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Volkswagen: In Amerika entscheidet sich die Zukunft von VW

von Martin Seiwert

Seit März läuft die bereits Produktion im neuen US-Werk in Chattanooga, am Dienstag ist nun die offizielle Eröffnung. Am neuen US-Werk in Chattanooga hängt das Schicksal von Deutschlands größtem Autobauer. Nur wenn VW der Durchbruch in den USA gelingt, kann der Konzern wie geplant bis 2018 Toyota überrunden und weltweit die Nummer eins werden. Einblicke in ein milliardenschweres Wagnis.

Volkswagen-Chef Martin Quelle: REUTERS
Volkswagen-Chef Martin Winterkorn Quelle: REUTERS

Mit dem Birdcage fing alles an, hier draußen am Stadtrand von Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee. Die rohen Bretterwände des kastigen Holzhäuschens stechen Besuchern noch immer ins Auge, auch wenn es inzwischen recht verloren wirkt vor den riesigen, metallisch glänzenden Fabrikhallen. Birdcage, zu Deutsch: Vogelkäfig, so nennen die Fabrikarbeiter das Häuschen noch immer. Der provisorische Bau war für sie das erste Gebäude, mit dem der Volkswagenkonzern aus Germany sich ihnen hier zeigte, damals im Frühjahr 2009, auf dem frisch planierten, schlammigen Boden des neuen Industriegeländes.

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Zwei Jahre später, läuft in der 155.000-Einwohner-Stadt im Süden der USA ein doppelter Countdown. Im März sollen in den hochmodernen Hallen, dem Karosseriebau, der Lackiererei, der Endmontage die ersten Volkswagen made in USA seit 1988 vom Band laufen. Mehr noch, die Eröffnung des VW-Werks in Chattanooga, von wo aus der gleichnamige Hit von Glenn Miller vor 70 Jahren den Siegeszug rund um den Globus antrat, leitet zugleich die entscheidende Schlacht um die Vormachtstellung im weltweiten Autogeschäft ein. Nicht von ungefähr hat VW an einer Flanke der neuen Fabrik eine Fläche freigehalten, die genau den Abmessungen der jetzigen Anlage entspricht.

Wenn es gut läuft in Chattanooga, können die Deutschen die Kapazität durch eine zweite Fabrik in unmittelbarer Nachbarschaft auf über 500.000 Fahrzeuge pro Jahr verdoppeln. Und wenn dies erforderlich wäre, hätte VW-Chef Martin Winterkorn beste Chancen, sein Ziel zu erreichen, den VW-Konzern bis 2018 zum größten Autobauer der Welt zu machen. Ja, wenn das klappt, dann hätte VW-Großaktionär Ferdinand Piëch es geschafft, sich als größten Autobauer aller Zeiten im Autohimmel zu verewigen.

Wenn, ja wenn – wie auch immer Winterkorns Angriff gegen die gegenwärtige Nummer eins unter den Autoherstellern, den japanischen Toyota-Konzern, und die Nummer zwei, den US-Riesen General Motors (GM), ausgeht: Ohne einen Erfolg in Chattanooga wird der Marsch an die Weltspitze scheitern, wird aus dem Birdcage nicht das erhoffte Siegessymbol, sondern ein Mahnmal für eine der schlimmsten Fehlentscheidungen in der Geschichte von Volkswagen. Chattanooga ist das jüngste von insgesamt 61 VW-Werken auf der Welt. Es ist der Eckstein einer neuen USA-Strategie, die für Europas größten Autokonzern nach einem beispiellosen Niedergang, nach Milliardenverlusten und immer neuen glücklosen Anläufen im US-Markt endlich die Wende bringen und ihn zugleich an die Weltspitze katapultieren soll.

Den großen Erfolg versprechen sich die VW-Planer dabei von einer neuen Variante ihres deutschen Mittelklasse-Modells Passat, der in Chattanooga produziert wird. Der US-Passat ist größer, preiswerter und simpler als das gleichnamige Modell in der Alten Welt. Flankiert werden soll der Einfach-Passat durch eine überarbeitete Version des Kompaktwagens Jetta, den VW in Mexiko produzieren lässt.

Deutsche Ingenieurkunst

Die gemeinsame Klammer und Botschaft, die den speziellen Passat und den neuen Jetta verbindet, heißt deutsche Ingenieurkunst. Mit dem Versprechen, diese erstmals für alle Amerikaner erschwinglich und zur Zierde ihrer Carports zu machen, will VW-Chef Winterkorn die jahrelange Stagnation auf dem US-Markt aufbrechen. Denn nur mit Importen hatte VW in den vergangenen Jahren nicht die geringste Chance, über einen Marktanteil von zwei oder drei Prozent hinauszukommen. Die Einfuhr von Autos aus der Euro-Zone erwies sich als zu kostspielig, um im Massensegment gegen lokale Hersteller wie Toyota, Ford, Honda oder GM zu punkten.

