Volkswagen: Piëch will sich mit Auto Union ein Denkmal setzen

Volkswagen: Piëch will sich mit Auto Union ein Denkmal setzen

Bild vergrößern

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Volkswagen AG, Ferdinand Piech.

Volkswagen soll so schnell wie möglich zum weltgrößten Autohersteller aufsteigen. Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch will sich damit ein Denkmal setzen.

Die Übernahme von Porsche ist noch nicht vollendet, da gelüstet es VW schon nach neuen Abenteuern: Die Wolfsburger greifen nach dem japanischen Auto- und Motorradkonzern Suzuki und streben die Mehrheit am Lkw-Hersteller MAN an. Gelingt dies, zöge VW am japanischen Konkurrenten Toyota vorbei und stiege zum weltgrößten Autobauer auf. VW-Aufsichtsratschef und -Miteigentümer Ferdinand Piëch wäre dann der mächtigste Manager weltweit.

Der Konzern soll künftig fast alles anbieten, was auf der Straße fährt – vom Motorrad bis zum 40-Tonner. Für das neue Konglomerat hat der 72-jährige Enkel des Autopioniers Ferdinand Porsche, Ferdinand Piëch, auch schon einen Namen – einen altbekannten: Auto Union. Die Marke stammt aus den Zwanzigerjahren, diente einst als Dachbegriff für Audi, Horch, DKW und Wanderer und wurde 1985 eingemottet.

Anzeige

Der Aufstieg an die Weltspitze birgt allerdings Gefahren. Das VW-Management könnte sich beim Übernahmepoker verzetteln oder bei der Integration der neuen Marken aufreiben. Daimler und Chrysler, BMW und Rover, General Motors und Saab – die Liste der gescheiterten Auto-Ehen ist lang und abschreckend. Welche Probleme bei einer Übernahme auftauchen können, hat VW bei der Schlacht um Porsche erlebt.

Von einer reibungslosen Integration des Sportwagenbauers sind die Wolfsburger noch weit entfernt, viele rechtliche und steuerliche Fragen des Deals sind bis heute nicht geklärt. Mehr als zehn Fraktionen – von den Betriebsräten bis zu den Porsche-Eigentümerfamilien – kämpfen um ihren Einfluss auf das künftige Imperium, unterstützt von Heerscharen von Anwälten und Wirtschaftsprüfern. Den Grundlagenvertrag zur Schaffung eines integrierten Autokonzerns hat Porsche erst kürzlich unterzeichnet, doch die Sticheleien zwischen der VW-Zentrale in Wolfsburg und dem Porsche-Hauptquartier in Stuttgart gehen weiter. Zudem soll der neue VW-Großaktionär Katar auf mehr Sitze und Macht im Aufsichtsrat drängen. Programmiert ist schon der Streit um die neue Positionierung von Porsche: VW möchte Porsche wieder zu einer kompromisslosen Sportwagenmarke machen, die mit technischen Innovationen glänzt. Wendelin Wiedeking hatte als Porsche-Chef dagegen seine Ingenieure gebremst und stärker auf eine clevere Vermarktung gesetzt.

Die finanzielle Last ist schon jetzt enorm: 16 Milliarden Euro kostet VW die Übernahme des Sportwagenbauers und der Salzburger Vertriebsgesellschaft Porsche Automobil Holding. Trotzdem möchte VW den Anteil an MAN von derzeit knapp 30 auf mehr als 50 Prozent erhöhen. Und der Einstieg bei Suzuki könnte schon in wenigen Wochen besiegelt sein.

Das VW-Management weiß durchaus um die Risiken des angestrebten Wachstums. Selbst der bisherige Branchenprimus Toyota sei dieser Versuchung zum Opfer gefallen, heißt es bei VW. Dass der Konzern dennoch bei den Übernahmen von Suzuki und MAN aufs Tempo drückt, hat einen einfachen Grund: Piëch will es so. Und wer sich gegen ihn stellt, hat schlechte Karten.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%