Wartezeiten: Frust an der Kasse

01. Oktober 2008
Lange Warteschlangen an der Quelle: dpaBild vergrößern
Lange Warteschlangen an der Kasse Quelle: dpa
von Henryk Hielscher

Je länger, je öder: Warteschlangen an Supermarktkassen kosten Nerven. Im Schnitt müssen sich Kunden in Deutschland rund sieben Minuten gedulden. Neue Kassentechnologien sollen das ändern.

Noch fünf Cent, vier, drei – perfekt. 9,47 Euro in Münzen liegen auf dem Kassentresen eines Kaiser’s Supermarktes in Düsseldorf Bilk. Der ältere Herr strahlt und fragt in Richtung Kasse: „Stimmt das denn auch so?" Und während die Kassiererin die Münzen des Shopping-Veterans lieber noch mal genau nach zählt, drängen sich die Kunden mit ihren Einkaufswagen inzwischen bis zum Käseregal. Dort füllt ein Mitarbeiter gerade in aller Ruhe Ware nach. Die beiden anderen Kassen bleiben geschlossen.

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Die alltagsempirische Erkenntnis, einen Großteil seines Lebens in Warteschlangen an den Kassen von Supermärkten, Tankstellen oder Bahnschaltern zu verplempern, wurde jetzt auch wissenschaftlich belegt. Im Schnitt rund sieben Minuten müssen Verbraucher in der Kassenzone verharren, bevor ihnen erlaubt wird, Geld abzugeben. Das hat das Beratungsunternehmen Grass Roots Performance in einer Studie für den europäischen Testkaufverband MSPA herausgefunden.

Damit liegt Deutschland im unteren Mittelfeld. Zum Vergleich: In Portugal beträgt die durchschnittliche Wartezeit 2,49 Minuten, in Irland 2,61 und in Österreich 2,7. Schlusslicht ist Griechenland mit fast 14 Minuten. 

Dabei gibt es durchaus Möglichkeiten die Shopping-Staus an den Kassen zu vermeiden. Die einfachste: Mehr Personal. Doch am Trend, immer weniger Vollzeit- und immer mehr Teilzeitkräfte beschäftigen, wird sich bei den meisten Handelskonzernen auf absehbare Zeit kaum etwas ändern.

Weniger Kassenfrust versprechen deshalb eher neuere Technologien. So haben einige Händler inzwischen Selbstbedienungskassen installiert. Vor allem die SB-Warenhauskette Real setzt auf solche Terminals. Im so genannten Real Future Store in Tönisvorst am Niederrhein geht das Unternehmen noch einen Schritt weiter. Zwar gibt es auch hier Kassen mit einem „echten" Kassierer. Aber es gibt auch eine „innovative Kassenzone", wo Kunden ihre Ware selber scannen und Bar, per Karte oder auch per Fingerabdruck zahlen können.

Einen anderen Ansatz im Kampf gegen Warteschlangen hat sich vor drei Jahren der Inhaber eines Edeka-Marktes in Lahr erdacht. Der Kunde zieht dort von einer Papierrolle eine Nummer und kann einkaufen, bis er per Durchsage und digitaler Nummernanzeige aufgerufen wird.

Shopping im Ambiente einer Kfz-Zulassungsstelle – dann vielleicht doch lieber sieben Minuten Warten.

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Kommentare | 19Alle Kommentare
  • 26.10.2008, 08:32 Uhrspachtelmasse

    ich muss bei Lidl auch nicht warten. da wird ohne Murren und Knurren ne zweite bzw ne dritte Kasse usw aufgemacht. Und von der Schnelligkeit war Aldi wesentlich schneller als Lidl heute ist es andersrum. Ausserdem wer einkaufen geht hat auch Zeit. Heute sind Öffnungszeiten von 7 bis 22 Uhr fast normal und wer ausser deutsche Ärzte geht weit über 12 Stunden arbeiten. Man man manche Deutsche haben echt Probleme ...

  • 16.10.2008, 20:30 Uhrpippo

    ich muss sagen, dass wir deutschen dem ausland in sachen kassentechnik deutlich hinterherhinken - in england gibt es die self-checkout kassen, an denen man seine ware selber einscannt und sowohl in bar als auch mit karten bezahlen kann, schon lange. darüber hinaus stellt jeder große supermarkt, außer die deutschen ketten lidl und aldi (welch überraschung), ebenso sämtliche kleinkassen zu verfügung an denen nur geringe warenmengen im kleinen einkaufskorb zugelassen sind. all dies macht den gesamten einkaufsprozess reibungsloser und flüssiger.

  • 13.10.2008, 22:52 Uhrstefan

    Part 2:

    Und zu "Schnakenfuß"
    Alles schön und gut. Gibt aber auch nen Paar Argumente die gegen die RFiD - Technologie sprechen.
    1. Die Technologie ist momentan noch zu Teuer. Man müsste alle Märkte erst einmal umrüsten was schon enorm in die Kosten geht. Dann braucht jeder Artikel einen RFiD Chip und momentan sind diese einfach noch zu teuer mit kosten von 0.30 cent bis 35 Euro das Stück. Und die Kunden sind bestimmt nicht bereit höhere Preise für so was zu bezahlen. ( quelle: http://www.rfid-basis.de/kosten.html )
    irgendwo habe ich mal gelesen es würde noch an die 10 Jahre dauern bis diese Technologie jeder nutzt, was somit den Absatz erhöht und somit die Preise der Chips reduziert und somit könnte man dann diese Technologie auch im Einzelhandel einsetzen.

    2. Wenn man komplett auf diese Technologie umrüstet ist es wohl klar, dass viele MA wegrationalisiert werden. Also wird die Arbeitslosenzahl nochmal ordentlich nach oben geschraubt und die Kaufkraft in Deutschland lässt auch wieder nach dies dann zu einem Wirtschaftlichen abschwung führen wird/kann. Das ganze kann man dann nochmal vertiefen.

    im großen und ganzen hat immer noch der Kunde die Wahl der Qual und kann selber Entscheiden wohin er gehen möchte, es gibt ja genügend Mitbewerber wo es klappt mit der Kundenfreundlichkeit.

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