Heute Nachmittag war ich bei meiner Bank. Eigentlich erledige ich fast alles per Onlinebanking, aber diesmal hatte ich eine Frage, auf die ich auf der website der EFG Eurobank keine eindeutige Antwort fand.
Also suchte ich die Filiale meiner Bank in Glyfada auf. Die Eurobank gehört lobenswerterweise zu den ganz wenigen griechischen Banken, die einige Geschäftsstellen bis 20 Uhr offen halten - normalerweise machen die Banken in Griechenland um 14 Uhr zu. Obwohl es schon kurz vor fünf war, konnte ich meine Frage also noch loswerden: was kostet die Überweisung von 5.000 Euro nach Deutschland? Die junge Dame zieht die Augenbrauen hoch und sagt, so genau wisse sie das auch nicht und sieht hilfesuchend den Kollegen am Nachbarschreibtisch an. "So um die 30 Euro?", fragt der zurück. Und die Dame bestätigt: "Ja, um die 30 Euro, das hätte ich auch gesagt." Ich bedanke mich für die ungefähre Auskunft und will mich noch kurz versichern: "Das ist dann eine SEPA-Überweisung, ja?" Die junge Dame sagt: "Sie können in jeder Währung überweisen, die sie wollen."
Das war nun allerdings nicht meine Frage. Also noch mal: "Es wird als SEPA-Überweisung abgewickelt?" Die Dame sieht mich an und fragt dann: "SEPA? Was ist SEPA?" Ich stutze. Soll das ein Witz sein? Eine Kundenberaterin der zweitgrößten griechischen Bank weiß nicht, was SEPA ist?
Ich erkläre es: Single Euro Payments Area - Überweisungen innerhalb der EU so einfach, schnell und günstig wie früher Inlandsüberweisungen - gilt seit Anfang 2008 - funktioniert sogar in Guadeloupe. "Nimmt die Eurobank etwa nicht am SEPA-Verfahren teil?", frage ich.
"SEPA, SEPA...." sinniert der männliche Kollege, und hat dann offenbar einen Geistesblitz: "Ja, ja sicher, da machen wir mit...und das können Sie auch online abwickeln!"
Aber das werde ich nicht tun. Ich werde aus journalistischer Neugier in den nächsten Tagen zu einer anderen Filiale meiner Bank gehen und dort den Test machen: können die eine SEPA-Überweisung abwickeln?
Bis dahin denke ich über die Ahnungslosigkeit der jungen Dame nach.
Die griechischen Banken brüsten sich gern, sie seien von der Finanzkrise wegen ihrer konservativen Geschäftsphilosophie weniger stark betroffen. Solides Banking eben. Nun könnte man meinen: wer nicht mal SEPA kennt, lässt die Finger auch von fies strukturierten Finanzprodukten - oder gerade nicht?
Ich weiß also nicht, ob mich das SEPA-Defizit beunruhigen muss. Vielleicht bin ich ja auch nur an die falsche Beraterin geraten. Aber auch das will man ja nicht - kann teuer werden, nicht nur bei den Überweisungsgebühren.
Damit jetzt nicht wieder in den Kommentaren patriotische Griechen wegen angeblich antihellenischer Propaganda auf mich einschlagen: sensibilisiert bin ich für das Thema übrigens, weil auch meine deutsche Sparkasse vor einigen Monaten bei einer größeren Überweisung von Deutschland nach Griechenland so tat, als kenne man SEPA nicht und Gebühren von 148,- Euro für einen Geldtransfer berechnete. Erst als ich Widerspruch erhob, wurde mir der Betrag weitgehend zurückerstattet. Die faule Ausrede lautete, ich hätte nicht ausdrücklich nach einer SEPA-Überweisung verlangt...





















