Warenhaus-Insolvenz: Skandalfreie Millionengage für Karstadt-Insolvenzverwalter

Warenhaus-Insolvenz: Skandalfreie Millionengage für Karstadt-Insolvenzverwalter

Bild vergrößern

Der Karstadt-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg

von Henryk Hielscher

Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff ließ sich seinen Abschied mit Millionen Euro vergolden. Sein Nachfolger Karl-Gerhard Eick räumte mit 15 Millionen Euro seinen Posten. Jetzt wird über ein 50-Millionen-Euro-Honorar für den Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg spekuliert. Die Summe klingt empörend, doch sein Fall liegt anders.

Ein Jahr Arbeit für die stolze Summe von 50 Millionen Euro? Folgt man einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ kann Klaus Hubert Görg, Insolvenzverwalter der Warenhauskette Karstadt, auf den fürstlichem Lohn hoffen. Doch die Zahlen „aus Verhandlungskreisen“ sind spekulativ. Zur Höhe des Görg-Honorars sei noch keine Entscheidung gefallen, sagt ein Sprecher der Insolvenzverwaltung. Alle Honorargrößen die derzeit kursieren, haben zudem einen Beigeschmack. Denn hinter den Kulissen wird nach wie vor versucht, den Verkaufsprozess von Karstadt zu beeinflussen.

Görgs Favorit, der deutsch-amerikanische Investor Berggruen, hatte sich im Bieterverfahren durchgesetzt. Der Kaufvertrag tritt aber nur in Kraft, wenn sich Berggruen mit dem Vermieterkonsortium Highstreet um die US-Investmentbank Goldman Sachs nachträglich über die Höhe der Karstadt-Mieten einigt. Was die Sache nicht einfacher macht: Auch Highstreet war als Bieter für Karstadt aufgetreten und hatte zuvor bereits Zerschlagungspläne für Karstadt durchgespielt.

Anzeige

"Sehr zahme" Rechnung

Die Entscheidung der Gläubigerversammlung für Berggruen durchkreuzte indes alle Highstreet-Pläne und zwang die Parteien an den Verhandlungstisch. Seither dringen die Zwischenstände in bunter Interpretationsvielfalt und unter reger Anteilnahme von Ex- und neuen Führungskräften an die Öffentlichkeit. Honorarschätzungen gehören offenbar zum Spiel dazu. Der genaue Betrag bleibt indes offen, klar ist nur, dass der Insolvenzverwalter dereinst ein Millionensalär einstecken darf, was bei Großverfahren grundsätzlich auch angemessen ist. Denn anders als bei Zahlungen an frühere Arcandor-Manager vereinnahmt der Verwalter die Summe nicht persönlich. Für Görg sind die Honorare Betriebseinnahmen denen auch millionenschwere Ausgaben gegenüberstehen.  

Denn obwohl Görg im Mittelpunkt der Berichterstattung steht, leitet er das größte Insolvenzverfahren der deutschen Wirtschaftsgeschichte natürlich nicht allein. Eine Armada von rund 160 Rechtsanwälten segelt inzwischen unter seiner Flagge, die Kanzlei gehört zu den 20 größten deutschen Wirtschaftssozietäten. Eine Vielzahl von Kanzleimitarbeitern dürften derzeit mit dem Casus Karstadt befasst sein - und wollen bezahlt werden.

Hinzu kommt, dass die Bezahlung von Insolvenzverwaltern gesetzlich geregelt ist und das Honorar vom zuständigen Amtsgericht genehmigt werden muss. Nach der „Insolvenzrechtlichen Vergütungsverordnung“ richtet sich die Bezahlung nach der am Schluss verbliebenen Insolvenzmasse. Von den ersten 25.000 Euro erhält der Verwalter 40 Prozent. Danach sinkt der Anteil rasch. Von den Beträgen zwischen 250.000 und 500.000 Euro erhält er nur noch 3 Prozent. Bei Summen über 50 Millionen Euro stehen ihm nur noch 0,5 Prozent zu. Zuschläge aber auch Kürzungen sind möglich - je nach Arbeitsaufwand und Komplexität des Verfahrens. Görg stehe nicht in dem Ruf, übertrieben hohe Rechnungen auszustellen, heißt es in der Branche. Im Gegenteil: Das Oberlandesgericht Köln habe ihm in seiner Tätigkeit als Insolvenzverwalter der Weserberghütte sogar bescheinigt, seine Forderung sei „sehr zahm“ ausgefallen.

Für die 25.000 Karstadt-Mitarbeiter ist derzeit ohnehin eine andere Frage entscheidender: Wie geht das Ringen zwischen Berggruen und Highstreet aus? Der Karstadt-Käufer hat sich bislang nicht mit dem Vermieterkonsortium und dessen Gläubigern über weitere Mietkürzungen einigen können. Derzeit würde Details im Kleingedruckten geklärt, heißt es. Allerdings könne auch dies noch etliche Tage in Anspruch nehmen. Letztlich sei auch der bis lang als Enddatum betrachtete 16. Juli „nicht in Stein gemeißelt“, hieß es. An diesem Tag will das Amtsgericht Essen nach der bisherigen Planung über den Karstadt-Insolvenzplan entscheiden. Doch wäre eine nochmalige Verschiebung dieses Datums wohl kein unüberwindbares Hindernis. Auch ein vorläufiger Beschluss des Gerichts gilt als Möglichkeit, um die enge Frist zu umgehen. „An Rechtsformalien wird das Verfahren nicht scheitern“, heißt es dazu im Umfeld in Essen.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%