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Wäschehersteller: Fein R.I.P. - Wie Missmanagement Schiesser in die Pleite trieb

von Mario Brück und Lothar Schnitzler

Der Wäschehersteller Schiesser ist kein Opfer der Finanzkrise. Grausiges Missmanagement, so interne Unterlagen, trieb die Unterhosen-Ikone in die Pleite.

Die Traditionsfirma Schiesser Quelle: dpa
Die Traditionsfirma Schiesser mit rund 2300 Mitarbeitern hat Insolvenz beantragt Quelle: dpa

Es ist ein sonniger Donnerstag. In der Villa Wintergarten in Radolfzell am Bodensee, einem liebevoll restaurierten Repräsentierbau des Wäscheherstellers Schiesser, treffen sich kurz nach Mittag ein knappes Dutzend Betriebsräte, ein IG-Metall-Funktionär sowie Schiesser-Finanzchef Karl-Achim Klein zur 53. Betriebsratssitzung. Der Ort ist geschichtsträchtig, Firmengründer Jacques Schiesser und seine Familie wohnten vor über 100 Jahren hier. Betriebsratschef Hans-Dieter Schädler eröffnet die Sitzung. Das Wort hat Finanzchef Klein, unter Tagesordnungspunkt 1 erfolgt der Bericht zur Lage – endlich, nachdem dieser über Monate hinweg verweigert worden war.

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Was der altgediente Manager an diesem Tag im Juli des vergangenen Jahres vorträgt, wird sich bei den Teilnehmern der Runde als eine Art Anfang vom Ende des Wäscheherstellers ins Gedächtnis brennen. Die Zahlen, die Klein präsentiert, sind schlecht. Bereits Ende März lag der Umsatz mit Unterhosen, Schlafhemdchen, Bikinis und BHs um rund zwei Millionen Euro unter Plan. Bis Ende Mai verschlechterte sich der Erlös weiter.

Als Klein gefragt wird, wie das zurückliegende Jahr gelaufen sei, verdunkeln sich die Mienen der Anwesenden vollends. Das Protokoll, das der WirtschaftsWoche vorliegt, notiert: „Zum Thema Jahresabschluss will Herr Klein nichts sagen. Nur so viel: Der Abschluss ist der miserabelste, den die Schiesser-Geschichte je geschrieben habe.“ Der Ernst der Lage kulminiert in dem Satz: „Um im Umfeld, insbesondere bei den Kunden nicht in negative Schlagzeilen zu geraten, werden die Zahlen nur unter Zwang herausgegeben.“

Pleite wegen schwerer Managementfehler

Im Feinripp geht der Prolet im deutschen Theater und im deutschen Fernsehfilm zugrunde. Am Feinripp verendete aber keineswegs die Firma, die für die Inkarnation rechts-rechts-gestrickter Rillentextilien steht. Schiesser ging nicht an zu biederen Produkten zugrunde, erst recht nicht, wie allgemein vermutet, an der Finanzkrise. Die Pleite vor zwei Wochen resultiert aus schweren Managementfehlern. Der endgültige Todesstoß schließlich kam von den Eigentümern, der Beteiligungsholding der Schweizer Industriellenfamilie Bechtler, die die Lust an ihrem Engagement verloren hatte.

Natürlich würde Schiesser, wie auch der ebenfalls zahlungsunfähige Spielzeugeisenbahnhersteller Märklin, vielleicht noch leben, wären Aufträge nicht ausgeblieben und hätte die gesunkene Kreditwürdigkeit den höheren Ansprüchen der Banken in Zeiten der Finanzkrise genügt. Doch dies alles ist nicht der Grund für das unternehmerische Ende, sondern nur der Schlusspunkt unter ein von Managerhand verschuldetes Siechtum.

Feinripp nach wie vor gefragt

In den Augen vieler Konsumenten mag Fein- oder Grobripp für das Gestrige, das Brutale und das Unerotische stehen. Till Schweiger stempelte Feinripp im Film „Manta, Manta“ zum vermeintlichen Markenzeichen für Prolls. Bruce Willis war im Hollywood-Schinken „Stirb langsam“ im dreckbesudelten Feinripp-Leibchen gegen das Böse in der Welt unterwegs.

Dem Geschäft abträglich war die Ware mit dem vermeintlichen Abtörnfaktor jedoch nie. „Fein- und Doppelripp haben der Marke nie geschadet“, berichtet eine Schiesser-Außendienstmitarbeiterin. Jedes Fachgeschäft brauche dieses Sortiment. Auch die Käufer stürben nicht aus. „Das wird schon seit 20, 30 Jahren behauptet“, sagt die Außendienstlerin. „Die Bestellungen für die neue Kollektion läuft gut, sehr gut sogar, trotz der Krise.“ Insolvenzverwalter Volker Grub bestätigt das: 20 Prozent Umsatzplus im Januar 2009 gegenüber dem Vorjahresmonat, Anstieg der Vorbestellungen um acht Prozent – Pleiten wegen Erfolglosigkeit sehen anders aus.

Die Ursache für den Niedergang reicht in das vergangene Jahrzehnt zurück. 1991 setzte das Unternehmen, damals die Schiesser-Eminence-Gruppe, noch rund 450 Millionen Euro um, davon entfielen allein über 300 Millionen Euro auf Schiesser. In Deutschland arbeiteten fast 4000 Menschen. Den ersten großen Einschnitt gab es in der zweiten Hälfte der Neunzigerjahre, als aus Kostengründen ein Großteil der Produktion von Deutschland nach Griechenland und vor allem Tschechien verlagert wurde.

Das langsame Sterben beginnt, als 2002 Winfried Daltrop, ein Manager des US-Turnschuh-Herstellers Reebok, den Chefsessel besteigt. Von da an platzen bei Schiesser immer mehr Nähte. Daltrop schließt die letzte verbliebene Produktionsstätte in Radolfzell, 300 Mitarbeiter müssen gehen. Kein Schiesser-Hemdchen und -Höschen wird seitdem mehr in Deutschland produziert.

17 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 16.11.2009, 18:39 UhrAnonymer Benutzer: Unhold

    blöd. Viele Grüße an das FGW3c.

  • 15.04.2009, 13:01 UhrAnonymer Benutzer: Ulrich

    Das haben die Manager anscheinend noch nicht begriffen.
    Kostet nichts heißt auch taugt nichts.
    Und das soll uns Verbrauchern dann als Made in Germany teuer verkauft werden. Dabei ist es gleichgültig ob Auto HiFi oder Unterwäsche. Wenn man deutsche Lieferanten auf das Preisniveau von billiglohnländern drückt muss man sich nicht wundern das die glieferte Ware auch so ist. billig

  • 23.03.2009, 17:35 UhrAnonymer Benutzer: Ein EU-Bürger

    Passt mal wieder voll ins bild: bei Märklin, HRE etc. waren es raffgierige US-investoren, die ihren Kumpels teure beratungsaufträge zuschanzten bzw. wertlose Schrottpapiere abkauften etc. etc., bei Schiesser ein geltungssüchtiger US-Manager, der seinen Kumpels teure Designaufträge zuschanzte und betriebsschädigende Schrottsoftware abkaufte etc. etc..
    Sobald irgendwo die Amis mit im boot sitzen, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis dem Laden auch das letzte (Feinripp-)Hemd ausgezogen worden ist!

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