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Von Nullen und Einsen: Komplizierte Glotze

Kolumne von Ben Schwan

Von LCD bis LED, von HD bis 3-D, von 50 Hertz bis 200 Hertz: Die Auswahl an Fernsehern mit den unterschiedlichsten Technologien war noch nie so groß wie heute. Dabei sollen die Geräte eigentlich nur ein vernünftiges Bild liefern. Doch das ist gar nicht so einfach und manchmal völlig subjektiv, wie wiwo.de-Technik-Kolumnist Ben Schwan bei seiner Suche herausfand.

Ben Schwan
WiWo-Technik-Kolumnist Ben Schwan lebt als Journalist in Berlin

Eigentlich sind Fernseher unmodern. Die Art der Rezeption, das Sich-berieseln-lassen mit einem vorgefertigten Programmablauf, will so gar nicht in unser On-Demand-Zeitalter passen. Schließlich sind wir es längst gewohnt, nahezu alles, was uns interessant, kostenlos oder gegen ein kleines Entgelt instantan per Internet abzurufen. Kein Wunder also, dass viele Sender mit einem vergreisenden Publikum kämpfen, die Werbeeinnahmen sinken und selbst junge Menschen, einst eine der wichtigsten Zielgruppen, die große Glotze liebend gerne gegen ihren Laptop eintauschen, auf dem sie selbst der Programmmacher sind.

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Trotzdem sind große TV-Geräte nach wie vor sexy. Man muss sie schließlich nicht fürs reine Fernsehprogramm verwenden, sondern kann sie als Abspielstation für das Heimkino oder Videospiele benutzen, die eine bessere Bildqualität samt höherer Bilddiagonale bietet als ein gewöhnlicher PC. Letzteren kann man inzwischen sowieso weitgehend problemlos an die flachen Riesen anschließen.

Bildqualität: Ein sehr subjektives Thema

Als ich neulich einen Fernseher für meine skandinavische Büroausstattung auswählen musste (hier ist das TV-Programm übrigens erstaunlich erträglich, nachdem ich es in Deutschland schon vor Jahren aufgegeben hatte), fiel mir allerdings auf, wie furchtbar kompliziert es die Hersteller der Kundschaft noch immer machen. Zunächst einmal wäre da die Bauform. Hier hat sich in jüngster Zeit einiges getan. König des Sektors ist zwar nach wie vor die preiswerte LCD-Technik, doch LED-Fernseher mit ihrer sehr flachen Bauform und konstanter Ausleuchtung sind inzwischen deutlich anziehender. Plasma scheint dagegen so langsam den Weg des Dodo zu gehen: Zu schwer, zu komplex, zu wenig flach. Die von Sony lange Zeit als TV-Geräte-Zukunft gefeierte OLED-Technologie, die bessere Farben bei enormer Flachheit bieten sollte, lässt im Großformat unterdessen noch immer auf sich warten.

Ich habe mich letztlich für ein LED-Gerät von Samsung entschieden, weil es die beste Kombination aus guter Optik und Bildqualität bot. Allerdings ist Letztere ein wirklich subjektives Thema. Das hat zum einen damit zu tun, dass die meisten TV-Sender als Zuspielsignal noch immer nur Standardauflösung bieten und die hohe Pixelzahl der Geräte eh nicht ausgenutzt wird, das geht nur mittels PC oder Blu-ray. Zum anderen gehen mir die diversen Bildverbesserungstechniken, die die Hersteller als Unterscheidungsmerkmal verbauen, gehörig auf den Senkel. Während ein PC-Monitor bis auf die Helligkeit inzwischen nahezu null Spielmöglichkeiten mehr bietet, was mich sehr beruhigt, kann man bei TV-Geräten an fast allem drehen - vom Weißpunkt bis zur Bildwechselfrequenz. Mich macht das ganz wuschig, zumal ich das Gefühl habe, dass in vielen Fällen das Bild nicht wirklich verbessert wird. Ein 100- oder 200-Hertz-Gerät lässt einen Kinofilm dann beispielsweise aussehen, als sei er im Studio als Soap produziert worden.

Die 3D-Welle rollt an

Die komplizierte Lage bei der Auswahl dürfte sich noch verschlimmern. Die nächste Gerätewelle, namentlich 3-D-Fernseher, rollt in den nächsten Monaten an. Gerade hat Sony seine erste Modelle für Juni angekündigt. Ob sie sich durchsetzen werden, ist noch völlig unklar. Das hat zum einen mit einer noch geringen Auswahl an 3-D-fähigen Inhalten auf Blu-ray, im Fernsehen und für Spielekonsolen zu tun, zum anderen mit der Tatsache, dass die Geräte das Aufsetzen einer synchronisierten Brille verlangen, die das richtige Bild aufs richtige Auge lenkt.

Zwar ist der 3-D-Effekt dank hohen Bildwechselfrequenzen (240 Hz) und guter Auflösung besser als je zuvor (außer vielleicht im Kino), doch gibt es zahlreiche Menschen, denen das Aufsetzen eines Nasenfahrrads beim TV-Genuss gar nicht passen dürfte. Dazu gehören jene mit Sehschwächen (die eigentlich zwei Brillen bräuchten) ebenso wie Personen, denen bei dieser Art von 3-D-Verfahren schlicht schlecht wird. Es gibt zwar bereits teure Spezialgeräte, die räumliche Bilder auch ohne Brille produzieren, doch haben diese den Nachteil, dass sie von mehreren Menschen gleichzeitig nur schwer vernünftig benutzt werden können. Doch diese Probleme werden gelöst werden, da bin ich mir sicher.

Das heißt aber auch: Wer sich tatsächlich ab Sommer einen 3-D-Fernseher zulegt, wird diesen in ein paar Jahren wieder gegen ein besseres Modell austauschen müssen. Aber das ist eben der natürliche Lauf der Dinge. Inzwischen sind TV-Geräte, die man früher für 20 und mehr Jahre erwarb, genauso Alle-zwei-Jahre-Wegwerf-Technik wie (fast) alles andere.

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4 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 15.03.2010, 16:33 UhrAnonymer Benutzer: Begeisterter Leser

    @Maus: Zwar nicht ganz passend, aber für deinen Kommentar ausreichend: http://potassium.1338.at/upload/share/hans.jpg

  • 15.03.2010, 14:00 UhrAnonymer Benutzer: Maus

    @begeisterter Leser:

    Duden Fremdwörterbuch 2005:
    instantan : unverzüglich einsetzend, sich sofort auswirkend, augenblicklich

    Damit müssen Sie wohl leben...

  • 15.03.2010, 11:55 UhrAnonymer Benutzer: Begeisterter Leser

    "instantan" Da habe ich aufgehört zu lesen. Welch ein schreckliches Wort!

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