Vor Gericht: Abrechnung mit dem IKB-Chef

Vor Gericht: Abrechnung mit dem IKB-Chef

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Stefan Ortseifen neben seinem Anwalt Rainer Hamm (rechts)

von Andreas Toller

Es ist die erste Verurteilung eines deutschen Bankers im Zusammenhang mit der Finanzkrise: Ex-IKB-Chef Stefan Ortseifen ist heute vom Landgericht Düsseldorf verurteilt worden, weil er die Finanzlage der Bank kurz vor deren Absturz in die Beinahe-Pleite geschönt hatte.

Das Urteil ist gesprochen: Der ehemalige Chef der Mittelstandsbank IKB erhielt heute sein Urteil vor dem Landgericht Düsseldorf wegen Marktmanipulation: Zehn Monate auf Bewährung und eine Geldauflage von 100.000 Euro. Vielen Anlegern dürfte das Strafmaß zu milde sein.

Schon während der Verhandlung trauten einige der Zuschauer im Gerichtssaal ihren Ohren nicht: Staatsanwalt Nils Bußee forderte für den ehemaligen Vorstandschef der Düsseldorfer IKB-Bank eine zehnmonatige Bewährungsstrafe sowie eine Geldbuße. Das erschien einigem im Gerichtssaal viel zu wenig. Denn schließlich musste die IKB mit zehn Milliarden Euro aus der Staatskasse gerettet werden – um eine Ausbreitung von Pleiten im deutschen Bankensektor zu verhindern. Die Höchststrafe für Marktmanipulation liegt bei immerhin fünf Jahren Haft.

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Die Verteidigung hatte hingegen Freispruch für Ortseifen gefordert – aus Mangel an Beweisen. Die Anklage wegen Marktmanipulation gründe lediglich auf einen Verdacht, legte Ortseifens Anwalt Rainer Hamm dar. Es läge nicht, wie vom Staatsanwalt dargelegt, der Straftatbestand der Irreführung vor. Das heutige Wissen um Ursachen und Konsequenzen der Finanzkrise habe im Juli 2007 niemand haben können. „Heute sind wir alle viel, viel schlauer“, sagte Anwalt Hamm in seinem Schlussplädoyer.

Geht es nach Staatsanwalt Bußee, hat Ortseifen die Lage der Bank in einer Pressemitteilung vom 20. Juli 2007 stark geschönt. Die Bilanzrisiken, die aus den massiven Investments in zweitklassige verbriefte US-Immobilienhypotheken soll Ortseifen wissentlich heruntergespielt haben. Laut Pressemitteilung hätten diese „praktisch keine Auswirkungen“, lediglich mit einem einstelligen Millionenbetrag könnten Abschreibungen zu Buche schlagen.

Tatsächlich hatte die Mittelstandsbank Milliarden in die sogenannten Subprime-Papiere gesteckt. Zum Zeitpunkt der Pressemitteilung hatte der Aktienkurs der im Börsensegment Mdax notierten Bank wegen ihrer Subprime-Investments bereits unter Druck gestanden. Noch dazu hatte das mit dem ureigenen Geschäft der IKB, der Kreditfinanzierung des Mittelstandes, nichts mehr zu tun.

Aber Ortseifen hatte an der Gewinnprognose festgehalten und somit Anleger zum Kauf von IKB-Aktien animiert. Tatsächlich hatte sich der Kurs der IKB-Aktie am Tag der Veröffentlichung um 3,8 Prozent besser als der Mdax entwickelt. Aber nur eine Woche später stürzte die Aktie und mit ihr die Bank ab. Heute liegt der Kurs weit unter einem Euro.

Die Idioten in Düsseldorf

Stefan Ortseifen selbst sieht die Verantwortung für den Absturz eher bei der Deutschen Bank und bei den Ratingagenturen. Letztere hätten die Situation auf dem Subprime-Markt ebenfalls zu optimistisch bewertet, die Deutsche Bank habe mit der Aufkündigung von Kreditlinien der IKB den Rest gegeben. Den Absturz der Bewertungen für die hoch riskanten Ramschhypothekenpapiere und US-Immobilienkrise hatte der Chef des Bundesamtes für Finanzdienstleistungsaufsicht Jochen Sanio als die größte Krise seit 1931 bezeichnet. Mit der anschließenden Beinahe-Pleite und der dramatischen Rettungsaktion durch den damaligen Eigentümer – die staatliche KfW Bankengruppe – war die Finanzkrise endgültig in Deutschland angekommen.

Mit Ortseifen steht nun erstmals ein Manager für den Niedergang einer Bank vor Gericht. Seit dem 16. März wehrt er sich vor Gericht gegen den Vorwurf der Marktmanipulation. Den Vorwurf der Untreue hat die Staatsanwaltschaft allerdings bereits fallengelassen.

Die IKB krankt auch drei Jahre nach der Katastrophe an den Folgen. Zwar wurde die Bank im August 2008 an den US-Investor Lone Star verkauft und musste harte Sanierungsmaßnahmen erdulden, aber noch immer schreibt die IKB rote Zahlen. Der einst so konservativen und grundsoliden Bank stehen weitere harte Jahre bevor.

Unrechtsbewusstsein hatte Ortseifen während der Verhandlung nicht gezeigt. Dass die Bewertung der Ramschpapiere eine „kollektive Fehleinschätzung“ gewesen sei, habe er damals nicht wissen können. Zu dieser Zeit aber lachten in New York bereits Investmentbanker über die Idioten in Düsseldorf, die sich „Giftmüll“ andrehen ließen.

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