Vorbereitung für schlechte Zeiten: „Ducks“-Konzerne horten ihr Geld

Vorbereitung für schlechte Zeiten: „Ducks“-Konzerne horten ihr Geld

, aktualisiert 29. November 2011, 13:13 Uhr
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Eine Mitarbeiterin der Volkswagen AG putzt ein VW-Logo.

von Dieter Fockenbrock und Markus HennesQuelle:Handelsblatt Online

Den 30 Dax-Konzernen geht es wieder besser, ihre Bilanzen haben sich stabilisiert. Was neu ist: Die Unternehmen setzen zunehmend auf Eigenkapital und Cash - und bereiten sich auf einen Abschwung vor.

DüsseldorfVW-Chef Martin Winterkorn bringt die Stimmung in den Führungsetagen der Konzerne auf den Punkt. "Man muss auch den Augenblick genießen können", sagte er vor einigen Tagen im Handelsblatt-Interview. Winterkorn macht sich keine Illusion: "2012 wird wesentlich härter."

Trotzdem bleibt Deutschlands mächtigster Autoboss gelassen. Aber nicht nur Volkswagen, auch die meisten anderen großen Konzerne sind finanziell bestens auf einen möglichen Abschwung vorbereitet. Die Unternehmen haben den zurückliegenden Boom genutzt, um genügend Cash für Notfälle zu horten und das Eigenkapital als Sicherheitspolster aufzustocken. Im Vergleich zu 2007, dem letzten Jahr vor der Zuspitzung der Krise, haben sich die Bargeldbestände der 25 größten deutschen Industrie-, Handels- und Dienstleistungskonzerne bis Mitte dieses Jahres um 16 Milliarden Euro oder knapp 23 Prozent erhöht. Zugleich haben die Konzerne das Eigenkapital für unsichere Zeiten aufgestockt.

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Den - relativ - größten Sprung nach vorn machte Post-Chef Frank Appel. Die Eigenkapitalquote des Bonner Konzerns verbesserte sich in den vergangenen viereinhalb Jahren von 5,9 auf 28,2 Prozent. Appel profitiert dabei vor allem vom Verkauf der Postbank. Denn die milliardenschweren Spareinlagen der Bankkunden - aus Sicht der Post war das Fremdkapital - verzerren jetzt nicht mehr die Bilanz des Konzerns. Die stärkste Eigenkapitaldecke unter den Dax-Konzernen haben seit Jahren der Chiphersteller Infineon und der Hautpflegespezialist Beiersdorf. Bei beiden Unternehmen liegt der Eigenkapitalanteil an der Bilanzsumme bei rund 56 Prozent.

Aber auch andere Dax-Konzerne haben gut gewirtschaftet und ihre Bilanzen gestärkt. Zur Jahresmitte lag die durchschnittliche Eigenkapitalquote aller 25 Unternehmen bei 36,4 Prozent. Das ist gut ein Prozentpunkt mehr als im Boomjahr 2007. Dabei hatten die Unternehmen im Frühjahr noch die enorme Summe von 26 Milliarden Euro als Dividende ausgeschüttet. Aber trotz dieses Geldsegens blieb noch genug zur Stärkung des Eigenkapitals übrig.


Konzernchefs sind besorgt

Dieses Ergebnis zeigt der Handelsblatt-Firmencheck, der in Zusammenarbeit mit dem Centrum für Bilanzierung und Prüfung (CBP) in Saarbrücken und der Unternehmensberatung Oliver Wyman entsteht. Analysiert wurden diesmal Liquidität, Cash-Flow und Kapitalausstattung der Unternehmen.

Noch ist eine mögliche Rezession weit weg, und deshalb wird sich das Bild weiter aufhellen. Bis zum Jahresende dürfte das Eigenkapitalpolster der 25 analysierten Dax-Konzerne den Spitzenwert von 37 Prozent übersteigen, prognostizieren die Bilanzexperten - denn noch verdienen die führenden deutschen Unternehmen prächtig. Zum Vergleich: Im Geschäftsjahr 2004 kamen die Dax-Firmen im Schnitt nur auf 31,7 Prozent Eigenkapital.

Die hinzugewonnene finanzielle Kraft der Konzerne wird noch an einer anderen Kennzahl deutlich: dem Verschuldungsgrad, also dem Verhältnis zwischen Fremdkapital und Eigenkapital. Der Verschuldungsgrad der Unternehmen ist heute um ein Fünftel niedriger als 2007, dem letzten guten Jahr für die deutsche Industrie vor dem offenen Ausbruch der Finanzkrise.

