
Wasser ist eine knappe Ressource, der Kampf um den Rohstoff wird schärfer. Oliver Hermes, Chef des Pumpenherstellers Wilo, sieht das pragmatisch: "Die Entwicklung spielt uns in die Karten", sagt er. "Sobald Wasser bewegt wird, braucht man Pumpen."
Bisher liefert das Dortmunder Familienunternehmen vor allem Pumpen für Fabriken und Wohngebäude. Doch Hermes' Firma hat die Zeichen der Zeit erkannt. Das Unternehmen mit rund einer Milliarde Euro Umsatz baut eine dritte Sparte auf. Sie soll das Geschäft mit großen Anlagen zur Wasserversorgung bündeln, wie sie etwa in Entwicklungsländern gebraucht werden.
In fünf Jahren soll der Bereich seinen Umsatzanteil verdreifachen. Über seine 60 Tochtergesellschaften ist Wilo schon heute in praktisch allen Märkten vertreten. So hat das Unternehmen kürzlich 180 Pumpen für ein Abwasserprojekt in Äthiopien geliefert und baut Pumpen für eine 20 Kilometer lange Wasserleitung in Jordanien.
Investitionsbedarf: 600 Milliarden.
Wilo ist eines von vielen deutschen Unternehmen, die beim Ausbau der Wasserversorgung weltweit zum Zuge kommen. Der globale Verbrauch pro Kopf steigt Jahr für Jahr um 2,5 Prozent. 1,1 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Wasser, 2,6 Milliarden verfügen über keine sanitären Einrichtungen. Laut Unicef sterben jährlich 3,6 Millionen Menschen an den Folgen verunreinigten Wassers. Der Bedarf an technischen Lösungen ist groß.
Und der Markt ist riesig. Die Weltbank schätzt, dass in den nächsten zehn Jahren über 600 Milliarden Dollar investiert werden müssen. Die Deutsche Bank errechnet den jährlichen Investitionsbedarf in einer Studie auf 500 Milliarden Euro.
Die Industrie steht bereit, deutsche Anbieter sind gut positioniert. "Gerade deutsche Unternehmen sind Anbieter von Spitzentechnologie im Wasserbereich", schreibt die Deutsche Bank. Der Maschinenbauverband VDMA sieht die Hersteller weltweit auf dem zweiten Platz mit einem Weltmarktanteil von 18 Prozent knapp hinter den USA, die auf 21 Prozent kommen.
Der Essener Anlagenbauer WTE beschränkt sich wegen des großen Markts auf Europa. "Hier haben wir genug zu tun", sagt Geschäftsführer Ralf Schröder. Das Unternehmen mit einem Umsatz von rund 300 Millionen Euro plant und baut Wasserwerke und Kläranlagen. Vor allem in Süd- und Osteuropa wächst der Markt.
So hat WTE derzeit Aufträge in Warschau, Vilnius, Istanbul, Moskau und Zypern in Arbeit, wobei Warschau mit einem Volumen von rund 500 Millionen Euro einer der ganz großen Aufträge ist. "Der Markt wächst, weitere Städte werden Aufträge vergeben", sagt Schröder. WTE hat in Deutschland kaum Konkurrenten, die sich als Komplettanbieter um die großen Aufträge bewerben. Die größten Wettbewerber sind die französischen Konzerne Veolia und Degremont.
In Deutschland sieht der WTE-Geschäftsführer kaum Potenzial: "Hier ist alles gebaut." Es gibt lediglich kleinere Aufträge für die Verbesserung der Kläranlagen.
Auch der Elektrokonzern ABB profitiert vom großen Wassermarkt. Im vergangenen Jahr erhielt das Unternehmen Aufträge im Volumen von 825 Millionen Dollar. Aus Kuwait kam ein Großauftrag über 148 Millionen Dollar für Neubau und Modernisierung der Wasserpumpenanlagen. Nach China liefert ABB Antriebe und Transformatoren für ein Wasserprojekt, das etwa 100 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr transportieren soll. ABB erwartet, dass der globale Wassermarkt dieses Jahr etwa sechs Prozent wächst, der Konzern will ein etwas höheres Plus erreichen.
Anlagen für die Großproduktion.
Auch die Industrie selbst investiert in Wasseranlagen. Große Industriekomplexe verfügen in der Regel über einen geschlossenen Wasserkreislauf mit eigenen Kläranlagen. Enviro Chemie sieht hier ihren Markt. "Wir sehen ein hohes Potenzial", sagt Gottlieb Hupfer, Geschäftsführer des Unternehmens aus Roßdorf bei Darmstadt. Allerdings liegt das Potenzial wie im öffentlichen Bereich mehr im Ausland als in Deutschland. Vor allem nach Osteuropa und Russland exportiert Enviro Anlagen zur Wasserreinigung. "Mit unseren Stammkunden gehen wir aber in die ganze Welt", sagt Hupfer.
So beträgt der Exportanteil des Unternehmens mit einem Umsatz von rund 75 Millionen Euro denn auch rund 70 Prozent. Der große Markt China ist allerdings schwierig, hier werden lokale Anbieter bevorzugt, mit deren niedrigen Preisen das deutsche Unternehmen nicht mithalten kann. Auch die USA sind für Enviro ein noch unerschlossener Markt. "Hier gilt ein anderes Messsystem, was andere Teile erfordern würde", meint Hupfer. "Wir haben dann eine Chance, wenn Kunden Fabriken auf Weltmarktniveau betreiben. Wir bedienen den weltweiten Premiummarkt."













