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Warenhaus-Riese: Welche Interessen die Banken an Arcandor haben

von Cornelius Welp (Frankfurt), Melanie Bergermann (Frankfurt) und Henryk Hielscher

Eine Insolvenz von Arcandor wäre für die beteiligten Banken ein harter Schlag – welche Interessen die Geldhäuser bei dem Warenhauskonzern verfolgen.

Arcandor-Chef Karl-Gerhard Quelle: REUTERS
Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick Quelle: REUTERS
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Die Hauptversammlung der Deutschen Bank am vergangenen Dienstag kam Karl-Gerhard Eick sichtbar ungelegen. Der Arcandor-Chef, seit 2004 Aufsichtsrat bei Deutschlands größtem Geldinstitut, hätte vermutlich Besseres zu tun gehabt, als Rücktrittsforderungen an Aufsichtsratschef Clemens Börsig zu lauschen oder den länglichen Ausführungen christlicher Aktionärsschützer über moralisch verwerfliche Renditeziele. Nervös fummelte er an seinem Blackberry herum, mehrmals verließ er das Podium.

Ob Eick den Abstecher nach Frankfurt auch für Verhandlungen mit seinen Banken genutzt hat? Die Zeit drängt. Bis zum 12. Juni müssen nicht nur Kredite in Höhe von 650 Millionen Euro verlängert werden, Arcandor braucht auch zusätzliche Mittel, um die Warenlager aufzufüllen. Frisches Geld bekommt Eick nach seiner Darstellung nur, wenn er eine Staatsgarantie vorlegen kann. „Es gibt keine Alternative“, sagt Eick. Ohne Bundesbürgschaft müsse er den Gang zum Insolvenzrichter antreten.

Kreditgebende Banken hoffen auf Staatsbürgschaft

Trotz anderslautender Stimmen aus der Politik in Berlin glauben in Frankfurt die meisten Beteiligten, dass Arcandor die staatliche Unterstützung doch noch erhalten wird. Ihr Hauptargument: Nur wenige Monate vor der Bundestagswahl geht es um immerhin 53.000 Arbeitsplätze. Ein Konkurs sei deshalb nur schwer vorstellbar. „Dass die Gespräche mit dem Bund weiterlaufen, ist ein gutes Zeichen“, heißt es im Umfeld der kreditgebenden Banken.

Bei Arcandor engagiert sind vor allem die Commerzbank, die BayernLB und die Royal Bank of Scotland. „Eine Staatsbürgschaft wäre das entscheidende Argument, um die Kreditlinien zu verlängern“, heißt es im Umfeld des Konsortiums. Sollte der Handels- und Touristikkonzern in die Insolvenz gehen, müssten die Banken den Wert ihrer Kredite drastisch abschreiben. Das würde die Bilanz der Institute belasten. Da alle drei infolge der Finanzkrise bereits angeschlagen sind, können sie sich das kaum leisten. Dennoch beharren sie darauf, dass auch die weiteren beteiligten Institute einen „signifikanten Beitrag“ leisten.

Sal. Oppenheim doppelt betroffen

Das betrifft zunächst die Eigentümer der Privatbank Sal. Oppenheim. Das Köln-Luxemburger Institut hat im vergangenen Herbst über eine Kapitalerhöhung knapp 30 Prozent an Arcandor übernommen und diese anschließend in eine eigene Gesellschaft ausgegliedert. Die Oppenheim-Gesellschafter, vor allem Angehörige der wohlhabenden Familien v. Oppenheim und Ullmann, sollen bereit sein, über eine Kapitalerhöhung noch einmal bis zu 100 Millionen Euro nachzuschießen.

