Warenhäuser: Wie Investor Berggruen die Karstadt-Vermieter aufmischt

Warenhäuser: Wie Investor Berggruen die Karstadt-Vermieter aufmischt

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Karstadt

von Henryk Hielscher

Mit seiner Kaufofferte für Karstadt treibt Investor Nicolas Berggruen einen Keil in die Gruppe der Warenhausvermieter. Im Immobilienkonsortium Highstreet knirscht es.

Die letzte Schlacht ums Kleingedruckte beginnt am 28. Juli um Punkt zehn Uhr. Rund 100 Wirtschaftsrechtler und Finanzexperten werden sich dann im Londoner Büro der Anwaltskanzlei Allen & Overy einfinden, um im feinsten Finanzenglisch über „Senior-“ und „Mezzanine Loans“, „CMBS“-Restrukturierungen und ein „Master Lease Agreement“ zu parlieren. Dabei steht im Grunde eine recht simple Entscheidung an: Soll Karstadt gerettet werden oder untergehen?

Denn die Zukunft des Warenhauskonzerns entscheidet sich längst nicht mehr an so profanen Dingen wie den Absatzzahlen von Socken oder Hemden. Wichtiger ist derzeit, ob die Vertreter des Vermieterkonsortiums Highstreet und ihre Juristen die Forderungen des Karstadt-Bieters Nicolas Berggruen akzeptieren. Votieren sie in London dagegen, platzt der Deal – und damit auch die Karstadt-Hoffnungen.

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Seit Berggruen vor einem Monat den Zuschlag für die Übernahme erhielt, rangeln die Parteien um die Vertragsdetails. Berggruen fordert drastische Mietnachlässe und eine Aufteilung von Karstadt in Premiumhäuser, Sportgeschäfte und klassische Warenhäuser. Zwar scheint sich eine Mehrheit der Vermieter damit längst arrangiert zu haben. Doch ausgerechnet die Essener Valovis-Bank, die den Karstadt-Pensionären gehört, stemmt sich gegen einzelne Konditionen und will mit Berggruen nun separat verhandeln.

Reines Finanzvehikel

Karstadt Quelle: Fotos: dpa, Max Lautenschläger für WirtschaftsWoche, Archiv

Karstadt

Bild: Fotos: dpa, Max Lautenschläger für WirtschaftsWoche, Archiv

Das Gefeilsche macht vor allem eines deutlich: Es knirscht im Konsortium. Gut ein Jahr nach der Insolvenzanmeldung frisst sich das Karstadt-Debakel immer tiefer in die Bilanzen der Immobilienbesitzer und ihrer Geldgeber. Die sorgsam austarierte Balance in den Vermieterreihen gerät ins Wanken.

Kein Wunder: Highstreet ist kein homogener, zentral gesteuerter Block. Die Geschäftsadresse führt lediglich zu einem Briefkasten in einem Amsterdamer Bürokomplex. Kein einziger Angestellter arbeitet direkt für die Holding. Highstreet ist ein reines Finanzvehikel, hinter dem Dutzende Einzelinvestoren stecken. Die Struktur des Vermieter-Konsortiums, wie sie sich aus internen Unterlagen rekonstruieren lässt, ist von ähnlicher Finesse wie die Nahverkehrspläne mancher Großstädte.

Geschäft mit Tücken

Verantwortlich für das Interessensgeflecht ist Thomas Middelhoff. Der frühere Arcandor-Chef hatte von 2006 an den Großteil der Immobilien seiner Konzerntöchter Karstadt und Quelle an Highstreet verkauft – nach eigener Darstellung für insgesamt rund 4,5 Milliarden Euro.

Der Deal hatte nur einen Haken: Damit sich der hohe Kaufpreis aus Sicht der Investoren rechnete, mussten die Karstadt-Mieten kräftig steigen, was die finanzielle Lage des Warenhausunternehmens zusätzlich verschärfte. Im Juni 2009 meldete Karstadt Insolvenz an, die Immobilienkäufer hatten sich gründlich verzockt.

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