Eine Milliarde Euro kostet die Fabrik in Chattanooga, weitere drei Milliarden Euro verschlang die Entwicklung der neuen Modelle für die USA und der Ausbau des Vertriebs. VW, obwohl in direkter Konkurrenz zu den Giganten GM und Ford, ist willkommen in der Region. Um die Germans hierher zu locken, machten die Stadt Chattanooga sowie die Regierungen des Bezirks und des Bundesstaats fast 580 Millionen Dollar an Subventionen für die Ansiedlung locker. „2011 wird ein Schlüsseljahr für Volkswagen“, hat VW-Chef Winterkorn prophezeit. Und VW-US-Chef Jonathan Browning sattelt noch drauf. 2011 werde für das US-Geschäft von VW „das wichtigste aller Zeiten“.

20 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 24.05.2011, 10:33 UhrEasterling

    Die VWs Zukunft wird sich vor einem US-amerikanischen Gericht entscheiden. Wenn die VW die Markanteile von Detroit übernimmt, gibt es plötzlich Verbraucherklagen und Schadensersatzforderungen in Milliardenhöhe.

  • 24.05.2011, 09:43 UhrHägar Schmidt

    @mathias: Der Widerspruch ist ja genau der Punkt. Hierzulande werden wir geschröpft, im Ausland werden die ach-so-tollen Flitzer, die ohnehin nicht schneller fahren dürfen als 130 kmh, halb verschenkt. Dafür bezahlen wir, deutsche Kunden:

    - mit irrsinigen Listenpreisen
    - mit schlechter Serviceleistung (kaum Kulanz bei den "Premium"-Modellen)

    ich fahre den A6, den fünften inzwischen, und kaufe aus Protest keine neuen Audis mehr, nicht für mich und auch nicht für meine Leute.

    Und ja, es werden wirklich Abermilliarden verdient (einfach mal in Geschäftsberichte schauen?), aber der höchste Deckungsbeitrag wird in Deutschland erzielt.

  • 24.05.2011, 08:34 Uhras

    Das alles kann gelingen. basierend auf meiner erfahrung mit dem jetta ist dies eine zu grosse Erfolgsambition. Der Jetta zb. ist ein wunderbares auto im europaischen Sinn, fantastisches Motorgetriebe, Fahrhrwerksabstimmung. Kein anderes Auto in dieser Klasse kann damit nur anaherned mithalten. Daher wird der Audi und der Jetta rigorous kopiert, beinahe 100% und dies ohne dafur bezhlen zu mussen! Warum? Leider vergisst man uber all diesen europaischen errungenschaften die mentalitat der Amis. Das auo muss laufen auch ohne wartung und muss aufreizend sein zu kaufen. Den jetta oder den Passat in Amerika zu verkaufen , ohne einen Zusatz wie " Jetta - Colorado or Amercana or Miami or etc ist ein Schwachsinn. Auch hatte man den bernhardt kuhler (jeder loved it and all copy it) in irgendeiner form beibehalten sollen. Ein Auto in den Staten muss problemlos sein und 100% zuverlassig wie der alte beetle oder der Toyota. Die normal Amis, denen ist es eh wurscht wie elegant das auto auf dr Strasse liegt. Es muss was aushalten, bequem, einfach zu bedienen und die gadjets mussen highteck sein zumindest in ihrer Erscheinung, weil sie sowieso nicht bedient werden. Der Jetta ist sehr gut aber auch zu einfach im innnen raum gestalltet, fur Amis verwohnt bei den Asiaten, die damit ihren Scheiss in Technik glanzend uberdecken. Es ist nicht zu verstehen, dass der Jetta kein einfaches Warnsystem hat fur ruckwartseinparken und die Ruckspiegel nicht den blindspot verhindern konnen. im Grunde sollte VW den Amis und nicht den deutschen auf das "maul" schauen, wenn man das dazugehorige blech und die gadgets fur autos in den Staten anbietet. Die Masche muss heissen: 100% zuverlassigt, erkennen der Ami mentalitat fur Wertschatzung, verklagen aller Konkurrenz Unternehmen, die abkupfern. Nur damit wird man erfolgreich in den Staten andernfalls kapput wie der alte Rabbit Verkauf in den Staaten. Niemand in der Welt hat ein schlechteres Auto gebaut asl den USA Rabbit. AS

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