Warenhaus-Insolvenz: Karstadt-Verkauf: Triton oder Goldman?

Warenhaus-Insolvenz: Karstadt-Verkauf: Triton oder Goldman?

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Der geschlossene Eingang eines Parkhauses von Karstadt

von Henryk Hielscher

Ein Notverkauf von Karstadt an die US-Bank Goldman Sachs ist längst noch nicht vom Tisch. Denn die Offerte des Finanzinvestors Triton stößt auf Widerstand – vor allem bei den Arbeitnehmervertretern.

Die rund 26.000 Karstadt-Mitarbeiter müssen sich weiter gedulden: Obwohl der Finanzinvestor Triton am vergangenen Freitag als einziger Investor ein Angebot zur Übernahme von Karstadt unterbreitet hat, ist längst nicht sicher, ob Triton tatsächlich den Zuschlag für den Warenhausbetreiber erhält. Denn die Offerte stößt bei wesentlichen Gläubigergruppen der insolventen Kette auf Widerstand.

Kein Wunder: Von den Tarifverträgen bei Karstadt hält der Finanzinvestor wenig. Rund 5.000 der 26.000 Karstadt-Mitarbeiter würden derzeit in verlustträchtigen Bereichen arbeiten, eröffnete Triton dem Gläubigerausschuss bei einer Präsentation am vergangenen Samstag. Die Konsequenz: Die entsprechende Flächen könnten in Zukunft gemeinsam mit Partnern betrieben werden, zugunsten anderer Sortimentsbereiche verringert werden oder unterviermietet werden. 

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Erst Zierfischfutter - jetzt Karstadt

Dabei gehe es nicht um eine Streichung von 5000 Stellen, sagte ein Triton-Sprecher gegenüber wiwo.de. Vielmehr gehe es um "unternehmerische Lösungen" für die unrentablen Flächen. Dass es einige Einschnitte geben muss, sei allerdings auch klar. Die stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Verdi, Margret Mönig-Raane, gibt sich indes kämpferisch: Die Karstadt-Beschäftigten hätten im Sanierungstarifvertrag bereits auf 150 Millionen Euro verzichtet. „Mehr geht nicht.“

Tatsächlich gehören die Mitarbeiter zu den wichtigsten Gläubigergruppen. Schon sie allein könnten das Triton-Angebot scheitern lassen. Das allerdings setzt voraus, dass es eine Alternative gibt. Denn bei einer Zerschlagung stünden weit mehr Stellen zur Debatte.

Genau hier kommt die zweite wichtige Gläubigergruppe ins Spiel: Die Vermieter. Dass Triton plant, die Mietzahlungen für die Filialen deutlich zu kürzen, dürfte auch bei ihnen auf wenig Gegenliebe stoßen. Die große Mehrheit der verbliebenen 120 Karstadt-Häuser gehört dem Immobilienfonds Highstreet, einer Fondstochter der US-Großbank Goldman Sachs. Zudem wurden die Kredite, die einst für den Kauf der Immobilien aufgenommen wurden, neu strukturiert und an Dutzende weitere Investoren verkauft. Das verkompliziert die Verhandlungen enorm.

Schon der ersten Zusage der Highstreet-Manager an Görg – auf Mieteinnahmen in dreistelliger Millionenhöhe zu verzichten - gingen unzählige Abstimmungsprozesse bei Highstreet und den betroffenen Investoren voraus. Auf die Forderungen von Triton einzugehen, könnte das Spiel wieder neu eröffnen – ob das bis zum 30. April gelingt, ist allerdings fraglich.

Damit lebt eine Notlösung auf, die schon Ende vergangener Woche in Finanzkreise diskutiert wurde: Goldman selbst bzw. eine Tochtergesellschaft springt als Karstadt-Käufer ein. Vor allem angesichts eines Gewerbeimmobilienfonds von Goldman, der in den vergangenen Tagen kollabiert ist, dürfte  Goldman an neuen Turbulenzen im Investorenkreis derzeit nicht das geringste Interesse haben, zumal die Anklage der amerikanischen Börsenaufsicht SEC das Image der Bank gefährdet.

Triton: Deutschlands unbekannte Investor

Ob letztlich Goldman oder Triton Karstadt übernimmt, wird vor allem davon abhängen, wie weit sich die Gläubiger und Triton-Manager Johannes Maret in der Kürze der Zeit aufeinanderzubewegen.

Bisher war die Gesellschaft allenfalls Finanzinsidern ein Begriff. Seit Gründung hat sich Triton an 27 Unternehmen beteiligt und für weitere Unternehmenszukäufe getätigt. Etwas über die Hälfte des bisher veranlagten Kapitals der Triton Fonds von rund zwei Milliarden wurde in Deutschland investiert.  Darunter etwa die 2006 von Siemens erworbene Dematic, einem führenden Anbieter für Logistikautomatisierung. 2008 folgte der Einstieg bei Rütgers Chemie, einem Hersteller von Teerchemieerzeugnissen der Evonik-Gruppe.  Andere deutsche Beteiligungen sind der Koblenzer Automobilzulieferer Stabilus, der im Dezember von Alcatel erworbene Antriebshersteller Dunkermotoren, oder der 2005 veräußerte Osnabrücker Hersteller von Zierfischfutter Tetra aus Melle bei Osnabrück. Diesen hatte Triton über mehrere Jahre systematisch auf und ausgebaut und dann 2005 erfolgreich an die amerikanische United Pet Group veräußert.

Erst Zierfischfutter – jetzt Karstadt? Womöglich ist Karstadt eine Nummer zu groß für die deutsch-skandinavischen  Beteiligungsgesellschaft, heißt es in der Branche. Zwar hält Triton nach eigenen Angaben ein noch nicht investiertes Fondsvolumen von rund 2,5 Milliarden Euro. Doch lediglich 60 Millionen  Euro will Triton im ersten Schritt investieren, um Karstadt auf Vordermann zu bringen. Um den Modernisierungsstau der vergangenen Jahre zu beseitigen, kalkulieren Experten jedoch ein Vielfaches der Summe. Womöglich sei auch noch "etwas Luft" im Investitionsplan drin, heißt es im Umfeld des Investors.

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