Vorstandsduos: Doppelspitzen der deutschen Wirtschaft

Vorstandsduos: Doppelspitzen der deutschen Wirtschaft

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Juergen Fitschen und Anshu Jain

Die Deutsche Bank kehrt fast ein Vierteljahrhundert nach ihrem letzten Führungsduo zu einer Doppelspitze zurück. In deutschen Unternehmen sind Tandems an der Spitze selten und werden allenfalls für Übergangszeiten als probates Mittel angesehen.

Eine Übersicht über Doppelspitzen in deutschen Unternehmen:

SAP: Der 1972 gegründete Software-Konzern hat mit Doppelspitzen gute Erfahrungen gemacht und wird seit 2010 wieder von einem Führungsduo geführt: vom Amerikaner Bill McDermott und von dem Dänen Jim Hagemann Snabe. „Zwei sind besser als einer. Wir vertrauen uns, und unsere Fähigkeiten ergänzen sich“, sagt McDermott über ihren Führungsstil. Die beiden mittlerweile bis 2017 berufenen Manager wurden von SAP-Patriarch Hasso Plattner als gleichberechtigte Vorstandssprecher installiert. Damit wurde die weniger als Jahr währende Alleinherrschaft von Leo Apotheker beendet, der den weltgrößten Anbieter von Unternehmens-Software 2008 bis 2009 gemeinsam mit Henning Kagermann geführt hatte. Kagermann lenkte das Unternehmen von 1998 bis 2003 gemeinsam mit Plattner, einem der Gründer und bis heute Großaktionär des Konzerns mit 53.000 Mitarbeitern und gut zwölf Milliarden Euro Umsatz.

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DAIMLER: Nach der transatlantischen Fusion mit Chrysler führten Jürgen Schrempp und Robert (“Bob“) Eaton den Konzern von 1998 an gleichberechtigt. Die Doppelspitze symbolisierte die „Fusion unter Gleichen“. Doch die Eintracht hielt keine zwei Jahre: Ende März 2000 ging Eaton mit knapp 60 Jahren in den Ruhestand. Nach Eatons Abschied zeigten sich rasch die Schwächen von Chrysler, und das zunächst sorgsam austarierte Gleichgewicht im Vorstand neige sich immer stärker zugunsten der deutschen Manager. Das weckte bei US-Anlegern den Verdacht, dass es sich heimlich doch um eine Übernahme von Chrysler gehandelt habe. Die Anlegerklagen kosteten den Konzern Hunderte Millionen.

THYSSENKRUPP: Der Mischkonzern wurde nach der Fusion von Thyssen und Krupp Hoesch von 1999 bis 2001 von zwei Vorstandschefs geführt. Krupp-Vorstandschef Gerhard Cromme und sein Thyssen-Kollege Ekkehard Schulz sollten die mehr als 100 Jahre lang rivalisierenden Ruhrkonzerne integrieren. Zuvor war Cromme mit einer feindlichen Übernahme von Thyssen gescheitert. Die Doppelspitze wurde am Finanzmarkt viel kritisiert: Wichtige Entscheidungen seien verschoben worden, andere scheiterten, wie der Börsengang der Stahlsparte im Jahr 2000. Das Ende des Duos löste Jubel aus. „Aus Kapitalmarktsicht ist es positiv, dass die Doppelspitze aufgelöst wird und jetzt eine einheitliche Sprache an der Spitze gesprochen wird“, sagte ein Analyst. Cromme wurde Aufsichtsratschef. Der im Konzern als „eiserner Ekki“ gehuldigte Schulz trat erst Anfang 2011 als Vorstandschef ab.

E.ON: Der im Jahr 2000 aus der Taufe gehobene größte deutsche Energiekonzern setzte ebenfalls zunächst auf die Integrationskraft der beiden Chefs von Veba und Viag. Ulrich Hartmann und Wilhelm Simson bemühten sich von Anfang an um eine klare Aufgabenteilung. Hartmann war der „Außenminister“, der sich der Wirtschaftspolitik und der Kommunikation nach außen widmete. Simson war der „Innenminister“ mit der Federführung bei der Strategie. Unter ihrer Ägide machte E.ON 2003 die Übernahme von Ruhrgas und damit eine milliardenschwere Beteiligung am russischen Gazprom-Konzern perfekt. 2003 trat die Doppelspitze ab und übergab die Führung an Wulf Bernotat. Hartmann war acht Jahre lang E.ON-Aufsichtsratschef. Simson war einfaches Mitglied des Kontrollgremiums. Erst im Mai 2011 schieden beide aus.

DEUTSCHE BANK: Bereits von 1976 bis 1985 stand der Deutschen Bank ein Duo vor. Wilfried Guth, ein Neffe Ludwig Erhards, und Friedrich Wilhelm Christians waren beide Sprecher des Vorstands. Guth zeichnete als Währungsexperte für das Auslandsgeschäft verantwortlich. Christians kümmerte sich vor allem um den Ausbau der Geschäfte im kommunistischen Osteuropa. 1985 löste Alfred Herrhausen die Doppelspitze ab. 

Ab 2012 sollen nun Investmentbanker Anshu Jain und Deutschland-Chef Jürgen Fitschen die Leitung des Vorstands der Deutschen Bank übernehmen. Jain gilt als kühler Zahlenmensch, Fitschen als der bodenständige und uneitle Vorzeigebanker. Jürgen Fitschens Vertrag wurde um drei Jahre bis zur Hauptversammlung 2015 verlängert, Anshu Jains bis Ende März 2017.

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