Mag sein, dass Deutschland einfach keine konkurrenzfähigen Spieler hat, doch daran wird sich für die nächsten zwei Jahre nichts Entscheidendes ändern. Die erschütternde Unbeachtlichkeit unseres Ausscheidens legt jedenfalls die Einsicht nahe, dass der „deutsche Stil“ im internationalen Fußball keine Zukunft hat. Dafür spielt Europa einfach zu gut. Das eigene Spiel gemäß deutschen Tugenden zu organisieren, erlauben sich heute nur noch Mannschaften, denen es bei ihrem Auftritt darum geht, kein Debakel zu erleben. Mannschaften wie Lettland. Es gab bei diesem Turnier überhaupt nur ein Team, das ähnlich nationalstilgetreu auftrat wie wir: Trapattonis gescheitertes Italien. Der anregende Rest entzieht sich bewusst den eingefahrenen Mustern. Und am spannendsten sind die Auftritte bislang dort, wo es der jeweilige Landesverband gewagt hatte, einen ausländischen Trainer auf die Bank zu setzen, der für das Gegenteil des Nationalstils stand. Rehhagel in Griechenland, Eriksson in England, der oberfeldwebelhafte Scolari in Portugal. Eine Zukunft für stagnierende Teams liegt offensichtlich im Mut zur Kreuzung des Eigenen mit seinem entferntesten Widerpart. Das eindrücklichste Beispiel bietet hier Südkorea. Ehemals als „die Deutschen Asiens“ klassifiziert, erlebten sie bei ihrer Heimat-WM unter Trainer Guus Hiddink eine vollkommene Transformation ihrer Selbstbeschreibung. Guus Hiddink, den Namen kann man jetzt, da die deutsche Trainerfrage entschieden ist, gleich noch einmal schreiben. Niemand hatte diesen Namen auf der Liste. Ihn öffentlich auszusprechen, hätte vermutlich einen Empörungssturm ausgelöst. Ein Holländer bereitet uns auf die Weltmeisterschaft im eigenen Land vor. Ungedacht. Undenkbar. Tabu! Stattdessen folgt mit Ottmar Hitzfeld nun ein Trainer, den das gesamte Land als „logische Konsequenz“ freudig begrüßt. Es stimmt, Hitzfeld ist die logische Wahl. Nur ist es bei der Logik so: Was logisch folgt, steckt immer schon in den Prämissen. Und die Prämisse, die auch diese mutlose und kontinuitätsbetonende Entscheidung bedingt, besteht zweifellos darin, dass unser Stil eine Zukunft hat.
Laut einer aktuellen Prognose soll bis 2017 mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung Mitglied bei Facebook, Google+,...





















