Volkswagen: In Amerika entscheidet sich die Zukunft von VW

23. Mai 2011
Volkswagen-Chef Martin Quelle: REUTERSBild vergrößern
Volkswagen-Chef Martin Winterkorn Quelle: REUTERS
von Martin Seiwert

Seit März läuft die bereits Produktion im neuen US-Werk in Chattanooga, am Dienstag ist nun die offizielle Eröffnung. Am neuen US-Werk in Chattanooga hängt das Schicksal von Deutschlands größtem Autobauer. Nur wenn VW der Durchbruch in den USA gelingt, kann der Konzern wie geplant bis 2018 Toyota überrunden und weltweit die Nummer eins werden. Einblicke in ein milliardenschweres Wagnis.

Mit dem Birdcage fing alles an, hier draußen am Stadtrand von Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee. Die rohen Bretterwände des kastigen Holzhäuschens stechen Besuchern noch immer ins Auge, auch wenn es inzwischen recht verloren wirkt vor den riesigen, metallisch glänzenden Fabrikhallen. Birdcage, zu Deutsch: Vogelkäfig, so nennen die Fabrikarbeiter das Häuschen noch immer. Der provisorische Bau war für sie das erste Gebäude, mit dem der Volkswagenkonzern aus Germany sich ihnen hier zeigte, damals im Frühjahr 2009, auf dem frisch planierten, schlammigen Boden des neuen Industriegeländes.

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Zwei Jahre später, läuft in der 155.000-Einwohner-Stadt im Süden der USA ein doppelter Countdown. Im März sollen in den hochmodernen Hallen, dem Karosseriebau, der Lackiererei, der Endmontage die ersten Volkswagen made in USA seit 1988 vom Band laufen. Mehr noch, die Eröffnung des VW-Werks in Chattanooga, von wo aus der gleichnamige Hit von Glenn Miller vor 70 Jahren den Siegeszug rund um den Globus antrat, leitet zugleich die entscheidende Schlacht um die Vormachtstellung im weltweiten Autogeschäft ein. Nicht von ungefähr hat VW an einer Flanke der neuen Fabrik eine Fläche freigehalten, die genau den Abmessungen der jetzigen Anlage entspricht.

Wenn es gut läuft in Chattanooga, können die Deutschen die Kapazität durch eine zweite Fabrik in unmittelbarer Nachbarschaft auf über 500.000 Fahrzeuge pro Jahr verdoppeln. Und wenn dies erforderlich wäre, hätte VW-Chef Martin Winterkorn beste Chancen, sein Ziel zu erreichen, den VW-Konzern bis 2018 zum größten Autobauer der Welt zu machen. Ja, wenn das klappt, dann hätte VW-Großaktionär Ferdinand Piëch es geschafft, sich als größten Autobauer aller Zeiten im Autohimmel zu verewigen.

Wenn, ja wenn – wie auch immer Winterkorns Angriff gegen die gegenwärtige Nummer eins unter den Autoherstellern, den japanischen Toyota-Konzern, und die Nummer zwei, den US-Riesen General Motors (GM), ausgeht: Ohne einen Erfolg in Chattanooga wird der Marsch an die Weltspitze scheitern, wird aus dem Birdcage nicht das erhoffte Siegessymbol, sondern ein Mahnmal für eine der schlimmsten Fehlentscheidungen in der Geschichte von Volkswagen. Chattanooga ist das jüngste von insgesamt 61 VW-Werken auf der Welt. Es ist der Eckstein einer neuen USA-Strategie, die für Europas größten Autokonzern nach einem beispiellosen Niedergang, nach Milliardenverlusten und immer neuen glücklosen Anläufen im US-Markt endlich die Wende bringen und ihn zugleich an die Weltspitze katapultieren soll.

Den großen Erfolg versprechen sich die VW-Planer dabei von einer neuen Variante ihres deutschen Mittelklasse-Modells Passat, der in Chattanooga produziert wird. Der US-Passat ist größer, preiswerter und simpler als das gleichnamige Modell in der Alten Welt. Flankiert werden soll der Einfach-Passat durch eine überarbeitete Version des Kompaktwagens Jetta, den VW in Mexiko produzieren lässt.

