Walter Gehl: Mit zwei Prisen Pfeffer

Walter Gehl: Mit zwei Prisen Pfeffer

, aktualisiert 19. November 2010, 18:05 Uhr
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Walter Gehl, Vorstandschef der LSG Sky Chefs Foto: PR

von Tanja KewesQuelle:Handelsblatt Online

Walter Gehl hat für die Cateringtochter der Lufthansa das richtige Rezept gefunden: Er sanierte die LSG Sky Chefs erfolgreich, von Verkauf ist inzwischen keine Rede mehr.

FRANKFURT. Die Liebe zu Lebensmitteln hat Walter Gehl schon früh entdeckt. Parallel zum Wirtschaftsstudium macht der gebürtige Saarländer im Laden seiner Eltern eine Ausbildung zum Lebensmitteleinzelhändler. Dass ihm der „Kaufmannsgehilfenbrief“ von Edeka rund 40 Jahre später noch einmal von Vorteil sein würde, hat Gehl „nicht erwartet“. Als er vor genau drei Jahren Vorstandschef der LSG Sky Chefs wird, ist bei der Cateringtochter der Lufthansa neben der Liebe zu Lebensmitteln vor allem sein Geschick als Sanierer gefragt.

Beides hat Gehl in seinem neuen Job bewiesen. Am Mittwoch legte er die Bilanz in Frankfurt vor und verkündete, dass die „fliegenden Köche“ – wie die Sparte auch genannt wird – erstmals ein Ergebnis erwirtschaftet haben, das um 21 Millionen Euro über der Kapitalverzinsung liegt. Das operative Ergebnis verdoppelte sich 2007 auf 100 Millionen, und der Umsatz stieg um 5,2 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro.

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Mit einer vergleichbaren operativen Marge von 4,2 Prozent steht die Sparte zwar nach wie vor schlechter da als das Passagier- und das Frachtgeschäft sowie die Techniksparte der Lufthansa – doch von Verkauf ist keine Rede mehr.

Lange Zeit standen die Küchenchefs zur Disposition. Sie brachten den Kranichkonzern nach den Terroranschlägen des Jahres 2001 in Turbulenzen. Im Jahr 2003 verhagelten Sonderabschreibungen von 705 Millionen Euro und ein operativer Verlust von 215 Millionen Euro das Ergebnis der Lufthansa. Und da Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber sich von der Strategie des breit aufgestellten Luftfahrtkonzerns verabschiedete, brandmarkte er das Catering als nicht betriebsnotwendig.

Um die Tochter – die aus der Fusion der Sky Chefs von American Airlines und der Lufthansa Services GmbH (LSG) im Jahr 2001 hervorgegangen war – für Verkauf oder Verbleib zu sanieren, wird Gehl aus dem Konzernvorstand der Lufthansa abkommandiert. Er startet im Oktober 2004 als Finanzchef und übernimmt fünf Monate später den Vorstandsvorsitz. Kein Traumjob – auch nicht für einen, der Lebensmittel liebt: Der Cateringmarkt verliert nicht nur krisenbedingt an Boden, sondern auch grundlegend, weil immer mehr Billigfluglinien Erfolg haben, die ihre Gäste nur sparsam oder gar nicht bewirten.

Gehl, der mit seiner leisen Stimme, der randlosen Brille und seiner Halbglatze sehr ruhig daherkommt, fackelt wie ein guter Koch am Herd nicht lange: „Wenn der Dachstuhl brennt, frühstückt man nicht zu Ende.“ Er schließt Betriebe in Paris und den USA und die zweite Firmenzentrale in Dallas. In der Frankfurter Zentrale muss jeder dritte Mitarbeiter gehen. Von den weltweit 42 000 Mitarbeitern im Jahr 2000 sind sieben Jahre später noch rund 30 000 übrig. Und Gehl verlängert die Wertschöpfungskette. So beschäftigt LSG Sky Chefs heute Trendscouts, um Fluggesellschaften zu beraten. Außerdem gründet er mit der Spedition Kühne Nagel das Joint Venture Skylogistix.

„Wir bieten Airlines heute komplette Angebote – von der Entwicklung des Bordequipments wie Geschirr bis hin zur Abwicklung des Bordservice. Ziel ist es, uns von anderen Caterern zu unterscheiden“, sagt Gehl. LSGc Sky Chefs beliefert inzwischen 300 Fluggesellschaften – und dazu gehören auch Billigfluglinien. Bei aller Kostenkontrolle und höherer Produktivität hat der gelernte Lebensmitteleinzelhändler die Gesetzmäßigkeiten der abgehobenen Küche nicht vergessen: Lebensmitteldesign und Geschmacksintensität. Ein Pudding etwa muss von seiner Beschaffenheit so sein, dass er beim Start nicht seine Form verliert oder aus dem Schüsselchen schwappt. Das Essen muss würziger sein als auf dem Boden. „Eine Prise Pfeffer reicht über den Wolken nicht“, sagt Gehl.

Quelle:  Handelsblatt Online
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