Wäschehersteller: Fein R.I.P. - Wie Missmanagement Schiesser in die Pleite trieb - Seite 3

Wäschehersteller: Fein R.I.P. - Wie Missmanagement Schiesser in die Pleite trieb

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Daltrop überspannt den Bogen

Als das Kerngeschäft immer mehr unter dem Aktionismus leidet, hebt Daltrop bei Schiesser ab. Jeder, der sich ihm in den Weg stellt, sei mit Kündigung bedroht worden, berichten Mitarbeiter. Mehrere Manager müssen ihren Hut nehmen. Schließlich überzieht Daltrop. Er will einige Millionen Euro in ein neues Firmenlogo investieren und nebenbei noch einen seiner letzten Kritiker, Schiesser-Vertriebschef Rudolf Bündgen, hinausdrängen. Dazu kommt es nicht mehr. Bündgen reist zu Inhaber Thomas Bechtler in die Schweiz. Der zieht die Reißleine, setzt Daltrop vor die Tür und macht Bündgen Ende 2007 zum Vorstandschef.

Aus heutiger Sicht fällt die Entscheidung zu spät und halbherzig. Im Januar 2008 erklärt Bündgen auf einer Betriebsversammlung, dass er von Bechtler ein Jahr Zeit für die Sanierung bekommen habe. 2009 müsse Schiesser wieder schwarze Zahlen schreiben, Bechtler werde kein Geld nachschießen.

Vermutlich hatte Bechtler aber zu diesem Zeitpunkt gar kein Interesse mehr an Schiesser, oder er ahnte das ganze Ausmaß der Misere: ein Verlust von 30 Millionen Euro bei einem Umsatz von 175 Millionen Euro plus Gesamtverbindlichkeiten von 100 Millionen Euro. Kaum vier Wochen nach der Betriebsversammlung kappte der Schweizer den letzten Rest seines ohnehin spärlichen Engagements bei Schiesser. Per E-Mail erfuhren die Schiesser-Mitarbeiter, dass Bechtler „aufgrund erheblicher Arbeitsbelastungen“ den Vorsitz des Aufsichtsrats verlassen habe.

Bechtler wäre ehrlicher gewesen, hätte er „R.I.P.“ an den Bodensee gemailt, die alte lateinische Grabinschrift „Requiescat in pace“ – zu Deutsch und auf Schiesser übertragen: ruhe in Frieden, Feinripp.

17 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 16.11.2009, 18:39 UhrAnonymer Benutzer: Unhold

    blöd. Viele Grüße an das FGW3c.

  • 15.04.2009, 13:01 UhrAnonymer Benutzer: Ulrich

    Das haben die Manager anscheinend noch nicht begriffen.
    Kostet nichts heißt auch taugt nichts.
    Und das soll uns Verbrauchern dann als Made in Germany teuer verkauft werden. Dabei ist es gleichgültig ob Auto HiFi oder Unterwäsche. Wenn man deutsche Lieferanten auf das Preisniveau von billiglohnländern drückt muss man sich nicht wundern das die glieferte Ware auch so ist. billig

  • 23.03.2009, 17:35 UhrAnonymer Benutzer: Ein EU-Bürger

    Passt mal wieder voll ins bild: bei Märklin, HRE etc. waren es raffgierige US-investoren, die ihren Kumpels teure beratungsaufträge zuschanzten bzw. wertlose Schrottpapiere abkauften etc. etc., bei Schiesser ein geltungssüchtiger US-Manager, der seinen Kumpels teure Designaufträge zuschanzte und betriebsschädigende Schrottsoftware abkaufte etc. etc..
    Sobald irgendwo die Amis mit im boot sitzen, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis dem Laden auch das letzte (Feinripp-)Hemd ausgezogen worden ist!

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