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Web 2.0 - Flop 2.0: Internet-Startups in Geldnöten

von Oliver Voss und Jens Tönnesmann

Auch in Deutschland geraten Internet-Startups in Geldnöte. Die ersten mussten aufgeben, andere suchen händeringend nach neuen Finanzierungsquellen.

Auf Internet-Startups kommen Quelle: REUTERS
Auf Internet-Startups kommen harte Zeiten zu Quelle: REUTERS
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Ein Dutzend Pakete stapelt sich im Flur der Düsseldorfer Internet-Agentur Marketing Factory. Darin verpackt sind Zelte oder Flachbildschirme – letzte Bestellungen, die der Internet-Shop Schutzgeld noch abwickelt. Anfang November hat der virtuelle Händler dichtgemacht. Dabei hatte die Idee, mit der das Unternehmen vor zwei Jahren antrat, als der große Trend im Internet gegolten: das sogenannte Live-Shopping. Dabei bietet ein Händler pro Tag ein Produkt an – mal ein Messerset, eine Spielekonsole oder einen Fernseher.

„Ich komme mir vor wie im Märchen von des Kaisers neuen Kleidern“, sagt Schutzgeld-Gründer Peter Faisst heute. Obwohl sie es besser wissen, wahren bei Hans Christian Andersen alle Personen den schönen Schein, bis ein kleines Kind ruft: „Der Kaiser ist ja nackt.“ Die vermeintlich prachtvollen Gewänder des Königs stehen in Faissts Fall für Web 2.0, das interaktive Internet, das dank seiner Millionen Nutzer das große Geschäft verspricht. Das Kind, das sagt, was jeder weiß, ist hier der Schutzgeld-Gründer selbst. Als einer der Ersten seiner Zunft hat er offen ausgesprochen, was viele seiner Kollegen ebenfalls erfahren – mit hippen Web-2.0-Shops ist oft kein Geld zu verdienen.

Das Startup-Sterben in der Internet-Wirtschaft hat auch in Deutschland begonnen. Die WirtschaftsWoche hat 151 junge Internet-Unternehmen zu ihrer Einschätzung der Krise befragt und ernüchternde Ergebnisse ans Tageslicht gebracht: Mehr als die Hälfte der Befragten sieht die Existenz ihrer Unternehmen bedroht. „Das Schlimmste ist die Angst“, sagt ein Gründer, „im Moment haben viele das Gefühl zu fallen, wissen aber nicht, wo der Boden ist.“ Sieben von zehn Unternehmen reagieren auf die empfundene Bedrohung mit Kostensenkungen. Trotzdem versuchen viele, ihren Optimismus zu bewahren: 67 Prozent wollen im kommenden Jahr sogar neue Stellen schaffen.

Doch frisches Kapital aufzutreiben wird immer schwieriger, sagt fast ein Drittel der Startups. Immer häufiger platzt eine schon sicher geglaubte Finanzierungsrunde kurzfristig. Mehr als 20 Unternehmen mussten diese Erfahrung in der letzten Zeit machen. So auch das Münchner Unternehmen Kazzong, das einen Download-Service für Musik entwickelte: Für die beiden Gründer Martin Simma und Matthias Riedl schien alles perfekt, sie hatten einen Investor gefunden, der eine sechsstellige Summe für die Geschäftsidee bereitstellen wollte.

Der Vertrag war aufgesetzt, als die Finanzkrise die Pläne des jungen Unternehmens eiskalt durchkreuzte. Statt beim Notar den Vertrag mit ihrem Investor zu unterzeichnen, mussten Simma und Riedl beim Amtsgericht Insolvenz anmelden. Das Münchner Büro wurde geschlossen, die fünf Mitarbeiter mussten gehen. „Der Investor hat viel Geld in der Krise verloren und deswegen in letzter Minute einen Rückzieher gemacht“, sagt Simma, „was für uns bedeutete: Wir müssen zumachen.“

So geht es mittlerweile vielen InternetStartups, denn die Kapitalgeber halten ihr Geld zusammen. „Ich bin vorsichtiger“, sagt Lukasz Gadowski, Gründer des erfolgreichen Internet-Shops Spreadshirt, der heute als Business Angel andere Gründer finanziert. „Folgefinanzierungen eigener Startups werden schwerer, und ich möchte Reserven haben.“ 80 Prozent der befragten Unternehmen mussten die Erfahrung machen, dass das Einsammeln von Kapital schwieriger geworden ist. Da reicht es schon, dass ein Geldgeber sich an anderer Stelle verspekuliert hat, und schon fehlt das Geld für Investitionen.

Dabei versprach der inzwischen insolvente Musik-Download-Dienst Kazzong ein erfolgreiches Investment zu werden: Das Unternehmen hatte das kritische erste Jahr überstanden und nach Simmas Angaben bereits Verträge mit Plattenfirmen und Anbietern sozialer Netzwerke unterschrieben. Musiker konnten dank Kazzong ihren Internet-Auftritt um einen eigenen Songshop ergänzen – und bei jedem Download verdiente Kazzong ein paar Cent mit. Im Sommer hatte die Firma eine neue Abspielsoftware entwickelt, die bei der Kundschaft gut ankam. Das Ziel, Ende kommenden Jahres erstmals schwarze Zahlen zu schreiben, schien zum Greifen nah.

6 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 10.09.2009, 15:21 UhrAnonymer Benutzer: Philipp

    Hallo,

    nach einem Jahr Arbeit steht das neue Townster kurz vor dem Relaunch. Nach dem Ebay Exit und dem Kauf durch Michael W. Schwetje hat ein neues Team in berlin an der Funktionalität der Seite geschraubt und ebenfalls den Fokus und das Design der Seite verändert. Dadurch ist ein attraktives neues Stadtportal entstanden, das in wenigen Wochen online gehen wird. Für mehr infos kann man unter http://blog.townster.de oder http://www.deutsche-startups.de/2009/09/09/vorhang-auf-fuer-das-neue-townster/ nachschauen. Wir freuen uns auf Euren besuch!

    Philipp böttcher (Marketing / Online-Marketing)

  • 01.02.2009, 14:22 UhrAnonymer Benutzer: namensschild-24.de

    Viele Startups haben zwar eine gute idee. Aber diese sind nur mit sehr viel Fremdkapital umzusetzten. Vielleicht sollten manche Startups erst mal ans Geldverdienen denken und nicht an grosse büros, Autos und andere Statussymbole.

  • 16.01.2009, 12:41 UhrAnonymer Benutzer: Hasenpfote2389

    Das war doch abzusehen ! Wie soll man damit auch RiCHTiG Geld verdienen, daß lohnt sich doch vorne und hinten nicht. Gähn..ist ein Abklatsch von dem was schonmal da war im Jahre 2000. Damals war alles zwar noch viel extremer, aber jetzt läuft es ganz ähnlich. Wenn das Leben und alles teurer wird, dann sparen die LEute auch mehr, und geben garntiert kaum Geld für irgendwelchen Web 2.0 firlefanz aus. Das Netz ist im weiten Sinne kostenlos und das ist auch gut so ! Soziale Netzwerke sind auch kostenlos - die meisten lachen sich einen Ast über die Werbung, weil sie sie garnicht sehen , dank einem Werbeblocker !
    Gute Musik gibt es (legal) an jeder zweiten Ecke im internet. Die meisten Menschen haben kapiert, daß vieles im Netz kostenlos ist, deswegen ist das Netz ja so erfolgreich ! Die werden nicht für Dienste im Netzt bezahlen !

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