurück.«

Höchste Konzentration benötigt auch der Mann am Steuer des Konzerns, Martin Winterkorn (63). Der promovierte Metallkundler ist seit knapp vier Jahren Chef der 380.000 Konzernbeschäftigten. Kein anderer Automanager muss derzeit so viele Herausforderungen gleichzeitig bewältigen: Quasi in voller Fahrt müssen die neuen Mitglieder der Konzernfamilie, wie Porsche oder Suzuki, integriert werden, die Managementstrukturen angepasst und aus der Spur gekommene Marken wie Seat oder Škoda neu ausgerichtet werden.

Alles auf Angriff

In einem Alter, in dem sich Topmanager auf ihre Pension vorbereiten, will der Schwabe noch einmal richtig angreifen. Es scheint ausgemacht, dass sein Vertrag demnächst bis weit über die Pensionsgrenze hinaus verlängert wird. Der Wolfsburger Betriebsratschef und Vize-Aufsichtsratschef Bernd Osterloh hat dies schon ausgeplaudert. Auf der Party in Paris macht auch Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch deutlich: Winterkorn soll weitermachen. Früher habe er seine Manager mit 65 in Pension geschickt, erzählt der 73-Jährige, jetzt sei er schlauer. »Ich habe selbst erst mit über 70 Jahren die schwierigsten Aufgaben meines Lebens gelöst.«

Wenige Meter weiter beobachtet eine kleine Managerrunde um Konzernchef Winterkorn nach dem Ende der multimedialen Markenshow entspannt den Andrang um das Ehepaar Ferdinand und Ursula Piëch. Diplomatisch reagieren die Herren auf die Frage, ob Ursula Piëch, designierte Erbwahrerin ihres Gatten, schon die Modellpolitik mitbestimme. »Frau Piëch ist eine Kundin, und wir nehmen jeden Kunden ernst«, sagt ein Vorstand. Die Formulierung gefällt offenbar auch Winterkorn. Die von Piëch an diesem Abend neu angefachte Diskussion, dass zu den zehn Konzernmarken – acht Pkw-Marken plus VW-Nutzfahrzeuge und Scania – sowie den Beteiligungen an MAN und dem japanischen Kleinwagenbauer Suzuki als 13. Marke Alfa Romeo aus dem Fiat-Konzern noch gut passen würde, ist derzeit nicht Winterkorns größte Sorge. Anderes drängt viel mehr.

Die spanische Marke Seat schreibt chronisch Verluste. Neue Modelle floppten, der wichtigste Markt Spanien liegt darnieder. Winterkorn versucht es mit einem neuen Chef, den er von Mazda geholt hat. Künftig sollen es auch Modelle auf der Basis ausgelaufener Audi-Modelle richten. Viele Experten sehen das skeptisch.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%