Vorstandswechsel: Degenhart soll Conti aus der Krise führen

Vorstandswechsel: Degenhart soll Conti aus der Krise führen

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Elmar Degenhart, neuer Vorstandsvorsitzender der Continental AG

Schaeffler hat sich durchgesetzt, der Wechsel ist amtlich: Elmar Degenhart wird neuer Chef von Continental. Der Manager bringt viel Erfahrung mit, doch es gibt auch prominente Kritik an der Personalie.

Mit einem grundlegenden Umbau der Conti-Spitze wollen der Autozulieferer Continental und sein Großaktionär Schaeffler ihren monatelangen Machtkampf beenden. Der Schaeffler-Manager Elmar Degenhart wird neuer Conti-Vorstandschef, teilte Conti in Hannover nach einer Krisensitzung des Aufsichtsrats mit.

Degenhart löst Karl-Thomas Neumann ab, der nach einem erbitterten Machtkampf mit Großaktionär Schaeffler nach nicht einmal einem Jahr im Amt abberufen wurde. Zugleich aber muss auch der Schaeffler-Berater Rolf Koerfer mittelfristig seinen Posten als Aufsichtsratschef aufgeben. Koerfer habe die Bereitschaft erklärt, den Aufsichtsratsvorsitz abzugeben, nachdem die Neuordnung des Vorstands, insbesondere die Bestellung eines Finanzvorstands, vollzogen sei. Wer Koerfers Nachfolger wird, ist offen.

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Ein neuer Aufsichtsratschef soll von außen gesucht werden. Koerfer soll dem Aufsichtsrat als Präsidiumsmitglied weiterhin angehören. Der Conti-Vorstand wird erweitert.

Degenhart kennt Continental bereits

Der Schaeffler-Manager Elmar Degenhart hat vor seiner Bestellung zum neuen Chef des Autozulieferers Continental nun doch eine ausgiebige Vorstellungstour absolviert. Der 50-jährige Verantwortliche der Schaeffler-Automobilsparte präsentierte sich in den vergangenen Tagen den Kapitalvertretern im Conti-Kontrollgremium, die nicht aus dem fränkischen Familienunternehmen stammen.

Zudem soll er beim Chef der Arbeitnehmerbank, dem IG-BCE-Tarifexperten Werner Bischoff, und sogar bei Kreditgebern von Conti angeklopft haben. Vor zwei Wochen bei der letzten Conti-Aufsichtsratssitzung, bei der die Installation Degenharts zunächst scheiterte, war der Anwärter auf den Chefposten noch völlig überraschend von der Schaeffler Gruppe präsentiert worden.

Mittlerweile ist Degenhart Bestandteil eines Personalpakets, das Schaeffler zusammen mit der Arbeitnehmerbank schnüren musste, nachdem die sofortige Inthronisation gescheitert war. Im siebenköpfigen Conti-Vorstand, in dem in Streitfällen das Mehrheitsprinzip gilt, sollen fünf direkt aus dem Conti-Management stammende Kollegen an seiner Seite sitzen.

Dabei ist auch Degenhart selbst in der Personalabteilung der Continental AG kein Unbekannter. Der bisherige Chef der Automobilsparte von Schaeffler war einst Mitglied der Geschäftsleitung von Continental Teves.

Der 50-Jährige bringt für den schwierigen Posten insgesamt viel Branchenerfahrung mit: Seit 16 Jahren ist er bei Automobilzulieferern in leitenden Positionen tätig. In der Öffentlichkeit ist über den möglichen Nachfolger des aktuellen Conti-Chefs Karl-Thomas Neumann bisher wenig bekannt. Damit passt er gut zur verschwiegenen Art des Familienunternehmens Schaeffler, das ihn 2008 nach Herzogenaurach holte.

Kritik vom Ex-Chef an Degenhart

Seit einem Jahr führt Degenhart dort die Automotive-Sparte mit 40.000 Mitarbeitern und rund sechs Milliarden Euro Umsatz. Von ehemaligen Weggefährten wird er als ausgleichender Charakter beschrieben. „Er ist authentisch, ruhig und gelassen, polarisiert nicht“, sagte einer, der längere Zeit mit ihm zusammengearbeitet hat - Eigenschaften, die Degenhart als Chef in Hannover gut gebrauchen kann, muss er doch einerseits bei Conti wieder für Ruhe sorgen, andererseits das durch die monatelangen Auseinandersetzungen stark angespannte Verhältnis zu Schaeffler befrieden.

Degenhart denke sehr strategisch; als Vorgesetzter lasse er seinen Mitarbeitern viel Freiraum, erwarte aber auch entsprechende Ergebnisse, sagt der frühere Kollege. „Er ist sehr konsequent im Austausch von Führungskräften, die nicht seinen Erwartungen entsprechen.“ Als Conti-Chef sei er eine gute Wahl, denn ein Großteil des Top-Managements von Conti kenne ihn bereits. Schließlich hat Degenhart auch schon bei Conti gearbeitet.

Ein anderer Arbeitnehmervertreter beschreibt Degenhart als einen „harten Hund“, der aber die Grenzen kenne. Degenhart trete entschieden auf und arbeite sehr stringent: „Der weiß, was er will.“

Aber es gibt auch kritische Stimmen. In einem Gespräch mit dem „Spiegel“ sagte der ehemalige Conti-Chef Manfred Wennemer, wenn ein Anforderungsprofil für den Chef der Continental zu entwerfen wäre, dann würde Neumann und nicht Degenhart diesem Profil entsprechen. „Continental braucht jetzt einen Unternehmer und keinen Bürokraten.“

Konkreter wollte sich Wennemer zur Person Degenharts nicht äußern. Sonst müsse er im Detail darauf eingehen, warum Degenhart damals gebeten worden sei, das Unternehmen zu verlassen.

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