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Warenhäuser: Karstadt bleibt ein Sanierungsfall

von Henryk Hielscher

In der letzten Zeit gab es gute Nachrichten von Karstadt. Doch die besseren Zahlen verdankt das Unternehmen vor allem den Wunderwaffen des Insolvenzrechts. Wie Karstadt seine Probleme grundsätzlich lösen will, ist weiter unklar.

Karstadt: Über kurz oder lang Quelle: dpa
Karstadt: Über kurz oder lang müssen weitere Häuser geschlossen werden Quelle: dpa

Es herrscht wieder Jubelstimmung: Die insolvente Warenhauskette Karstadt schreibt schwarze Zahlen, nur 6 der 126 Häuser müssen schließen, das Unternehmen hat sogar ein Guthaben von 256 Millionen Euro angehäuft. Kaum war die frohe Botschaft verkündet, schoss der Aktienkurs des Mutterkonzerns Arcandor in die Höhe. Einziger Schönheitsfehler: Die Zahlen sind nicht die Folge neu entfachter Kauffreude der Kunden. Die Umsätze sollen im Oktober flächenbereinigt in etwa auf dem Niveau des Vorjahres gelegen haben. Dass sich die Liquiditätslage dennoch entspannt hat, ist schlicht dem Wirken des Sanierungsteams um Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg geschuldet – und dem Insolvenzrecht.

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So zahlt die Bundesagentur für Arbeit den Beschäftigten insolventer Unternehmen drei Monate lang Insolvenzgeld. Allein dadurch sparte die Warenhauskette rund 100 Millionen Euro Lohnkosten. Geschätzte weitere 150 Millionen Euro Liquidität bescherten fiskalische Finessen. Görgs Karstadt-Beauftragter Rolf Weidmann nutzte die Möglichkeit, im vorläufigen Insolvenzverfahren die eingenommene Umsatzsteuer einzubehalten. Zudem fallen Zinszahlungen an Banken weg. Doch damit wurden die Trümpfe des Insolvenzrechts ausgespielt, denn die Maßnahmen waren befristet. „Der Patient wurde von der Intensivstation in die Notaufnahme verlegt“, heißt es denn auch im Umfeld des Insolvenzverwalters. Mehr war in den wenigen Monaten seit dem Insolvenzantrag auch nicht zu erwarten – zu tief liegen die Probleme.

In drei Jahren eine Milliarde Euro verbrannt

In den vergangenen drei Jahren hat Karstadt insgesamt rund eine Milliarde Euro verbrannt. Darin sind zwar auch teure Fehler bei der Modernisierung einzelner Häuser enthalten, dennoch müssen die Kosten wohl um rund 200 Millionen Euro pro Jahr sinken, um Karstadt dauerhaft zu stabilisieren. Zudem schiebt die Warenhauskette einen Investitionsstau vor sich her. Und mit Mehreinnahmen ist kaum zu rechnen. Wendige Fachhändler rüsten ihre Filialen auf oder attackieren mit Niedrigpreisen. Wie Karstadt diese Probleme ohne die insolvenzrechtlichen Wunderwaffen der ersten Monate lösen will, ist unklar.

Zwar verzichten die Karstadt-Mitarbeiter in den kommenden drei Jahren insgesamt auf rund 150 Millionen Euro. Auch Vermieter, Lieferanten und Dienstleister wollen Sanierungsbeiträge leisten. Zudem spült das Weihnachtsgeschäft weitere Millionen Euro in die Kassen. So kann Karstadt die kommenden Monate überstehen. Klar ist aber auch: Die sechs geplanten Filialschließungen sind erst der Anfang einer Sanierung. Egal, ob sich ein Investor findet, der Karstadt eigenständig weiterführt, oder ob die Standorte blockweise weiterverkauft werden – über kurz oder lang müssen weitere Karstadt-Häuser aufgeben.

