Wanderschuhe: Schmiegsame Treter

Wanderschuhe: Schmiegsame Treter

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Flotte Sohle

Wandern ist wieder chic. Das beschert der Outdoor-Branche dicke Zuwächse. Vor allem Hersteller guter Wanderschuhe profitieren.

Die Idylle scheint perfekt. Dottergelbe Blumen, Schmetterlinge, sanft schlängelnde Wege – nur Ruhe, die gibt es hier, in der heimeligen Schwarzwald-Landschaft, immer seltener. Der Höhenweg zwischen Pforzheim und Basel ist einer der beliebtesten Wanderwege Deutschlands, vor allem am Wochenende treten sich die Menschen schon fast auf die Füße.

Nicht nur dort: Wandern ist zum heimlichen Volkssport der Deutschen geworden. Fast zwei Millionen sind in Wandervereinen aktiv, 37 Millionen Deutsche wandern regelmäßig. Vor allem Junge und gut Gebildete suchen auf Schusters Rappen Erholung – zur Freude der Schuhindustrie.

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Nicht nur Jacke und Hose, vor allem die Schuhe sind zum großen Geschäft geworden. Denn der moderne Wandersmann tritt wohlbesohlt ins Gelände. Etwa 16 Prozent des 1,6 Milliarden Euro schweren deutschen Outdoor-Marktes entfallen auf Wanderschuhe, Tendenz steigend. Während der Gesamtmarkt in den vergangenen Jahren jeweils um etwa drei Prozent wuchs, legten die Ausgaben für einschlägige Treter um neun Prozent zu. Denn in freier Wanderbahn benötigen Fuß und Knöchel besonderen Schutz. „Falsches Schuhwerk zu benutzen ist leichtsinnig“, sagt Ingo Seifert-Rösing, Sprecher des Deutschen Wanderverbands. Also geben Wander-Fans schon mal gern 250 Euro für ein properes Paar Stiefel aus.

Dafür verlangen sie von den Herstellern einiges. Der Einheitsschuh ist passé, jede Zielgruppe will ihr eigenes Modell. „Lange Zeit gab es nicht mal Damenschuhe“, sagt Olaf Friederichs, Schuhexperte bei Globetrotter, dem Marktführer im deutschen Outdoor-Handel. „Stattdessen mussten Frauen die Schuhe einlaufen, bis sie passten.“ Doch seitdem immer mehr Damen durch die Natur stapfen – ihr Anteil soll bei 55 Prozent liegen –, gibt es für sie auch Leichtes und Schickes.

Ziemlich von gestern, zumindest beim Durchschnittswanderer, ist auch der klobige steife Stiefel aus Leder. Stattdessen sind Schuhe gefragt, die sich möglichst gut an den Fuß schmiegen. „Wellness für die Füße“, wirbt Schuhmacher Meindl aus Kirchanschöring bei München, einer der drei führenden Anbieter in Deutschland. Vor allem Neueinsteiger mögen atmungsaktive Beschichtungen wie Goretex, auch wenn viele Experten auf Lederschuhe schwören. Zumal auch die mit den Fußquälern von einst nichts mehr gemein haben. Die Verarbeitung wird genauer auf verschiedene Fußtypen angepasst, dank moderner Näh- und Auspolstertechniken sitzen die neuen Treter geschmeidig am Fuß.

Zahlreiche neue Anbieter tummeln sich auf dem Markt, etwa die großen Handelsketten, die mit ihren Hausmarken an dem Boom mitverdienen möchten. Trotzdem machen die alten Platzhirsche in Deutschland noch immer das größte Geschäft. Wanderer sind Traditionalisten und schwören auf ihre Hausmarke: Seit Jahrzehnten teilen sich drei deutsche Schustereien den Großteil des Marktes: Lowa, Meindl und Hanwag, alle aus Bayern, halten die Konkurrenz auf Abstand.

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