Volkswagen/Karmann: Frühes Weihnachtsgeschenk für Wulff

KommentarVolkswagen/Karmann: Frühes Weihnachtsgeschenk für Wulff

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ARCHIV - Das Logo des Autobauers Karmann ist 15.10.2009 in Osnabrück durch Blattwerk hindurch zu erkennen. Der insolvente Cabriospezialist Karmann hat möglicherweise doch noch eine letzte Chance: Volkswagen wolle den vom endgültigen Aus bedrohten Zulieferer mit einem Übernahmeangebot retten und biete einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag für das Unternehmen, berichtete das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel». Die Wolfsburger VW-Konzernzentrale wollte sich zu dem Bericht nicht äußern. Foto: Friso Gentsch dpa/lni (zu dpa 0258 vom 24.10.2009) (c) dpa - Bildfunk

von Martin Seiwert

Volkswagen übernimmt die Reste des insolventen Autozulieferers Karmann. Mit dieser Entscheidung bedankt sich VW beim niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff für die Rettung vor dem Angreifer Porsche. Ein Kommentar von WirtschaftsWoche-Redakteur Martin Seiwert.

Es war eine schwere Geburt. Neun Monate nach dem Insolvenzantrag wissen wir: Es ist ein Mädchen, genauer, eine VW-Tochter. Volkswagen übernimmt Maschinen, Anlagen und Grundstücke von Karmann und rettet damit die Autoproduktion in Osnabrück. Die rund 800 Beschäftigten des Zulieferers werden nicht übernommen, haben aber gewisse Chancen, in einer neuen VW-Tochtergesellschaft unterzukommen, die in den kommenden Wochen in Osnabrück gegründet wird.

VW übernimmt Karmann, schreiben nun manche Zeitungen. Das ist übertrieben. Es sind allenfalls Reste von Karmann, die auf eine Wiedergeburt im VW-Reich hoffen dürfen. Vor zwei Jahren hatte Karmann noch 7000 Beschäftigte. Nur ein Bruchteil davon schafft es nun zu VW. Zudem gibt es noch immer keine Lösung für den Karmann-Bereich Dachsysteme, der einst für die renommiertesten Automarken Cabrio-Dächer fertigte.

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Auch für die Karmann-Gesellschafter ist der Deal allenfalls ein Teilerfolg: Sie bekommen zwischen 35 und 40 Millionen Euro für ihre Anteile, wie aus Verhandlungskreisen zu hören ist. Das wäre nur gut die Hälfte der rund 60 Millionen, die sie gefordert hatten.

Wulff als fürsorgender Landesvater

Doch es gibt einen echten Gewinner am heutigen Tag: Christian Wulff. Der Ministerpräsident, der sich gern als „Niedersachsens Vorstandsvorsitzender" bezeichnet, ist am Ziel. Wulff kommt aus Osnabrück, hat dort seinen Wahlkreis und tat deshalb alles, um Karmann zu retten. Unter anderem verhinderte er die Abschaffung des VW-Gesetzes und vereitelte damit die VW-Übernahme durch Porsche. Das sollte sich nun auszahlen. Nachdem der Aufsichtsrat gestern Nacht die Fusion mit Porsche besiegelte hatte, kam das Dankeschön heute postwendend: Wulff bekam die von ihm geforderte Karmann-Rettung.

So kann Wulff heute als fürsorgender Landesvater glänzen und – wenn auch nur im Stillen – Wiedeking eine lange Nase machen. Denn Wiedeking wollte nicht nur die Macht in Wolfsburg ergreifen. Er war es auch, der Hilfen für Karmann im Aufsichtsrat abblockte, als er dort noch einen Sitz hatte und Karmann noch nicht insolvent war. Solange VW nicht ausgelastet sei, so der damalige Aufsichtsrat Wiedeking, könnten keine Aufträge an Karmann vergeben werden, nur um dem angeschlagenen Zulieferer unter die Arme zu greifen.

Wiedeking hat Vieles falsch gemacht bei seinem Versuch, VW zu übernehmen. Sein Streben nach mehr Effizienz im VW-Konzern gehörte sicher nicht dazu. Er wusste, dass die Wolfsburger schneller und schlanker werden müssen, wenn sie auf Dauer im Konzert der größten und besten Autobauer mitspielen wollen. Viel schneller und viel schlanker. Mit durchschnittlich 35 Arbeitsstunden pro gefertigtem Auto ist VW der ineffizienteste Volumenhersteller Europas. Nissan braucht 14 Stunden, selbst Opel ist mit 21 deutlich besser.

VW kann die Karmann-Teile womöglich ganz passabel integrieren und nutzen. Aber eigentlich braucht VW die neuen Kapazitäten nicht. Wenn das Ende der VW-Porsche-Schlacht der Auftakt für Gefälligkeiten an Politik und Gewerkschaften sein sollte, wäre heute kein guter Tag für VW. Dann könnte Kostenkiller Wiedeking sich ins Fäustchen lachen und auf späte Genugtuung hoffen.

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