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Website: Wie Tchibo seine Kunden als Ideengeber einsetzen will

von Wilfried Eckl-Dorna

Der Handelsriese Tchibo will weg vom Billig-Image. Deshalb setzt der Konzern auf edlere Shops und originellere Produkte. Auf der neuen Konzern-Website Tchibo "Ideas" sollen Kunden zu Produkt-Ideengebern mutieren – doch im Umgang mit der jungen Zielgruppe ist Tchibo noch nicht ganz sattelfest.

Website Tchibo Ideas
Website Tchibo Ideas

Prototyper macht sich für seine C02-neutrale Bio-Grillsteinkohle aus Bioabfällen stark. Schreib-a-link preist seine "Toast’n Water Station" speziell für den Single-Haushalt an. Thomas’ Entwurf einer Neoprenhülle mit Kühlaggregat für Limonadekästen hat es sogar in die monatliche Finalistenrunde geschafft.

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Daniel Meyers Idee stiehlt ihm dort aber bisher die Schau: Meyer wünscht sich einen Pflanzentopf aus Silikon, der es kreativen Gärtnern ermöglichen soll, auch ungewöhnliche Stellen zu begrünen. Inspirieren ließ sich Meyer dabei von der „Art und Weise, wie Pflanzen jede Möglichkeit voll ausnutzen“ und dann in Mauerspalten, auf Dächern oder Pflastersteinen wurzeln.

Gut möglich, dass der Gummi-Pflanzentopf oder die Neoprenhülle bald die Nischen in den Tchibo-Regale füllen. Zurzeit finden sich die originellen Ideen nur auf einer neuen Website des Kaffeerösters Tchibo. Unter der Adresse www.tchibo-ideas.de hat der Handelskonzern eine Plattform für Alltagsprobleme und deren Lösungen geschaffen. Die Seite befindet sich seit Mai 2008 in der Testphase, am Prinzip wird sich aber nichts mehr ändern: Kunden und Konsumenten stellen Aufgaben, Designer, Erfinder und pfiffige Köpfe suchen Lösungen. Sie alle bilden die Tchibo-Community, in der laut Tchibo „jeder Einzelne vom Wissen und von der Erfahrung des Anderen profitieren“ und dadurch seine Ideen verbessern kann.

Damit das auch wirklich funktioniert, setzt Tchibo auf regelmäßige Wettbewerbe: Eine dreiköpfige Jury, in der unter anderem der Architekt Meinhard von Gerkan sitzt, kürt die Aufgabe und die Lösung des Monats. Dem Finder der besten Lösung winken 2000 Euro, der monatliche Aufgaben-König wird mit 1200 Euro bedacht.

Tchibo: Deutscher Vorreiter beim Einbinden von Kundenideen

Wirklich neu ist die Idee nicht, die eigenen Kunden als Ideengeber einzuspannen: Kaffeeröst-Konkurrent Starbucks versucht mit seiner Website My Starbucks Idea ähnliches. Computerhändler Dell will via Dell IdeaStorm ebenfalls von der Kreativität seiner Kunden profitieren.

Immerhin: In Deutschland ist Tchibos in trendigem Grau gehaltene Ideenplattform Vorreiter unter den großen Handelskonzernen. Innovative Ideen hat der ins Schlingern geratene Handelskonzern dringen nötig, wie die WirtschaftsWoche berichtet. Wohl auch deshalb hat "Tchibo Ideas" den Segen der obersten Führungsebene: „Alles muss enger zusammenrücken und stärker vernetzt werden. Das birgt enorme Wachstumschancen“, meint Tchibo-Vertriebsvorstand Stefan Pfander zu den Internet-Aktivitäten des Handelsriesen. Der Entwicklungsprozess für neue Produkte dauert bei Tchibo ein Jahr, so Pfander. „Das bedeutete enorme Risiken hinsichtlich der Bestellmenge. Da müssen wir mehr Flexibilität bekommen“.

Missglückte Marketingaktion für Testphase

Wirklich glücklich verlief die Einführung allerdings nicht. Mitte April verschickte eine von Tchibo beauftragte Marketing-Agentur anonyme Päckchen an Deutschlands bekannteste Blogger. Darin fanden sich ein Handy, eine Zahnbürste und ein Nassrasierer – samt einem Papierzettel, dessen namenloses Logo die Neugier der Adressaten wecken sollte. Rund 100 Schlüsselpersonen der deutschen Internet-Szene rätselten tagelang, wer hinter der Marketingaktion steckte. Sie waren eher enttäuscht, als sich Tchibo als Versender outete und die Blogger dazu animieren wollte, Tchibo Ideas auf Herz und Nieren zu testen.

Martin Oetting, Betreiber des Blogs ConnectedMarketing, hat die Aktion in einer Fallstudie detailliert beschrieben. In seiner Mini-Umfrage unter 12 Adressaten kam Tchibo schlecht weg: Keiner der Päckchen-Empfänger wollte Tchibo Ideas Freunden und Bekannten empfehlen.

Der Blogger Stoibär beschrieb seine Haltung in der Fallstudie so: „Die Marke Tchibo passt […] nicht zur Grundidee dieser Plattform“. Oettings Fazit der Marketingaktion: Tchibo wäre besser beraten gewesen, Blogger bereits in der Konzeptionsphase einzubinden. Das hätte „vor allem gezeigt, dass Tchibo die Sache mit den Ideen von außen wirklich ernst meint“, urteilt Oetting.

So gut die Idee von "Tchibo Ideas" auch sein mag: Im Umgang mit neuen Zielgruppen muss der  Handelsriese noch dazulernen.

4 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 03.09.2008, 01:36 UhrAnonymer Benutzer: M.s

    Hallo auch !ich jung 25 würde mich gerne Selbständig machen, in meinen bundesland.Und würde Gerne ein Tchibo Geschäft eröffnen nur leider weiß ich nicht wie oder an wen ich mich wenden kann!!

    Über Tipps würde ich mich freuen wenn sie mir eine Mail zusenden!

    Mit freundlcihen Grüßen

    M.s

  • 08.08.2008, 16:30 UhrAnonymer Benutzer: Hans H. Laun

    Möchte mich über ihren Service im Tchiboshop Nr.3504 beschweren, wohin kann ich mich wenden?
    Mit freundlichen Grüßen

    Hans H. Laun

  • 05.08.2008, 16:51 UhrAnonymer Benutzer: Raber, Schiffweiler

    Unser Haushalt ist ein großer Anhänger ihres Cappuccino Classico. (Verbrauch von 2 Dosen pro Woche). Als es den Cappuccino mit Haselnussaroma gab, haben wir ihre Verbrauchsstatistik mit 3 Dosen pro Woche noch stärker beeinflusst. Der Nachfolger des Haselnussaroma war schon ein Rückschritt.

    Was jetzt mit ihrem neuen Cappuccino Classico geschieht ist eine beleidigung für die Geschmacksnerven. ich möchte keinen heißen Kakao mit Schaum trinken, der keinen Kaffeegeschmack hat, wenn ich Cappuccino trinke. Mein Mann denkt ebenso. Wenn der Cappuccino Classico mit feinem Espresso vom Markt genommen wird, werden ihnen zwei Gro0verbraucher verloren gehen. Noch besser wäre es,den Vorgänger mit Haselnussaroma aus der alten Rezeptur erneut auf den Markt zu bringen.

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