Deutsche Ingenieurkunst

Die gemeinsame Klammer und Botschaft, die den speziellen Passat und den neuen Jetta verbindet, heißt deutsche Ingenieurkunst. Mit dem Versprechen, diese erstmals für alle Amerikaner erschwinglich und zur Zierde ihrer Carports zu machen, will VW-Chef Winterkorn die jahrelange Stagnation auf dem US-Markt aufbrechen. Denn nur mit Importen hatte VW in den vergangenen Jahren nicht die geringste Chance, über einen Marktanteil von zwei oder drei Prozent hinauszukommen. Die Einfuhr von Autos aus der Euro-Zone erwies sich als zu kostspielig, um im Massensegment gegen lokale Hersteller wie Toyota, Ford, Honda oder GM zu punkten.

Eine Milliarde Euro kostet die Fabrik in Chattanooga, weitere drei Milliarden Euro verschlang die Entwicklung der neuen Modelle für die USA und der Ausbau des Vertriebs. VW, obwohl in direkter Konkurrenz zu den Giganten GM und Ford, ist willkommen in der Region. Um die Germans hierher zu locken, machten die Stadt Chattanooga sowie die Regierungen des Bezirks und des Bundesstaats fast 580 Millionen Dollar an Subventionen für die Ansiedlung locker. „2011 wird ein Schlüsseljahr für Volkswagen“, hat VW-Chef Winterkorn prophezeit. Und VW-US-Chef Jonathan Browning sattelt noch drauf. 2011 werde für das US-Geschäft von VW „das wichtigste aller Zeiten“.

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Kommentare | 20Alle Kommentare
  • 02.03.2011, 09:43 UhrJoker10

    Sind das die einzigen Sorgen von VW ? Man muss nicht der Größte
    sein, sondern der beste und innovativste.
    Entwickelt Antriebstechniken, die zukunftsfähig sind. Das Öl geht
    aus, die Lieferländer werden immer unzuverlässiger.
    Merkt ihr gar nichts ? Es wurde bereits zuviel Zeit vertan, der Uhr-
    zeiger zeigt bereit 10 nch 12 !
    Nicht nur große Mengen produzieren ist das Thema, sondern
    Fahrzeuge, die mit alternativen, billig zu produzierenden Treib-
    stoffen zu betrieben werden können. VW ist zukünftig nicht mehr
    nur Autobauer, sondern auch ideengeber und Produzent von
    alternativen Treibstoffen.

  • 02.03.2011, 11:12 UhrChristopher Voolmer

    Das Wesentliche aus diesem Artikel:

    VW produziert nur in Zukunft nur noch den kleineren Teil seiner Fahrzeuge in Deutschland. Die deutschen ingenieure bekommen ein (fast) lächerliches Gehalt Die Gehälter von ingenieuren sinken seit Jahren, nicht nur real, sondern auch weil nur noch Zeitverträge angeboten werden.

    Der deutsche Abeitnehmer wird also auf das erbärmlichste ausgebeutet. Da wirkt eine Diskussion über Urheberrecht wirklich lächerlich, wenn man hinter die Kulissen schaut und versteht!

    in diesem Zusammenhang: Die Diskussion oder Auseinandersetzung um den Euro (die deutsche bundesbank und damit der bürger / Steuerzahler in D) ist zum Gläubiger von über 380 MRD Euro (ja Sie lesen richtig !) geworden (siehe Monatsbericht der bundesbank in Frankfurt !) und man diskutiert völlig belanglose Dinge ...

    Wann wachen denn die Deutschen auf - das Land wird durch sogenannte Volksvertreter verraten - ab Mai tritt das Gesetz in Kraft, dass Ungarn und Polen in D arbeiten dürfen - Lohndumping in Perfektion !
    Die soziale System bluten aus - oder wer soll in 10 Jahren die Rente bezahlen - die Polen, die Ungarn oder die Türken, die in ihr Heimatland zurückkehren:

    Konseqenz: totale Altersarmut in D, so sieht die Realität aus. Alles geschickt eingefädelt von der "Regierung" (Deutschland ist ein besetztes Gebiet, deshalb findet man keine Unterschrift von Richtern unter Gerichtsurteilen - meine Damen und Herren !

    Prüfen Sie das bitte, ja die Wahrheit ist niederschmetternd und nur für wenige Menschen in D nicht fassbar.

  • 02.03.2011, 11:17 UhrMartin D.

    die bedeutung der usa in der zukunft wird überschätzt.

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