Trotz solider Finanzbasis müssen sich einige Konzernchefs allerdings Sorgen machen. Das zeigt eine Analyse des dynamischen Verschuldungsgrads. Diese Kennzahl gibt an, wie viele Jahre es dauern würde, bis ein Unternehmen sein gesamtes Fremdkapital allein mit den Einnahmen aus dem laufenden Geschäft abgetragen hat. Besonders für Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger ist das ein heikler Punkt. Der Essener Stahlkonzern bräuchte zur Tilgung seiner Bruttoverschuldung von knapp 34 Milliarden Euro theoretisch mehr als 38 Jahre.

Mit dieser langen Entschuldungsdauer ist Thyssen-Krupp das Schlusslicht unter den Dax-Konzernen - und zwar mit großem Abstand. Der Grund: Die Schulden des Konzerns sind wegen der überteuerten Investitionsprojekte in Amerika explodiert, der Cash-Flow dagegen erodiert. Infineon, der Düngemittelkonzern K + S, Beiersdorf und SAP zeigen, dass es auch anders geht. Diese Unternehmen benötigen nicht einmal vier Jahre für die Schuldentilgung aus ihren operativen Cash-Flows.

Zwar kommt kein Unternehmen ganz ohne Fremdkapital aus. Und weil die Zinsen derzeit ausgesprochen niedrig sind, ist es für die Unternehmen sogar lukrativ, sich billiges Geld an den Kapitalmärkten zu besorgen. "Das Fremdkapital muss aber stets in einem gesunden Verhältnis zu den wirtschaftlichen Möglichkeiten des Konzerns stehen", sagt Thomas Kautzsch von Oliver Wyman.


Energiekonzerne müssen sich Sorgen machen

Die meisten Dax-Konzerne halten maß und wären deshalb in der Lage, das bei Banken oder anderen Gläubigern geliehene Geld innerhalb von sechs Jahren zu tilgen und allein mit dem Cash-Flow des laufenden Geschäfts zurückzuzahlen. Ausreißer neben Thyssen-Krupp sind Daimler, Metro, Post, RWE und Volkswagen. Diese Unternehmen bräuchten mehr als ein Jahrzehnt, um ihre Verschuldung komplett mit eigenen Mitteln zu tilgen.
RWE-Chef Jürgen Großmann und seinen designierten Nachfolger Peter Terium, Dieter Zetsche von Daimler oder den neuen Metro-Chef Olaf Koch kann das Missverhältnis zwischen hohen finanziellen Verpflichtungen und schwacher operativer Potenz ihrer Konzerne daher nicht ruhen lassen.

Auch die Autokonzerne BMW, Daimler und Volkswagen drücken hohe Finanzschulden. Aber das hat einen einfachen Grund: Autohersteller betreiben in großem Stil Bankgeschäfte. Ein Großteil ihrer Fahrzeuge wird verleast oder finanziert. Was auf den ersten Blick wie eine riskante Gratwanderung auf dem Schuldenberg aussieht, ist in Wahrheit Strategie. "Die Autohersteller verschaffen sich über ihre Autobanken und Unternehmensanleihen billigen Eigenkapitalersatz", sagt Professor Karlheinz Küting, Direktor des CBP.

Die Saarbrücker Bilanzexperten haben deshalb beispielhaft die Kapitalverzinsung von BMW analysiert. Der Konzern hat knapp 60 Milliarden Euro Finanzschulden in der Bilanz, meist Anleihen. Deren durchschnittliche Verzinsung liegt derzeit bei 3,25 Prozent. Den Aktionären bietet BMW dagegen eine Dividendenrendite von 3,3 Prozent. Übers Jahr gerechnet, ist das Fremdkapital schon bei dieser minimalen Zinsdifferenz 30 Millionen Euro billiger als Eigenkapital.

Größere Sorgen müssen sich wohl die Energiekonzerne machen. RWE und Eon kämpfen nach dem Ausstieg aus der Kernenergie gegen Umsatzeinbrüche und sinkende Gewinnmargen, zugleich aber müssen die Konzerne viel Geld in den Ausbau der erneuerbaren Energien stecken. Um die Kosten zu senken, schließt Eon Standorte und löst die traditionsreiche Tochter Ruhrgas auf. Auch RWE verkauft Beteiligungen und will sich 2,5 Milliarden Euro frisches Kapital auch über die Ausgabe neuer Aktien besorgen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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