
Telekom-Chef René Obermann will den Vorstand radikal umbauen: Drei der sieben bislang männlichen Vorstandsmitglieder sollen durch Frauen ersetzt werden, erfuhr das Handelsblatt aus Aufsichtsratskreisen. Die Mitglieder des Kontrollgremiums treffen sich heute Nachmittag zu einer außerordentlichen Sitzung, um über die drei Kandidatinnen zu beraten.
Es geht um die zentralen Vorstandsbereiche Europa, Datenschutz, Recht und Compliance sowie das Personalressort. Mit einem Schlag könnte die Frauenquote der Telekom im Vorstand so auf mehr als 40 Prozent steigen.
Als sicher gilt die Zustimmung des Kontrollgremiums für Claudia Nemat als Europachefin. Die 42-Jährige ist bisher Partnerin bei der Unternehmensberatung McKinsey. Sie übernimmt den Telekom-Posten Anfang Oktober. Die Stelle ist vakant, weil der bisherige Europachef Guido Kerkhoff im April als Finanzvorstand zu Thyssen-Krupp wechselte.
Dritte im Bunde bleibt noch geheim
Kenner trauen Nemat den schwierigen Job zu. Sie sei intelligent und durchsetzungsfähig, aber trotzdem charmant und besitze Fingerspitzengefühl im Umgang mit Menschen. "Sie ist außen sanft und verbindlich, aber in der Sache kompromisslos", sagt einer, der sie schon lange kennt. "Nemat ist die unproblematischste der drei Personalien", heißt es in Telekom-Kreisen.
Auch der bisherige Recht- und Compliance-Vorstand, Manfred Balz, wird einer Frau weichen. Der Vertrag von Balz läuft zwar noch bis Oktober 2012. Der 66-Jährige hört aber früher auf. Der Name der Nachfolge-Kandidatin fkonnte die Telekom bislang geheim halten, ihre Berufung ist aber unstrittig. Es könnte zwar sein, dass die Anwärterin heute aus formalen Gründen nicht gewählt wird. Denn sie hat noch nicht alle Details ihres Wechsels mit ihrem aktuellen Arbeitgeber verhandelt.
Schicke Nachfolgerin?
Heftiger Streit tobt dagegen um die Kandidatin für das Amt der Personalchefin. Der bisherige Vorstand Thomas Sattelberger ist der geistige Vater der Frauenquote bei der Telekom. Sein Vertrag läuft noch bis Mai kommenden Jahres. Der 62-Jährige wollte ihn verlängern, doch dagegen haben sich die Arbeitnehmervertreter heftig gewehrt. Sattelberger gilt als harter Hund, die Arbeitnehmervertreter werfen ihm vor, gegen die Interessen der Mitarbeiter zu handeln.
Obermann hat deshalb eine Alternative gesucht - und sich für die ehemalige Bildungsministerin aus Baden-Württemberg, Marion Schick, stark gemacht. Die CDU-Politikerin hätte die ideale Nachfolgerin von Sattelberger sein können.
Mentalitätswechsel angemahnt
Früh setzte sie sich für mehr Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten ein. Deutschland liege, was Frauen in Führungspositionen angehe, hinter Russland, Brasilien und China, sagte Schick Anfang des Jahres und forderte einen Mentalitätswechsel in der Unternehmenskultur.