Zu Oppenheim gibt es noch eine zweite Verbindung. Gemeinsam mit dem Immobilienentwickler Josef Esch aufgelegte Fonds besitzen fünf Karstadt-Warenhäuser. In die Fonds hat auch Thomas Middelhoff investiert, der ehemalige Vorstandschef von Arcandor. Um „auch nur den Ansatz des Verdachts einer Interessenverquickung“ zu beseitigen, lässt Arcandor nach Informationen der WirtschaftsWoche nun seine Verbindung zu den Fonds von einer unabhängigen Anwaltskanzlei überprüfen.

20 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 10.06.2009, 13:03 UhrAnonymer Benutzer: Kurt

    @liebe Sabine - Das von ihnen geschilderte Verhalten ist es was ich an der Menschheit so bewundere. Wir haben einen gutbezahlten Arbeitsplatz und kaufen aber alles vom billigsten. Denn ich bin ja in der Autoindustrie. Was schert mich bekleidung? Hauptsache billig! Der aus dem Einzelhandel denkt dasselbe über Autos usw.. Und so rationalisieren wir selber über unser Konsumverhalten selbst alle gutbezahlten Jobs weg. Schneller als die Großkopferten selbst das könnten. Wir wollen in Deutschland dicke verdienen, kaufen aber hauptsächlich Dinge, die ein Chinese mit 30.- Euro Monatseinkommen herstellt. Nur wer zahlt dann eigentlich ihr Gehalt? ich behaupte hier einfach mal ganz frech, dass jeder, der so einkauft heute schon an seinem eigenen Arbeitsplatz sägt.

  • 09.06.2009, 20:31 UhrAnonymer Benutzer: Leser

    an: Liebe Sabiene

    Vielen Dank für ihre Ausführung! Anders als meine Vorredner hoffe ich ich nicht, dass Sie niemals vor einer Situation wie diese Mitarbeiter stehen. ich hoffe, dass Sie in nächster Zukunft vor einer solchen Situation stehen. Vielleicht ist dies aber auch überflüssig, da Sie sich auf dem Weg zum Arbeitsamt von diesen Demos gestört fühlen. Da fällt es aber auch nicht ins Gewicht ob Sie ihre 345 Euro bei Karstadt ausgeben oder nicht. An ihrer Stelle würde ich mir mal Gedanken über schon vergebene Staatshilfen machen. Unternehmen, den Namen möchte ich hier nicht nennen (deutscher Automobielhersteller vorne mit O und hinten mit L), welche ihre Gewinne seit Jahren im Ausland versteuern und bedeutend weniger Arbeitsplätze haben wurde in der Vergangenheit auch geholfen. Das finde ich perfide.

  • 09.06.2009, 20:13 UhrAnonymer Benutzer: smoothdancer

    Wie immer - steckt in allen Kommentaren ein bißchen "Wahrheit" ....
    was mich persönlich am meisten stört ist die mangelnde Unternehmerverantwortung. Gehts gut - steckt man sich die Taschen voll, Gewinne werden an der Steuer vorbeimanövriert und ins Ausland gebracht - gehts schlecht wird nach Vater Staat (Subventionen/Steuerzahlen) gerufen.
    Ob nun Karstadt, Porsche, banken oder Werften - - wenn jemand nicht kalrkommt ist das erstmal nicht schlimm und es soll auch gern Unterstützung aus dem Staatssäckel geben, jedoch ZUERST schau ich mal wie es mit den Gewinnen der letzten 5-10 Jahre war! Und zuerst sollen die, die sich die Taschen vollgestopft haben reinvestieren. DANN komm ich--der Steuerzahler....
    Jedem "privaten" Schuldner wird von Staatsseite die "Arschkarte" gezeigt - sparen muss er halt, seine Ausgaben reduzieren, sein Häuschen versteigern.... gehts aber um das Druckmittel "Arbeitsplatzsicherung" - fließen die Milliarden.
    Ob es daran liegt das die, die diese Entscheidungen treffen meist in den Aufsichtsräten und Vorstandsetagen der betroffenen Unternehmen sitzen?*grübel*

    Armes Deutschland....

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