Warenhausketten: Karstadt-Übernahme durch Kaufhof würde 25.000 Jobs kosten

Warenhausketten: Karstadt-Übernahme durch Kaufhof würde 25.000 Jobs kosten

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Eingang des Karstadt-Kaufhauses in Dresden

von Henryk Hielscher

Rolf Weidmann, Beauftragter des Arcandor-Insolvenzverwalters für Karstadt, hält einen Verkauf der Warenhauskette an den Konkurrenten Metro, dem schon die Warenhauskette Kaufhof gehört, für die schlechteste Lösung.

In diesem Fall werde es Massenentlassungen in beiden Unternehmen geben, sagte Weidmann der am Montag erscheinenden WirtschaftsWoche. „In der Öffentlichkeit entsteht oft der Eindruck, ein Zusammenschluss von Kaufhof und Karstadt zu einer Deutschen Warenhaus AG wäre etwas Großartiges. Für die Mitarbeiter bestimmt nicht. Die Deutsche Warenhaus AG würde 20.000 bis 25.000 Arbeitsplätze bei beiden Unternehmen kosten.“ Metro würde im Fall der Übernahme Doppelstandorte auflösen, erwartet Weidmann. „Metro müsste den Profit durch Zusammenlegung, also die sogenannten Synergieeffekte, die sich aus einer solchen Übernahme ergeben könnten, heben, um wirtschaftlich arbeiten zu können“, so Weidmann. „Betrachten Sie doch mal eine Stadt wie Hannover. 200 Meter entfernt vom großen Karstadt-Haus steht eine Kaufhof-Filiale. Oder Fulda: Auf der einen Straßenseite ist Karstadt, auf der anderen Kaufhof. Glauben Sie, dass nach einer Übernahme durch Metro dort dann noch jeweils zwei Häuser bestehen bleiben? Ich persönlich glaube das nicht“, so Weidmann.

„Wenn man über den Kaufhof als Partner für Karstadt spricht, muss man wissen, dass das Tausende Arbeitsplätze kosten würde. Und man muss wissen, dass viele Innenstädte verwaisen würden. Deshalb wäre ein solcher Zusammenschluss nach meinem Verständnis durchaus problematisch“, sagte Weidmann der WirtschaftsWoche.

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Die Karstadt-Insolvenzverwaltung ist optimistisch, die Warenhauskette als Ganzes inklusive der Sporthäuser bis Mitte kommenden Jahres verkaufen zu können. „Einen nennenswerten Millionenbetrag sollten Investoren für das Komplettpaket schon mitbringen. Zum Schnäppchenpreis wird es Karstadt nicht geben“, sagte Weidmann. Aktuell gebe es „etwa zwei Dutzend Interessenten. Wir werden Anfang des neuen Jahres zügig den Insolvenzplan mit den Gläubigern festzurren und das Bieterverfahren eröffnen. Unser Ziel ist es, im zweiten Quartal mit beidem – dem Insolvenzplan und der ersten Bieterrunde – durch zu sein. Im ersten Halbjahr 2010 soll Karstadt verkauft sein.“

Das Herauslösen einzelner lukrativer Standorte lehnt Weidmann ab, „weil das wirtschaftlicher Unsinn wäre. Das Unternehmen steht stabil, eine Zerschlagung ist überhaupt nicht notwendig. Im Gegenteil: Für viele Gläubiger wäre das ein Desaster. Zudem würden wesentlich mehr Karstadt-Mitarbeiter ihre Jobs verlieren. Denn im Fall einer Zerschlagung fänden allenfalls 20 oder 30 Karstadt-Warenhäuser einen Abnehmer.“

Mit dem bisherigen Verlauf des wichtigen Weihnachtsgeschäfts zeigte sich Weidmann zufrieden. Karstadt sei insgesamt „ordentlich ins Weihnachtsgeschäft gestartet. Die Frequenz in unseren Häusern stimmt, die Leute kaufen bei uns ein.“ Auch im kommenden Jahr erwartet die Insolvenzverwaltung einen positiven Geschäftsverlauf. „Das Geschäft läuft, die Warenbelieferung steht und wir gehen auch 2010 von recht ordentlichen Umsätzen und schwarzen Zahlen aus.“ Nach den verabredeten Sparmaßnahmen und Insolvenzmaßnahmen seien die „Rettungsvoraussetzungen für Karstadt besser denn je.“

Die Aktionäre des Mutterkonzerns Arcandor würden von einer Rettung der Warenhauskette allerdings nicht profitieren. „Die Anteilseigner werden aller Voraussicht nach leer ausgehen“, so Weidmann. „Die aktuellen Kursbewegungen der Aktie verstehen wir nicht.“

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