Warenhauskette: Karstadt: Laues Lüftchen statt Orkan

Warenhauskette: Karstadt: Laues Lüftchen statt Orkan

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Karstadt-Chef Andrew Jennings

von Henryk Hielscher

Mit einem Sturm hatte Karstadt gerechnet, gekommen ist bloß eine leichte Brise aus Personalquerelen, Bunkermentalität, Konzeptsuche: Warenhauschef Andrew Jennings hat seinen Start verpatzt. Wo bleibt der frische Wind für das Unternehmen?

The Hurricane nannten sie ihn in seinem früheren Job. Als Chef der Kaufhauskette Woolworth in Südafrika galt Andrew Jennings als Mann, der mit harter Hand zupackt, um den Laden zu drehen. Als Sanierer, der Tempo macht und frischen Wind mitbringt.

Doch seit Jennings Anfang des Jahres die Führung des frisch aus der Insolvenz entlassenen Essener Warenhauskonzerns Karstadt übernommen hat, scheint der Beiname nicht mehr so recht zu passen. Sicher, groß gewachsen, sonnengebräunt und durchtrainiert, gibt der 62-Jährige eine imposante Erscheinung ab. Doch von einem vermeintlichen Hurrikan, der durch die Warenhäuser fegt und Veränderungen bringt, ist ein halbes Jahr nach Amtsantritt allenfalls ein laues Lüftchen zu spüren.

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Kaum etwas zu sehen ist bisher von der angekündigten Modernisierung, von Millioneninvestitionen und einer Verjüngung des Sortiments. Noch weniger ist von einer Aufbruchsstimmung zu spüren. Auch sonst verlief Jennings’ Start an der Karstadt-Spitze wohl anders als erhofft.

Online-Geschäft soll ausgebaut

Nach fünf Monaten im Amt warf Rewe-Chef Alain Caparros als Aufsichtsratsvorsitzender hin. Mittlerweile folgte ihm Vertriebschef Andreas Boznar ins Warenhausexil. Intern sorgt die Aufspaltung des Konzerns in drei separate Einheiten für Irritationen. Sportfilialen, normale Warenhäuser und Karstadt-Flaggschiffe wie das Berliner KaDeWe sollen getrennt operieren. Das weckt trotz aller Dementis Zweifel an den Versprechen des deutsch-amerikanischen Inhabers Nicolas Berggruen, den Konzern insgesamt zu sanieren.

Und Jennings? Der schwieg bis dato zu allem und fahndete über Monate nach einer Strategie. Vergangenen Mittwoch, ein halbes Jahr nach Amtsantritt, war es schließlich so weit. Jennings präsentierte dem Aufsichtsrat in einer mehr als sechs Stunden währenden Sitzung sein "Karstadt 2015" getauftes Konzept. Bis Donnerstag drangen nur wenige Details aus dem Kreis. Doch die große Richtung steht längst fest. Der Kunde rücke wieder in den Mittelpunkt, lautet Jennings ebenso banales wie schwierig umzusetzendes Mantra.

Die Sporthäuser sollen dazu womöglich gemeinsam mit neuen Partnern wieder expandieren, neue Standorte würden bereits gesucht, heißt es in der Branche. Gegenüber der WirtschaftsWoche ließ das Unternehmen nach Redaktionsschlus der Printausgabe per Anwalt mitteilen, dazu keine Stellung zu nehmen, da es sich um Betriebsinterna handele. In einem heute veröffentlichten Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bestätigte Jennings hingegen die Expansionspläne, äußerte sich aber nicht zu möglichen Partnern.

Der 15-Punkte-Plan

Auch das Online-Geschäft soll ausgebaut werden. Die Warenhäuser werden sukzessive auf Vordermann gebracht und weiter "umgeschichtet", wie Sortimentsveränderungen im Branchen-Slang heißen. Spätestens im Herbst, wenn Karstadt den 130. Geburtstag feiert, sollen Markenqualität und Differenzierung zum Wettbewerb auch für die Kunden sichtbar werden – etwa mit mehr Auswahl bei Modemarken. Bereits im Frühjahr hatte Jennings in einem internen Schreiben an Karstadt-Führungskräfte 15 Schlüsselprojekte definiert. Dazu zählt etwa die "Renovierung von 18 Läden" bis September– mittlerweile wurde die Zahl auf 22 erhöht. Zudem sei die "Akquisition weiterer exklusiver" Marken sowie die Spezialisierung und leistungsbezogenere Bezahlung der Verkaufsteams. Übergeordnetes Ziel sei es, die „Servicestandards in unseren Geschäften zu erhöhen“.

Das dürfte allerdings nur gelingen, wenn die Mitarbeiter mitspielen. Doch daran hapert es, beklagen wichtige Lieferanten. Nicht nur in den Filialen herrsche noch zu viel Beamtenmentalität. Auch die Einkaufsabteilungen seien überlastet, oft sei es schwer, Mitarbeiter überhaupt zu erreichen, beklagt sich etwa ein Hersteller aus Norddeutschland. Mal werde die Ware nicht vom Lager in die Filialen geliefert, mal gebe es Probleme mit dem neuen Warenwirtschaftssystem von SAP.

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