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2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 17.11.2009, 18:49 UhrAnonymer Benutzer: Dr.G-Suso Su.

    ich würde es den Mitarbeitern von Karstadt ja wünschen,glaube allerdings nicht daran,dass eine Rettung dauerhaft gelingt.
    Das zeigt ja allen auch wie Quelle abgewickelt wurde.Man kann sich im übrigen des Eindrucks nicht erwehren,dass Karstadt auf Kosten von Quelle saniert wird.Und das von Anbeginn der Fusion .Jetzt wird immer so getan,als wäre Quelle unendlich rückständig gewesen und die alten Quelle-Manager hätten Trachternanzüge getragen und Stroh hinterm Ohr gehabt.Groß geworden ist Quelle mit engagierten und kompetenten Mitarbeitern in allen Ebenen.Jetzt soll eine Legende aufgebaut werden,Quelle hätte sich nicht auf Marktveränderungen eingestellt und reagiert.Allen die soetwas behaupten,sollten sich den Artikel der vor einigen Monaten im Manager-Magazin erschienen ist einmal intensiv durchlesen.Der einzige Unterschied zu Quelle besteht darin,dass Otto immer Kontinuität im Management gewahrt hat!
    Von großartigen Strategien keine Spur! Allerdings hat Otto seine Chance genutz,seinen größten Konkurrenten,der von unfähigen Managern ruiniert wurde,für ein Handgeld und ohne Lasten zu übernehmen!
    Was alle mies gelaufen ist,zeigt auch eindringlich der gestrige Report-bericht in der ARD .Mit welcher Arroganz und Selbstgerechtigkeit dieser Vorstandsvorsitzende im Gespräch agiert hat,treibt einem den blutdruck hoch.Es spottet jeder beschreibung,das ausgerechnet diese bank,die frühere
    Karstadt-Hypothekenbank ist(im Zuge der Fusion umbenannt) Quelle den Todesstoß versetzt hat!! ich behaupte nochmal......Karstadt wird auf Kosten derQuelle saniert!!!! Und der Konkurrent der seit Jahrzehnten von Quelle auf die Plätze verwiesen wurde ist ebenfalls ein Sieger!!
    Na bravo!!

  • 17.11.2009, 16:19 UhrAnonymer Benutzer: Steigenberger

    Karstadt lebt momentan im " Weihnachtsgeschäftsintermezzo ".
    im Frühjahr wird es dann richtig eng; die Umsätze gehen zurück, die weit überhöhten mieten u. die überbesetzten Personalbeastände müssen fristgerecht bezahlt werden, es ist keinerlei Geld da um den immer grösser werdenden investitionsstau zur Verbesserung des Verkaufsambientes in der Fläche aufzulösen.
    Der Abstand zum gut geführten Kaufhof u. den Fachhändlern wird immer grösser.

    Letztlich ist es unwahrscheinlich, dass ein investor Karstadt als Ganzes übernimmt.
    Wahrscheinlich wird Metro gut 50 der Filialen übernehmen, einige Regionalhändler übernehmen weitere filialen u. der Rest wird dichtgemacht.
    interessanter Weise haben nur die Arbeitnehmer effektive Zugeständnisse gemacht; der immaterielle Verzicht der Vermieter auf Mietsteigerungen u. Strafgelder für Schließungen versteht sich doch momentan von selbst, aber die effektive Jahresmiete von 345 Mio. bei nur 3,7 Milliarden Umsatz ist um 100 mio. weiterhin zu hoch, da bleibt kein investitionspotential übrig u. ein investor wird diese Mietkonditionen in Zukunft auch nicht akzeptieren, weil sie gegenüber der Konkurrenz dann nicht wettbewerbsfähig sind.

    Die richtigen Zugeständnisse der Vermieter müssen noch kommen, sonst wird einfach dicht gemacht u. viele Häuser stehen dann jahrelang leer.

    Das die Vermieter momentan noch zurückhaltend sind mit konzessionen zeigt, dass Görg nur eine schwache Verhandlungsposition hat, von der Gewerkschaft ganz zu schweigen.

    im Frühjahr werden die Karten neu verteilt, mal sehen, was von den "Karstadthäusern" noch übrig bleibt; der Name Karstadt u. gut die Hälfte der jetzigen Mitarbeiter wird dann nicht mehr vorhanden sein.

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