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Webciety: Wie die CeBIT versucht, die verlorenen Kinder des Digitalzeitalters zurückzuholen

von Thomas Kuhn und Oliver Voß

Die CeBIT hat das Internet entdeckt. Doch das Hoffnungsthema findet auf der Messe im wahrsten Wortsinne ganz am Rande statt. Das Webciety-Forum liegt in der abgelegensten Ecke – und erfreut sich dennoch bester Resonanz.

Der Autor Sascha Lobo in einem Quelle: dpa
Der Autor Sascha Lobo in einem Berliner Cafe. Quelle: dpa
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Die Reaktion kommt sofort: „Was verzapft der denn für einen Schwachsinn“, kommentiert der Nutzer GRoller über den Kurznachrichtendienst Twitter einen Vortrag zum Thema vernetzte Gesellschaft, der gerade auf der Bühne im neuen Webciety-Forum auf der CeBIT läuft. Kaum getwittert erscheint der despektierliche Kommentar hinter dem Referenten auf dem Wand-großen Bildschirm, der sogenannten Twitter-Wall.

Vom plötzlichen Gelächter aus dem Auditorium irritiert dreht sich der Sprecher um, liest, lacht und geht auf den "Tweet" ein. Der elektronische Einwurf wirkt, der Sprecher greift den Faden noch einmal auf, argumentiert neu - und überzeugt. Für die spontane Reaktion gibt es Szenenapplaus.

Die CeBIT will die verlorenen Kinder des Digitalzeitalters zurückholen

Die digitale Diskussion zeigt idealtypisch, was die CeBIT-Macher und Ideengeber Sascha Lobo mit dem neuen Messebereich „Webciety“, einem Kunstwort aus „Web“ und „Society“ präsentieren wollen: Die Verschmelzung von realer und digitaler Welt, wobei durch die Integration verschiedener Kommunikationsformen der Alltag immer vernetzter wird.

Damit versucht die CeBIT auch die verlorenen Kinder des Digitalzeitalters zurückzuholen. Denn beim „Centrum für Büroautomation, Informationstechnologie und Telekommunikation“ hat man die Bedeutung des Internet lange verschlafen. Während die alten IT-Riesen wie Microsoft oder IBM und auch zahlreichen kleinen Hard- und Softwareschmieden mit ihren Ständen das Bild der Messehalle prägten, suchten sich die Helden der New Economy und deren Nachfolger eigene Messen und Konferenzen.

So war es auch eine vom O´Reilly-Verlag veranstaltete Konferenz, die den Begriff Web2.0, für junge Internet-Unternehmen des Mitmach-Web, wie Youtube, Flickr, Wikipedia oder Facebook prägte. Und während die CeBIT für viele Unternehmer der IT-Branche weiter zum Pflichtprogramm gehörte, machten viele junge Gründer und die Bloggerszene einen großen Bogen um Hannover und pilgerten stattdessen zur Le Web-Konferenz nach Paris, trafen sich im Silicon Valley oder auf so genannten Barcamps.

"Angst, dass am Ende Quatsch rauskommt"

Um das wieder zu ändern, engagierten die Messe-Macher Sascha Lobo, der einst den Begriff von der „digitalen Boheme“ prägte und sich wie kaum ein anderer als ihr hervorstechender Vertreter inszeniert. Der Werbeprofi und deutsche Twitter-König entwickelte mit der Agentur CE+CO das Konzept der „Webciety“. Großspurig lautet der claim der Veranstaltung: "Internet is coming home."

Um junge Start-Ups zu locken, sind die Stände in dem Messebereich für 9900 Euro zu haben und damit viel günstiger als die normale Miete. Die „Homebase“ genannten Stände lassen sich einfach per Präsentation vom Laptop „dekorieren“. „Man braucht keine lästigen Möbel und doofen Prospekte“, sagt Lobo über die „digitalen Messestände“.

Lobo war selbst skeptisch, ob das Konzept funktioniert. „Lange hatte ich Angst, dass wir uns eine schöne Idee ausgedacht, aber schöngedacht haben und am Ende kommt Quatsch raus“, schreibt er im Cebit-Blog. Doch von den fünfzehn Teilideen, die im Webciety-Konzept stecken, würden etwa elf gut funktionieren, „die restlichen vier sind ärgerlich, aber bequem verschweigbar“.

Auch die Weinkenner entdecken das Web2.0

Bei den Veranstaltungen orientieren sich die Macher an den neuen Präsentationsformen der Web2.0-Treffen. So gibt es ein „Xing-Speeddating“ oder die angesagten „Pecha Kucha“-Präsentationen. Dabei dürfen die Vorstellenden genau 20 Folien zeigen und zu jeder 20 Sekunden sprechen.

Selbst eine Weinverkostung2.0 wird veranstaltet. Dabei konnten sich die Interessenten die zu testenden Tropfen vorab ins Haus kommen lassen und während der Veranstaltung natürlich via Twitter ihre Kommentare zum Wein abgeben. Bleibt zu hoffen, dass es unterhaltsamer wird als die Veranstaltung "Wein im Web 2.0". Da haben die Teilnehmer schon ihre Meinung kundgetan. "Hatte manchmal etwas von einer Jahresversammlung eines Herstellers von Lochverstärkungsringen", schrieb beispielsweise der "Weinpunk".

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1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 09.03.2009, 08:13 UhrAnonymer Benutzer: Roland

    Wir haben von der Webciety nur Gutes zu berichten. Am Samstag war die Startup Competition und neben My Music und Younect hat www.styleranking.de gewonnen und darf nun auf der next09 präsentieren. Uns hat das Forum daher sehr gut gefallen.

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