Volkswagen: Winterkorns Wortgeklingel von der Weltspitze

Volkswagen: Winterkorns Wortgeklingel von der Weltspitze

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VW-Vorstandsvorsitzender Martin Winterkorn lacht auf der Bilanzpressekonferenz.

Es gab Zeiten, da sprach der detailversessene VW-Chef Martin Winterkorn lieber über Mechanik. Zur Zeit allerdings doziert er lieber über Marktanteile und übt sich in Kampfrhetorik - wie etwa bei der heutigen Bilanzvorlage. Antworten auf die Frage, wie er an Toyota vorbeiziehen will, bleibt er schuldig, analysiert WirtschaftsWoche-Redakteur Martin Seiwert.

Martin Winterkorn – promovierte Metallkundler, spröder Ingenieur, detailbesessene Audi-Vorstand, der lieber über Mechanik redet, als über Marktanteile? Diesen Zeiten sind lange vorbei. Wann immer VW-Chef in den vergangenen Monaten in der Öffentlichkeit auftrat, glänzte er mit markigen Sprüchen, ungeahnten Superlativen und extrem mutigen Kampfansagen an die automobile Konkurrenz – das Ganze nicht selten von aufwändigsten Bühnenshows untermalt.

Große Sprüche gab es auch heute, bei der Vorlage der Bilanz des abgelaufenen Geschäftsjahres. Der 60-Jährige Schwabe lächelte alle kritischen Fragen der Journalisten einfach weg und trumpfte mit starken Zahlen und neuen PR-Wortgebilden auf: „Mit Porsche und VW kommen zwei absolute Branchenchampions zusammen", tönte Winterkorn, es „formiert sich ein Automobilunternehmen, das eine völlig neue Ära einläuten wird."

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Winterkorn will den Absatz von derzeit sechs Millionen Autos bis 2011 auf acht Millionen erhöhen. Bis 2018 peilt der Konzern sogar 11 Millionen an. Damit hätte der VW-Porsche-Konzern gute Chancen auf die weltweite Marktführerschaft. Für diesen Fall haben sich die Wolfsburger bereits im vergangenen Jahr den adäquaten Werbeslogan verpasst: „Volkswagen – Das Auto." „Wir sind das Auto", erklärte Winterkorn im September der WirtschaftsWoche und legte gleich noch eine Schippe obendrauf: „Der einzige Konzern, der seine Marken sehr erfolgreich führt, ist der Volkswagen-Konzern."

Winterkorn erntet Früchte harter Einschnitte

Spätestens jetzt, da die Zahlen für 2007 vorliegen, wird klar, warum Winterkorn seit Monaten mit Stolz geschwellter Brust um den Globus reist. Volkswagen hat seine Ertragsziele früher erreicht, als Analysten und selbst die Konzernführung es erwartet haben. Das ist aber weniger der Verdienst der aktuellen Führungstruppe um Martin Winterkorn, sondern die Folge der harten Einschnitte des ehemaligen Chef-Sanierers Wolfgang Bernhard.

So weit, so gut. Nun aber, da sich Volkswagen erklärtermaßen auf dem Weg an die Weltspitze befindet, darf gefragt werden, wie das Überholmanöver – vorbei an den bisherigen Branchenführern Toyota, GM und Ford – eigentlich von statten gehen soll. Klar ist: Ohne gigantische Verkaufserfolge in den Wachstumsmärkten Asien, Osteuropa, Russland und in den USA wird VW nicht „das Auto" werden, sondern „ein Auto" bleiben.

Unrealistische Ziele

Dem entsprechend ambitioniert sind die Vorgaben der Wolfsbuger Konzernzentrale für diese Märkte. So soll VW in Russland bis 2010 den Rivalen Toyota überholen, verlangt Winterkorn von den örtlichen VW-Managern. Toyota ist derzeit die drittstärkste Importmarke in Russland, VW liegt in der Liste auf Platz 14. „Wollten wir Toyota tatsächlich überholen," meckert ein osteuropäischer Top-Manager des Konzerns", „dürfte Toyota ab sofort hier nicht mehr wachsen."

Nicht viel realistischer sind Winterkorns Vorgaben für den USA-Chef des Konzerns, Stefan Jacoby. Seit Jahren dümpelt der Verkauf dort vor sich hin und schreibt Verluste. In den kommenden zehn Jahren, so das neue Ziel Winterkorns, soll sich der Absatz mal eben verdreifachen. Neue, speziell auf den Markt abgestimmte Modelle sollen die Wende bringen. Toyota ist bereits seit Jahrzehnten mit solchen Modellen im US-Markt vertreten und genießt unter den Kunden höchstes Ansehen. Es bleibt ein Rätsel, wie Volkswagen den Japanern diese Vorherrschaft streitig machen will.

Sprüche als Mitarbeiter-Motivationsprogramm?

Noch verdient Toyota in einem guten Quartal mehr als Volkswagen in drei Quartalen. Noch hat Toyota fast den dreifachen Börsenwert des VW-Konzerns. Doch Winterkorn will dieses Unternehmen, wie er heute wieder betonte, vom Thron stürzen. Dazu muss er die Produktivität dramatisch erhöhen. „Jedes Jahr um zehn Prozent", kündigte Winterkornan an. Arbeitsplätze würden dadurch nicht überflüssig, so der VW-Chef. Denn: „Wir werden auch jedes Jahr um zehn Prozent wachsen."

Solche Ansagen, heißt es in VW-Kreisen, müssten nicht immer wörtlich genommen werden. Sie seien zunächst einmal zur Motivation der Mitarbeiter gedacht. Sie dürften nicht das Gefühl haben, Toyota sei Ihnen uneinholbar enteilt. Motivationsveranstaltungen für Mitarbeiter sind gut, keine Frage. Realistische Ausblicke für Aktionäre sind besser.

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